Samstag, 18. Mai 2024

Nach Angriff des Iran
Kommentar: Israel hat bereits einen Sieg davongetragen

Der beispiellose Drohnen- und Raketenbeschuss wurde fast völlig abgewehrt: Israel habe bewiesen, dass es einem massiven Angriff aus dem Iran standhalten kann, kommentiert Benjamin Hammer. Der vermeintliche Schattenkrieg werde nun aber offen geführt.

15.04.2024
Vor dem leeren Eingang des Flughafens in Tel Aviv ist ein Hinweisschild zu sehen, auf dem "Shelter / Schutzraum" steht.
Geschlossener Flughafen von Tel Aviv: Der Krieg, der am 7. Oktober durch den Terror der Hamas ausgelöst wurde, wurde am gestrigen Abend auf eine neue Ebene gehoben, kommentiert Benjamin Hammer. (picture alliance / Anadolu / Nir Keidar)
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen zu Hause in Ihrer Wohnung oder in Ihrem Haus in Deutschland. Auf einmal meldet die Bundeswehr, dass ein feindliches Land – etwa 1000 Kilometer entfernt – hunderte Drohnen und Raketen in Ihre Richtung gestartet und abgefeuert hat. Die Kinder schlafen bereits. Und Sie können nur eines tun: Stundenlang auf das Eintreffen der tödlichen Waffen warten und hoffen, dass diese abgefangen werden. Genau so ist das gestern in Israel geschehen und selbst für das krisen- und kriegserprobte Land war der iranische Angriff beispiellos.
Der gestrige Abend hat den Krieg, der am 7. Oktober durch die Terrorangriffe der Hamas ausgelöst wurde, auf eine neue Ebene gehoben. Der vermeintliche Schattenkrieg zwischen Israel und dem Iran wird nun offen geführt. Diese Eskalation markiert auch ein Scheitern internationaler Diplomatie. Ein vorläufiges Scheitern auch jener, die immer noch hoffen, man könne sich mit dem iranischen Regime diplomatisch einigen – zum Beispiel auf ein neues Atomabkommen.

Der beispiellose Angriff ging schief

Bis zuletzt hatten die USA, Deutschland und mehrere arabische Staaten an die Führung des Iran appelliert, Zurückhaltung zu zeigen. Teheran hatte offen angekündigt, einen Luftangriff auf ein iranisches Konsulatsgebäude in Damaskus, der Israel zugeschrieben wird, zu vergelten. Der Iran ist in Libanon und Syrien enorm aktiv und stärkt dort Verbündete wie die Hisbollah. Das Regime aus Teheran fühlte sich wohl unter Zugzwang, auf zahlreiche israelische Angriffe auf iranische Kommandeure und Einrichtungen zu reagieren.
Doch der beispiellose Angriff ging glücklicherweise schief. Fast alle Drohnen und Raketen wurden abgefangen. Israel hat bewiesen, dass es einem massiven Angriff aus dem Iran sehr gut standhalten kann. Was die Machthaber in Teheran besonders ärgern dürfte: Ihr Angriff hat zu einer neuen Welle der Solidarität mit Israel geführt.
Prominente Senatoren im US-Kongress hatten zuletzt sehr laut darüber nachgedacht, wegen Israels Kriegsführung im Gazastreifen Waffenlieferungen einzuschränken. Auch die Bundesregierung hatte zuletzt immer offener Kritik geäußert. Der iranische Angriff hat Israel und seine Verbündeten nun wieder enger zusammengerückt. Sogar Jordanien – mit dem Israel seit Jahren einen äußerst kalten Frieden unterhält – stellte sich an die Seite Israels und half dabei, die iranischen Drohnen und Raketen abzufangen.

Israel und seine Verbündeten haben Stärke bewiesen

Dass einstige Feinde wie Jordanien Israel beschützen, erfüllt eine jahrzehntealte Sehnsucht. Dass Israel in der Region mehr Freunde haben wird, als Feinde. Doch die Machthaber in Amman, Kairo und Riad haben Probleme, die recht stille Solidarität mit Israel vor ihrer Bevölkerung zu rechtfertigen. Auch deshalb muss der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern endlich gelöst werden. Das ist – zugegeben - schnell gesagt und klappt seit Jahrzehnten nicht.
Es wäre aber ein Fehler, nach dem iranischen Angriff den Gazastreifen und das besetzte Westjordanland aus den Augen zu verlieren. Die Hamas muss die israelischen Geiseln freilassen und es braucht endlich eine Waffenruhe. Der Ausbau israelischer Siedlungen im Westjordanland muss gestoppt werden und es braucht wieder Verhandlungen zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde. All das würde den Iran und seine Verbündeten wie die Hamas schwächen.
Keine Schwäche, sondern Stärke bewiesen haben in der Nacht zum Sonntag der Staat Israel und seine Verbündeten. Der iranische Angriff war kein symbolischer Angriff zur vermeintlichen Gesichtswahrung, sondern eine schwere Attacke. Die Region steht weiterhin vor einer möglichen, gefährlichen Ausweitung des Krieges. Israel wurden in den vergangenen Wochen Luftangriffe zugeschrieben, über die ein israelischer Analyst schrieb, die möglichen Konsequenzen seien wenig durchdacht gewesen. Deshalb ist zu hoffen, dass Israels Regierung von einem schweren Gegenschlag absieht. Israel hat gegenüber dem Iran bereits an diesem Wochenende einen Sieg davongetragen.