Ein Jahr Donald Trump"Trump ist schon ein Spezialfall"

Ein Jahr nach der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump ziehen deutsche Politiker ein negatives Fazit. Kritisiert wird vor allem eine mangelnde Verlässlichkeit und der rüde Umgangston.

19.01.2018

Donald Trump leistet den Amtseid als 45. US-Präsident (20.01.2017).
Donald Trump ist der 45. Präsident der USA. (AFP / Mandel Ngan)
Der Vorsitzende der Atlantik-Brücke, Merz, stellte dem seit einem Jahr amtierenden US-Präsidenten Trump ein vernichtendes Zeugnis aus. Der politische Stil und die politischen Umgangsformen hätten einen Tiefpunkt erreicht, sagte Merz im Deutschlandfunk. Der Frieden auf der Welt sei mit der Regierung in Washington nicht sicherer geworden. Ein Teil des Problems seien die Ungewissenheit und Unkalkulierbarkeit, welche Außenpolitik die USA eigentlich wollten. Trump lasse die Welt im Ungewissen, kritisierte Merz. Trump hatte am 20. Januar 2017 seinen Amtseid abgeleistet.
"Irritation ist gewollt"
Ähnlich äußerte sich der CDU-Außenpolitiker Hardt. "Bei Themen wie Klimaschutz und Handelsabkommen gibt es keine Verlässlichkeit", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Trump ist schon ein Spezialfall." Er wolle gar nicht so sein wie andere Präsidenten, sondern sich im Gegenteil von ihnen absetzen. Die Irritation sei offensichtlich gewollt. Hardt betonte zugleich, dass das erste Amtsjahr manch anderer Präsidenten auch eher schwach gewesen sei.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt (dpa/picture alliance)
Lambsdorff: Ein Tweet kann alles umstoßen
Der FDP-Politiker Lambsdorff sagte im SWR, die Politik von Trump sei darauf ausgelegt, nur amerikanische Positionen, so wie er sie definiert, nach vorne zu schieben. Diese Neuausrichtung der US-Außenpolitik mache sich auch im deutsch-amerikanischen Verhältnis bemerkbar, das sehr schwierig geworden sei. Man wisse nie, ob ein Tweet des Präsidenten wieder alles umstoße, was man vorher besprochen und erreicht habe.
Internationale Presse
In den Kommentaren der internationalen Presse wird eine gemischte Zwischenbilanz gezogen. "Die Tragödien, die ein so unqualifizierter Präsident auslösen kann, sind der Welt bisher erspart geblieben", meint der österreichische "Standard". Die italienische "La Repubblica" kann dem ersten Amtsjahr auch etwas Gutes abgewinnen: "Er hat sich einzig darum gekümmert, seine Unterstützer zu halten - eine Minderheit, aber treu. Die Wirtschaft läuft ausgezeichnet, was ihm zugute kommt. Die internationale Isolierung gibt es nur in einigen Teilen der Welt."
Mehr zum Thema "Ein Jahr Trump" hören Sie unter anderem in der Sendung "@mediasres" ab 15.35 Uhr und im "Hintergrund" ab 18.40 Uhr.
(fwa/kis)