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StartseiteTag für Tag"Die kommunikative Quarantäne durchbrechen"12.10.2020

Doku zu Corona im Pflegeheim"Die kommunikative Quarantäne durchbrechen"

Im Hanns-Lilje-Heim in Wolfsburg sind im Frühjahr 47 Menschen an Corona gestorben. Der Journalist Arnd Henze hat mit Angehörigen, Pflegekräften und Ärzten gesprochen - und sehr unterschiedliche Perspektiven gehört, sagte er im Dlf. Er hoffe auf eine gesellschaftliche Debatte über die Balance zwischen Sicherheit und Selbstbestimmung.

Arnd Henze im Gespräch mit Christiane Florin

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Eine Pflegerin kniet vor einer Heimbewohnerin und hält ihre Hand (WDR/Sonja Kättner-Neumann/Arnd Henze)
Als das Heim für Besucher geschlossen wurde, hörte Elfriede Reduhn (l.) auf zu essen. Dank der besonderen Zuwendung von Pflegerin Viktorija hat sie COVID-19 überlebt. (WDR/Sonja Kättner-Neumann/Arnd Henze)
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Im Zentrum der ARD-Dokumentation mit dem Titel "Ich weiß nicht mal, wie er starb" steht das Hanns-Lilje-Heim in Wolfsburg. Die Einrichtung der Diakonie ist spezialisiert auf Demenz und psychische Erkrankungen. 47 Menschen starben im Frühjahr dieses Jahres innerhalb kurzer Zeit. Sie saßen, wie es in der Doku heißt, in der "Corona-Falle". "Ich weiß nicht mal, wie er starb" - der Titel greift auf, was Angehörige dem Heim und auch sich selbst vorwerfen: dass Mutter oder Vater in den letzten Stunden ihres Lebens alleine war. Die Journalistin Sonja Kättner-Neumann und ihr Kollege Arnd Henze haben in Wolfsburg recherchiert. Sie haben mit Pflegerinnen und Pflegern, mit der Heimleitung, mit Angehörigen und mit politisch Verantwortlichen gesprochen. Und über allem steht die Frage: Wie konnte es dazu kommen?

Christiane Florin: Herr Henze, Sie haben während der Dreharbeiten immer mal wieder in sozialen Netzwerken einen Einblick in die Werkstatt gegeben. Und Sie haben geschrieben, dass dies die intensivste Arbeit war, die emotionalste Arbeit, die Sie je gemacht haben. Nun sind Sie ein erfahrener Journalist. Was war daran so emotional?

Arnd Henze: Die ganz unterschiedliche Wahrnehmung und Perspektiven, die uns ganz authentisch und sehr, sehr emotional erzählt wurden. Wir waren für viele tatsächlich die ersten, denen sie das ein, zwei, manchmal drei Stunden lang erzählen konnten, was sie in der Zeit verarbeitet und zu verarbeiten haben. Dann saßen wir abends oft nach zehn, zwölf Stunden da zusammen und haben das erst mal sacken lassen müssen. Das, was uns die Pflegekräfte erzählt haben, hat uns berührt und das, was die Angehörigen erzählten, hat uns auch berührt. Aber es passte nicht zusammen. Es gab Erfahrungen von Angehörigen, die die Pflegekräfte verletzt haben, weil damit Vorwürfe verbunden wurden, die die Pflegekräfte als unfair empfunden haben.

Horrorvorstellungen verfolgen die Angehörigen

Florin: Sie sind auch evangelischer Theologe, Sie schreiben Bücher und ich möchte mit Ihnen in dieser Sendung über die ethischen Fragen sprechen, die Ihr Film aufwirft. In einer Trauerrede sagt die Tochter einer Verstorbenen:

"Rose musste diesen Weg alleine gehen, betreut von Pflegepersonal in Schutzanzügen, Gummihandschuhen, Masken und Schutzbrillen. Wie fühlt man sich da als sterbender Mensch? Wir wissen es nicht und werden es wohl nie erfahren."

Florin: Wie fühlt man sich da als sterbender Mensch? Und dann hören wir die Medizinethikerin Christiane Woopen. Sie sagt folgendes:

"Es gibt einen ethischen Anspruch darauf, nicht getrennt von seinen Angehörigen sterben zu müssen. Nicht allein zu sein im Sterben, sondern die Menschen dabei haben zu können, die einem nahe sind und von denen man begleitet werden möchte. Wenn es noch einmal zu einem Lockdown kommen sollte, was ja weder zu wünschen ist noch anzunehmen ist derzeit, dann muss es jedenfalls die Rahmenbedingungen dafür geben, dass die Angehörigen ihren Vater, ihre Mutter und ihre Geschwister oder Freunde im Sterben begleiten können."

