
Die NEW YORK TIMES hat das Geschehen mit einem Liveblog begleitet und analysiert:
"Unabhängig davon, ob die AfD nun an die Macht kommt oder nicht: Das Ergebnis hat das politische Establishment des Landes erschüttert und wird bundesweite Folgen haben."
Das WALL STREET JOURNAL aus den USA führt aus:
"Das Signal ist deutlich, auch wenn die rechnerischen Mehrheitsverhältnisse der AfD womöglich keine handlungsfähige Mehrheit in der Landesregierung verschaffen. Die Wähler sind der etablierten Parteien überdrüssig. Dieser Frust speist sich vor allem aus der liberalen Einwanderungspolitik, die Berlin ein Jahrzehnt lang seit 2015 verfolgte, und die zurückzudrehen sich als schwierig erweist."
Die Zeitung LE MONDE aus Paris hat ihre erste Einordnung mit diesen Worten überschrieben:
"Ein historischer Aufstieg der AfD – und ein Einbruch der CDU, der auch die Debatte über einen möglichen Wechsel im Kanzleramt neu entfachen könnte."
"Im Osten ist Merz noch unbeliebter als im Westen", schreibt die Pariser LIBERATION:
"Sein Profil als Unternehmer und sein Mangel an Einfühlungsvermögen kommen nicht gut an. Die gestrigen Wahlergebnisse verdeutlichen vor allem das Scheitern von Merz' Strategie im Kampf gegen die extreme Rechte."
LA STAMPA aus Turin spricht von einem "Erdbeben, das nicht nur Deutschland erschüttert":
"Der Triumph der AfD macht den traditionellen 'Schutzwall' der klassischen Parteien zunichte. Angesichts dessen wäre eine mögliche Notkoalition, um den Wahlsieger von der Macht fernzuhalten, äußerst fragil – und würde der AfD die Möglichkeit bieten, sich als Opfer darzustellen."
Die spanische Zeitung EL PAÍS sieht es so:
"Der überwältigende Sieg der AfD wird das demokratische Lager zwingen, seine Strategien der vergangenen Jahre zu überdenken und einige Wahrheiten neu zu bewerten, die bisher als unumstößlich galten. Das Kopieren des Programms der extremen Rechten, wie es viele europäische Konservative getan haben, hat sich beispielsweise als wirkungslos erwiesen: Wähler bevorzugen in der Regel das Original."
In der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG heißt es:
"Durch ihren Erdrutschsieg hat die AfD unter umgekehrten Vorzeichen das erreicht, was Bundeskanzler Merz vor Jahren als Ziel seiner Politik ausgegeben hatte: Er wolle 'die AfD halbieren'. An seinen Worten dürfte Merz gemessen werden: Der Druck auf den ohnehin schwer angeschlagenen Bundeskanzler dürfte jetzt noch einmal zunehmen. Seit längerem wird in der Partei über eine Ablösung des bislang unglücklich agierenden Regierungschefs diskutiert."
"Der Schock in Berlin ist groß", schreibt DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
"Noch nie hat eine Partei, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird, ein so gutes Ergebnis erzielt. Das sei eine 'Zäsur' für Deutschland, sagte Thorsten Frei, der Fraktionsvorsitzende der CDU im Bundestag."
Im Wiener STANDARD ist zu lesen:
"Noch nie, seit Deutschland von den rechtsextremen Nationalsozialisten befreit wurde, waren Rechtsextreme so nah daran, eine Regierung zu übernehmen. Bis auf Weiteres bleibt das Hauptgeschäft der AfD: das System mit seinen 'Flachzangen' zu geißeln, aber sich seit Jahren von Steuergeld aushalten zu lassen und es laufend an rechtsextreme Identitäre sowie die eigene Verwandtschaft umzuverteilen."
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA aus Warschau warnt:
"Merz ist noch nicht gestürzt, aber in zwei Wochen stehen Wahlen in zwei weiteren östlichen Bundesländern an. Weitere Triumphe der AfD könnte der Kanzler möglicherweise nicht mehr überstehen. Deutschland wird in nächster Zeit ein wichtiges Thema beschäftigen – wie weit die extreme Rechte noch gehen kann. Das gilt wohl auch für ihre Partner."
Die russische Zeitung ROSSIJSKAJA GASETA konstatiert:
"Eine Partei zu ignorieren, die bei Wahlen einen bedeutenden und in einigen Fällen, wie im Osten des Landes, den Großteil der Stimmen bekommt, wird immer schwieriger. Deswegen wird in Deutschland schon über eine Spaltung der CDU diskutiert, angesichts der Debatte darüber, ob es möglich und nötig ist, mit der AfD zusammenzuarbeiten. Eigentlich besteht diese Spaltung schon, sie zeigte sich nur noch nicht öffentlich."
Der SPIEGEL urteilt:
"Was sich als Erstes einstellt, ist Entsetzen. Dass das möglich ist in Deutschland, gut achtzig Jahre nach der Diktatur der Nationalsozialisten, die für den Zweiten Weltkrieg, den Holocaust und andere Horrortaten verantwortlich sind. Dass im Jahr 2026 eine Partei, die keine scharfe Trennlinie zu Nazideutschland ziehen will, eine Wahl haushoch gewinnt."
Auch das Portal T-ONLINE schaut auf die AfD:
"Mit weitem Abstand ist sie stärkste Kraft. Das hat sie einer Frust- und Wechselstimmung im Land, einem hochambitionierten eigenen Wahlkampf, ihrem nahbaren Spitzenkandidaten Siegmund und erheblichen Fehlern der Konkurrenz zu verdanken."
Für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG steht dennoch fest:
"Demokraten bleibt nur, dieses Ergebnis zu akzeptieren, wie es ist: Die AfD hat in Sachsen-Anhalt einen großen Wahlsieg errungen. Zu akzeptieren ist, dass sich so viele Wählerinnen und Wähler für eine gesichert rechtsextreme Landespartei entschieden haben - oder jedenfalls gegen die klassischen Parteien. Warum die Opferlegenden der AfD im Land so gut verfangen haben, muss der demokratischen Mitte zu denken geben. Was man nicht akzeptieren darf, ist der 'Systemwechsel' von dem so viele in der AfD im Wahlkampf schwärmten. Dieses System ist der demokratische Rechtsstaat, den das Grundgesetz vor allen Versuchen seiner Beseitigung schützt.
Das Magazin CICERO sucht nach Gründen für den Wahlausgang.
"Je mehr die AfD als Schmuddelkind behandelt wurde, mit dem man sich am besten überhaupt nicht abgeben dürfte, desto mehr flogen ihr die Herzen zu. Das war alles längst absehbar (und dürfte auch der Grund für die hohe Wahlbeteiligung gewesen sein)."
Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg kommentiert:
"Die seit 2002 regierende CDU stürzt dramatisch ab. Auch wegen massiver Kompetenzverluste. Es fehlte eine geschlossene Mannschaftsleistung. Dazu kam scharfer Gegenwind aus Berlin. Die Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt wird nun vor allem eines – sehr kompliziert."
Der MÜNCHNER MERKUR bringt die Folgen der Wahl für Friedrich Merz drastisch auf den Punkt:
"Für den Kanzler gleicht das Ergebnis einer Hinrichtung. Diese Wahl wird lange nachhallen."
Diese Nachricht wurde am 07.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.





