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StartseiteForschung aktuellHunde können mit ihren Artgenossen mitfühlen 23.12.2015

Empathie durch Nachahmung Hunde können mit ihren Artgenossen mitfühlen

Empathie gilt als komplexe Eigenschaft, die den Menschen auszeichnet. Doch auch Hunde beherrschen die Grundlage für Empathie. Wie italienische Forscher herausfanden, können sie Körpersprache und Mimik von Artgenossen blitzschnell imitieren. Damit besitzen sie die Voraussetzung für soziales Verhalten und das Mitgefühl mit anderen Hunden.

Von Katrin Zöfel

Ein Mops mit Halstuch blickt in die Kamera. (Imago / Future Image)
Nicht nur der Mensch kann sich emotional anstecken lassen: Selbst junge Hunde beherrschen das feine Spiel genau - die Fähigkeit ist demnach angeboren und nicht gelernt. (Imago / Future Image)
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Der Giardino Vincenzo Florio Junior, ein ruhiger Park im sizilianischen Palermo. Die Hundebesitzer aus der Gegend kommen gerne hierher, um ihre Hunde laufen zu lassen. Nicht nur unter den Menschen entstehen dabei Beziehungen.

"Manche Hunde begegnen sich hier zum ersten Mal und lernen sich kennen. Andere sind sich schon etwas vertrauter und treffen hin und wieder aufeinander. Und wieder andere sind fast wie Freunde. Sie kennen sich gut, und sehen sich hier im Park mindestens drei Mal die Woche."

Emotionale Ansteckung bei Hunden

Elisabetta Palagi von der Universität Pisa interessiert, wie sich die Beziehungen zwischen den Tieren aufbauen. Genauer gesagt: Sie will wissen, ob es auch zwischen Hunden so etwas wie emotionale Ansteckung gibt. Beim Menschen versteht man darunter zum Beispiel den Moment, wenn man unwillkürlich lächelt, weil man angelächelt wird. Fachleute nennen das "rapid facial mimicry":

"Diese Mimikry ist extrem wichtig für unsere Fähigkeit, uns emotional anstecken zu lassen. Wenn ich auf das Lächeln meines Gegenübers anspreche und auch lächle, dann fühle ich, was er oder sie fühlt. Das ist die Grundlage für alles Soziale."

Die Frage war, ob auch die Hunde ihr Gegenüber unwillkürlich imitieren. Elisabetta Palagi wählte zwei positive Gefühlsäußerungen aus, die typisch sind für miteinander spielende Hunde. Erstens ein spielerisches sich auf den Boden ducken, und zweitens ein freundliches Maul Aufreißen, ohne zu beißen. Drei Monate lang hat sie die Hunde im Park mit der Videokamera beobachtet und die Bilder dann akribisch ausgewertet:

"Wenn sich zwei Tiere kaum kannten, dann imitierten sie das Verhalten des anderen sehr selten. Je vertrauter sie sich waren, umso eher klappte es mit der Mimikry."

Typisch menschlich?

Und je besser die Mimikry, umso länger spielten zwei Tiere auch miteinander. Die Mimikry wirkte also wie ein sich selbst verstärkendes soziales Schmiermittel. Dabei ließ Elisabett Palagi nur Reaktionen gelten, die in weniger als einer Sekunde abliefen, also tatsächlich unwillkürlich waren. Und noch etwas stellte sich heraus: Selbst die jüngsten Tiere beherrschten das feine Spiel genau, die Fähigkeit ist demnach angeboren und nicht gelernt. Damit ist klar: Nicht nur der Mensch kann sich emotional anstecken lassen:

"Jetzt würden wir gerne herausfinden, ob Hunde diese Fähigkeit erst erworben haben, als sie vom Menschen gezähmt wurden, oder ob das eine Eigenschaft ist, die sie von ihren Vorfahren, den Wölfen, geerbt haben. Wir würden dieselbe Untersuchung gerne mit einigen Rudeln Wölfen machen."

Von Wölfen weiß man, dass sie sich vom Gähnen ihrer Artgenossen anstecken lassen; gut möglich also, dass sie auch das Spiel emotionaler Ansteckung beherrschen. Manches, was als typisch menschlich gilt, hätte dann viel tiefere evolutionäre Wurzeln, als bisher gedacht:

"Emotionale Ansteckung ist ein Grundbaustein dafür, dass wir nachfühlen können, wie es ist, in der Haut eines anderen zu stecken. Und nur weil uns das gelingt, können wir uns sozial verhalten, also einem anderen helfen."

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