Florin: Die Sterbenden haben einen Anspruch darauf, nicht alleine zu sein. Den Angehörigen wäre es auch ein Bedürfnis gewesen, dabei zu sein. Das ist ein Thema, das auch unsere Hörerschaft weit über dieses Wolfsburger Heim hinaus, über diesen Fall hinaus, bewegt. Aber es war eben nicht möglich. Viele sind einsam gestorben. Warum sind so viele einsam gestorben?

Henze: Das ging ja schon los, bevor der erste Corona-Fall aufgetaucht ist. Also schon einige Tage vorher wurde das Haus für Besucher und auch für Angehörige geschlossen. Dann waren das viele, viele Wochen, in denen die Angehörigen das Bild aus den Medien bekamen, was immer mehr zum "Horror-Heim" verzerrt wurde. Sie sahen diese Trutzburg, diese graue Wand vor sich und hatten die Fragen: Was passiert dahinter? Werden sich Pflegekräfte um meinen Papa, um meine Mama kümmern? Die Antwort ist: Ja, sie haben sich aufopferungsvoll gekümmert. Werden sich Ärzte kümmern? Und die Antwort ist: Ja, sehr unzulänglich, weil sich viele Ärzte geweigert haben, da hinzugehen. Und so war ein Vakuum entstanden, das die Angehörigen mit vielen Klischees, mit Spekulationen, mit eigenen Horrorbildern gefüllt haben. Und die verfolgen sie bis heute in ihre Albträume.

Das Hanns-Lilje-Heim in Wolfsburg, ein großes, graues Gebäude (WDR/dpa/Peter Steffen)Das Hanns-Lilje-Heim in Wolfsburg wirkt von außen trutzig und abweisend (WDR/dpa/Peter Steffen)

Florin: Sie beschreiben ein Dilemma: einerseits Schutz und andererseits das Bedürfnis nach Nähe, gerade wenn es Sterbende betrifft. Wie ist Ihre Antwort? Sind die Vorwürfe berechtigt?

Henze: Wir haben vermieden, zu urteilen. Wir wollen nicht in der Rolle des Schiedsrichters sein, sondern wir haben natürlich auch gesehen, unter welchem wahnsinnigen Druck das Heim stand. Man muss einfach wissen: Dieses Heim war eines der ersten, das das alles durchmachen musste. Und vieles von dem, was die erfahren haben, waren dann auch die Erfahrungen, auf denen andere aufbauen konnten. Um etwas ganz Banales zu sagen: Die haben sieben Tage gebraucht, bis sie überhaupt genug Tests hatten, um die Bewohner und die Pflegekräfte testen zu können. Das sind dann Menschen, von denen man nicht weiß: Sind sie infiziert oder nicht? Aber sie mussten ja die Wohnbereiche und die Gruppen auch trennen voneinander. Das konnten sie gar nicht machen. Sieben Tage sind eine Ewigkeit in so einer Zeit. Und in dieser Situation hat sich das Heim gesagt: maximal auf Schutz setzen, maximal auf Trennung setzen und versuchen, in diesem Chaos, was sie da selber beschreiben, überhaupt den Kopf über Wasser zu behalten.

  (imago images / epd) (imago images / epd)Corona-Pandemie - Krankenseelsorge mit Schutzanzug
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Schwierige Frage der Schuld

Florin: Sie haben die Rolle der Ärzte schon angesprochen. Es stellte sich heraus, dass erkrankte Bewohnerinnen und Bewohner des Heims nicht ins Krankenhaus überwiesen wurden, dass also offenbar nicht alles medizinisch Mögliche getan wurde. Ein Moment, in dem man als Zuschauerin den Atem anhält, ist die Aussage des Arztes, der zu den wenigen gehörte, die noch ins Heim gegangen sind. Er sagt: 

"Für mich stand eigentlich nicht im Vordergrund, dass man jemanden hier aus dem Heim an irgendeine Beatmungsmaschine gibt. Denn letztendlich sind das dann doch mehr oder weniger Palliativfälle, wo sich dann aus meiner Sicht Beatmungen einfach ... wo die nicht anstehen. Ich habe gesagt, das mache ich ja die ganzen Jahre schon so, dass ich sage: Wer in einem Pflegeheim unterkommt, der ist ein 'way of no return'. Und wir müssen da versuchen, das hier mit Bordmitteln zu machen. Auch die Frage nach der Patientenverfügung: Man hat dann mal so durch die Akten durchgewühlt und hat hin und wieder auch mal eine Patientenverfügung gefunden, da haben wir denn natürlich weniger gemacht. Bei den anderen haben wir dann noch mehr gemacht, auch mit Infusionen und so weiter. Das ist sicherlich eine schwierige Frage. Aber wen sollte ich fragen? Es war keiner da, und das wusste auch keiner, wie es geht. Also habe ich gesagt, muss ich das auf meine Kappe nehmen."

