Gewaltat beim CSD
Trauer in queerer Community: "Regenbogen hat einen Riss bekommen"

Das mutmaßliche Attentat am Rande des CSD in Berlin sorgt in der queeren Gemeinschaft für Entsetzen und Trauer: "Der Regenbogen hat heute einen Riss bekommen. Das ist ein dunkler Tag für unsere Community und unser Land", schrieb etwa der Verband Queere Vielfalt LSDV+ auf Instagram.

    An einem Baumstamm lehnt eine kleine Regenbogenflagge. Davor liegen Blumen und stehen Kerzen.
    Trauer nach Gewaltat in Berlin: Menschen haben in der Nähe des Tatorts Blumen niedergelegt. (IMAGO / dts Nachrichtenagentur)
    Auch der Queer-Beauftragte des Berliner Senats, Pantisano, sprach von einem großen Trauertag für die Community. "Viele werden lange brauchen, um das Erlebte zu verarbeiten." Die Beauftragte der Bundesregierung für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, die SPD-Politikerin Koch, schrieb: "Wenn die Feinde unserer Freiheit Hass und Gewalt säen, werden sie keine Angst ernten, sondern mehr Zusammenhalt, mehr Vielfalt und mehr Sichtbarkeit. Das ist unsere Antwort."

    CSD-Veranstalter befürchten Teilnehmerrückgang

    Auch die Organisatoren der CSD-Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt äußerten sich geschockt: "Wir waren gestern selbst bis zum Ende vor Ort", sagte CSD-Sachsen-Anhalt-Sprecher Falko Jentsch der Nachrichtenagentur dpa. Taten wie diese lähmten nicht nur die Leichtigkeit und Lockerheit auf den Veranstaltungen, sie führten in Sachsen-Anhalt zu einem Teilnehmerrückgang und veränderten den Grundgedanken des CSD, sagte er.

    Solidaritätsbekundung aus Köln

    Eine Solidaritätsbekundung kam von der Stadt Köln, in der jährlich die größte CSD-Veranstaltung Deutschlands stattfindet. Kölns Oberbürgermeister Burmester (SPD) sprach von einem Angriff gegen die Werte, für die der CSD stehe - wie Freiheit, Vielfalt, Respekt und ein friedliches Miteinander. "Köln steht fest an der Seite der queeren Community", betonte der SPD-Politiker. Auch Veranstalter von CSD-Umzügen in anderen Städten äußerten sich solidarisch.
    Für das derzeit in Amsterdam stattfindenden "World Pride"-Festival wurden zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen angeordnet. Dies teilte Amsterdams Bürgermeisterin Halsema mit. "World Pride" gilt als eines der größten internationalen Events der LGBTQ+-Gemeinschaft. Das Festival findet in diesem Jahr zum ersten Mal in der niederländischen Metropole statt.

    Andacht und Trauerveranstaltung am Nachmittag

    Für den Nachmittag wurde in Berlin eine Trauerveranstaltung am Brandenburger Tor angekündigt. Entsetzen über die Tat gab es auch in den Kirchen: Der evangelische Berliner Bischof Stäblein erklärte: "Aus einem Tag voller Vielfalt und Liebe wurde eine Nacht voller Entsetzen." Die evangelische Kirche in der Hauptstadt lud für den Nachmittag zu einer Andacht ein. Um 16.30 Uhr werde dabei in der Marienkirche am Alexanderplatz die Möglichkeit gegeben, der Opfer zu gedenken und der Trauer Ausdruck zu geben, teilte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz mit. Bischof Stäblein werde dort eine kurze Ansprache halten. Auch ökumenische und interreligiöse Gäste würden erwartet.
    Nach Polizeiangaben wurde bei dem mutmaßlichen Anschlag mindestens eine Person getötet, als ein Fahrzeug am Rande des CSD im Berliner Tiergarten mehrere Menschen anfuhr. Den aktuellen Stand und die Reaktionen aus der Politik fassen wir hier zusammen.
    Diese Nachricht wurde am 26.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.