Florin: Er war versucht, glaube ich, an einer Stelle zu sagen, dass es sich nicht mehr lohnt mit der Beatmung. Wie sehen Sie die Verantwortung dieses Arztes? 

Henze: Wir haben auch mächtig geschluckt als wir das gehört haben und dachten: Oh Gott, der redet sich gerade um Kopf und Kragen. Wir haben ihn kennengelernt als einen sehr engagierten, bei den Bewohnern sehr beliebten Arzt, der inzwischen 27 Jahre dort hinkommt. Ich glaube wirklich, dass er das, was er für richtig hält, da auch mit großem Engagement tut. Umgekehrt ist all das, was er sagt, natürlich das Gegenteil von dem, was das Palliativrecht fordert, was Patientenverfügungen fordern. Wir haben die Seite der Angehörigen, der Hinterbliebenen gehört, die gesagt haben, sie hätten teilweise tagelang versucht, ihn telefonisch zu erreichen, um mit ihm abzustimmen, ob man den Weg der Palliativbehandlung gehen solle oder doch den Versuch machen sollte, noch mit Intensivbehandlung den Vater, die Mama am Leben zu erhalten. Das ist eine ganz, ganz schwierige ethische Frage. Denn auf der sachlichen Ebene hat der Arzt auch eine Menge Gründe für sich. Er sagt, der Stress, den eine Verlegung ins Krankenhaus bedeutet, der ist riesig. Und ob es den Patienten gutgetan hätte, weiß keiner. Aber dass die Angehörigen nicht beteiligt worden sind, sitzt ganz tief bei denen.

Arnd Henze im September 2015 bei einem Fernsehauftritt im ARD-Hauptstadtstudio (imago stock&people)Arnd Henze ist WDR-Journalist und Theologe (imago stock&people)

Florin: Sie haben in einem Artikel für die Zeitschrift "Zeitzeichen" schon vor vielen Monaten dieses Dilemma beschrieben - oder eines der Dilemmata, das sie im Heim vorgefunden haben. Es gelte, den Schutz vor dem Virus und den Schutz der Menschenwürde gegeneinander abzuwägen. Und sie schreiben: Wer sich dieser doppelten Herausforderung bewusst stellt, kann gar nicht anders als im Sinne von Dietrich Bonhoeffers Verantwortungsethik Schuld auf sich zu nehmen. Hat dieser Arzt im Sinne von Dietrich Bonhoeffer Schuld auf sich genommen?

Henze: Genau in dem Sinne, wie es Dietrich Bonhoeffer meint: dass es Situationen gibt, in denen man, wenn man sich darauf einlässt, sich aussetzt, gar nicht anders handeln kann, als dass man letztlich Dinge tut, für die man Menschen dann auch um Verzeihung bitten muss und dann auch auf Vergebung angewiesen ist. Aber die eigentliche Schuld besteht ja darin, sich dieser Situation zu entziehen. Wer sagt: Ich setze mich dem lieber nicht aus, ich will meine Moral sauber halten und reinhalten, der handelt dann leider nicht. Und der bleibt den Leuten wirklich etwas schuldig, weil er sich verweigert.

Florin: Also Sie meinen die Ärzte von den vielen, die früher ins Heim gegangen sind, die sich dann dieser Gefahr nicht mehr ausgesetzt haben?

Henze: Diese Frage müssten sich konkret die Ärzte, die von einem Tag zum andern weggeblieben sind, stellen. Aber natürlich auch das ganze Umfeld: Die ganzen Entscheidungsträger im Krisenstab und in der Diakonie-Leitung, die das hingenommen haben, dass da über fünf Wochen drei Ärzte - teilweise neben ihrer eigentlichen Praxisarbeit - morgens um sechs gekommen und abends um zehn gegangen sind, um 112 erkrankte Bewohner und über 40 erkrankte Pflegekräfte bis hin zum Sterben zu begleiten. Das ist eine Überforderung, die ist so offensichtlich, ich verstehe bis heute nicht, dass das nicht skandalisiert wurde, auch von den Verantwortlichen, und dass nicht nach Lösungen gesucht wurde.

"Eine unheimliche Zärtlichkeit in dem Heim"

Florin: Das Pflegeteam ist sehr zugewandt, kompetent, guckt nicht auf die Stunde. Ein Pfleger sagt:

"Aber natürlich haben wir noch die Angst dahinter, dass das wiederkommt. Wir hoffen nicht. Aber man kann ja nicht wissen. So ein Virus ist unsichtbar und es kann jederzeit wiederkommen. Verhindern kann es, glaube ich, keiner, egal welche Hygienemaßnahmen oder sonstwas. Wenn es noch einmal passieren würde, ich würde auch in ein anderes Heim gehen oder so um zu unterstützen, weil ich weiß, was ich durchgemacht habe. Und da hätte ich jetzt keine Probleme damit, noch einmal so was da auf mich zu nehmen."

Florin: Sind die Pflegerinnen und Pfleger für Sie Heldinnen und Helden?

Henze: Ja, das ist das Wort, das einem als erstes einfällt. Es sind erst mal wahnsinnig liebevolle Menschen, die sich mit den Bewohnern im Heim wie eine Gemeinschaft der Überlebenden fühlen. Dieses Empfinden, dass jeder, der diese furchtbare Katastrophe überlebt hat, auch ein Stück weit ihnen das Gefühl vermittelt: Es hat sich gelohnt, was wir alles auf uns genommen haben. Dieses Gefühl haben wir ganz stark gespürt. Es ist eine unheimliche Zärtlichkeit in dem Heim.

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Auf der anderen Seite: Man kann doch ein Pflegesystem nicht auf dem Heroismus, auf der historischen Überforderung von Menschen aufbauen. Das hat die Ethikerin Professor Woopen gesagt. Das haben wir auch gespürt. Wenn der Pfleger Mirel Osmanovic sagt: "Ich würde mich jetzt sofort melden, wenn in dem anderen Heim jemand gebraucht wird." Da kann man nur sagen: Wir können nicht traumatisierte Menschen, die durch die Überforderung traumatisiert sind, sozusagen in die nächste überfordernde Situation reinbringen. Sondern da sind wir als Gesamtgesellschaft und als Pflegesystem gefordert zu sagen: Diese Überforderung der Pflegekräfte dürfen wir nicht als Rückfallposition nehmen, wenn was schiefgeht.

"Die Querdenker haben gemerkt, dass sie gegen den Film nicht ankommen"

Florin: Bei uns gehen nach wie vor viele Mails ein von Menschen, die von "Corona-Fehlalarm" sprechen und da auch einschlägige Publikationen zitieren. Haben Sie auch schon Reaktionen aus der "Querdenker"-Szene bekommen? Der Film steht ja schon seit einigen Tagen im Netz.

Henze: Erstaunlich wenig. Ich bin extrem froh und dankbar, dass jetzt auch in den Kommentarspalten bei YouTube sich Hunderte von Kommentaren melden und sagen: Toll, was ihr da geleistet habt. Denn es ist genau das, was die Pflegekräfte in den Monaten vorher nicht erfahren haben. Da haben die nämlich nur diese Stigmatisierung, die Vorwürfe gekriegt, teilweise auch den Hass und die Häme, die sich dann auch im Alltag dann widergespiegelt haben. Ich glaube, die Querdenker haben gemerkt, dass sie gegen den Film nicht ankommen. Und ich glaube, die haben gemerkt, dass sie in unserer Kommentarspalte nichts verloren haben. Das spricht so für sich selber, was wir da zeigen, was uns die Angehörigen, die Pflegekräfte schildern. Da sprechen die Fakten gegen die Ideologie.

Eine Frau legt Blumen am Grab ihres Vaters ab. (WDR/Sonja Kättner-Neumann/Arnd Henze)Sandra Höfert hat ihren Vater im Hanns-Lilje-Heim verloren (WDR/Sonja Kättner-Neumann/Arnd Henze)

Florin: Sie haben auch ein Buch über die Demokratie geschrieben. Glauben Sie, oder glauben Sie noch, dass Dokumentationen wie die Ihre aufklären können? Dass Leute wirklich nachdenklich werden und sagen: Da hab ich zu schnell Schuld verteilt oder da habe ich etwas nicht sehen wollen?

Henze: Also, wir sind überwältigt von der Resonanz, die wir jetzt schon vor der Ausstrahlung auf diesen Film bekommen haben. Und das zeigt für mich, dass es da tatsächlich ein ganz starkes gesellschaftliches Bedürfnis gab, diese kommunikative Quarantäne, die um das Thema Leiden und Sterben und den Alltag in den Pflegeheimen gebaut worden ist, diese Quarantäne zu durchbrechen. Denn es gibt 900.000 Menschen im Pflegeheim, das sind fünf Millionen nahe Angehörige. Die stellen sich jetzt genau die Frage: Droht uns das auch, was wir in allen Schlagzeilen im März, April gesehen haben? Und wenn wir jetzt ein gesellschaftliches Gespräch darüber beginnen, wie wir den Pflegekräften die Wertschätzung entgegenbringen, die sie verdient haben und gleichzeitig aber auch die Balance zwischen Sicherheit und Selbstbestimmung halten, dann haben wir mehr erreicht als ich mir hätte träumen lassen.

Der Film "Ich weiß nicht mal, wie er starb" ist am 12.10.2020 um 23.25 Uhr im Ersten zu sehen und in der ARD-Mediathek als Stream verfügbar.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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