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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft 20.03.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

WHO-Experten sprechen sich gegen striktes Moratorium für vererbbare, gentechnische Manipulationen am Menschen aus +++ Täglicher Cannabiskonsum scheint in Zusammenhang mit mehr Psychose-Fällen zu stehen +++ Wissenschaftler haben einen Geruchstest für Parkinson entwickelt +++ Wildtier-Safaris machen afrikanische Elefanten nervös +++ Kinder und Jugendliche bewegen sich immer weniger

Von Sophia Wagner

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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WHO-Experten sprechen sich gegen ein striktes Moratorium für vererbbare, gentechnische Manipulationen am Menschen aus

Ein bereits im Dezember zu diesem Thema eingesetztes Gremium fordert stattdessen eine Registrierungspflicht für Forschung zur Genom-Editierung an Menschen. In dem Register sollen alle Experimente gelistet werden, bei denen die DNA von Menschen gentechnisch verändert wird - auch solche Fälle, in denen es sich um nicht-vererbbare Modifikationen handelt. Wie die Co-Vorsitzende des Gremiums mitteilte, solle eine weitere Expertengruppe nun Details zu einem solchen Register ausarbeiten. Ziel sei es, in dem umstrittenen Wissenschaftsbereich in Zukunft möglichst viel Transparenz zu gewährleisten. Ein Moratorium für Genom-Chirurgie am Menschen, wie es Wissenschaftler letzte Woche gefordert hatten, sei dagegen zu vage und nicht die richtige Antwort. Die WHO hatte das Expertengremium im Dezember einberufen, nachdem im Internet Berichte über angeblich genmanipulierte Babys in China aufgetaucht waren.

Quelle: WHO


Täglicher Cannabiskonsum scheint in Zusammenhang mit mehr Psychose-Fällen zu stehen

Das ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern aus Großbritannien. Sie haben über 900 Psychose-Patienten nach ihrem Konsumverhalten befragt. Vergleiche mit einer gesunden Kontrollgruppe hätten demnach gezeigt, dass das Risiko an einer Psychose zu erkranken, bei täglichem Cannabis-Konsum um das Dreifache höher liege als bei Nicht-Konsumenten. Wenn es sich zusätzlich um Hanf mit besonders hohen THC-Werten handele, würden Psychosen sogar fünfmal häufiger auftreten. Würde hochpotentes Cannabis vom Markt verschwinden, könnten laut den Autoren insgesamt 12 Prozent der Ersterkrankungen an Psychosen verhindert werden. Aufgrund ihres Aufbaus kann die Studie nicht belegen, dass Cannabis tatsächlich der Grund für mehr psychische Erkrankungen ist. Die Ergebnisse passen jedoch zu den Befunden anderer epidemiologischer Studien, die in eine ähnliche Richtung deuten.

Quelle: The Lancet Psychiatry 


Wissenschaftler haben einen Geruchstest für Parkinson entwickelt

Dabei haben sie sich ganz auf die Nase der früheren Krankenschwester Joy Milne verlassen. Sie ist ein sogenannter "Super-Smeller", ein Mensch mit einem besonders feinen Geruchssinn. So kann sie Parkinson-Patienten am Geruch erkennen. Um diese Fähigkeit auch für andere nutzbar zu machen, haben die Forscher 60 Parkinson-Patienten mit Wattebäuschen über Stirn und Schultern gewischt. Der so gewonnene Körper-Talg wurde dann in seine chemischen Bestandteile zerlegt und analysiert. Das berichten die Forscher im Fachmagazin ACS Central Science. Mithilfe von Joy Milne wurden anschließend diejenigen Moleküle identifiziert, die den typischen Geruch von Parkinson-Patienten ausmachen. Die Aussagekraft der Studie ist limitiert. Als nächstes wollen die Wissenschaftler deshalb untersuchen, ob ihre Ergebnisse zur Früherkennung von Parkinson beitragen können.

Quelle: ACS Central Science


Wildtier-Safaris machen afrikanische Elefanten nervös

Über 15 Monate haben Zoologen das Verhalten einer Elefantenherde in einem südafrikanischen Reservat beobachtet. Dabei zeigte sich, dass der Tourismus einen deutlichen Einfluss auf das Zusammenleben der Elefanten hat. Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin Journal of Zoology berichten, verhielten sich die Elefanten untereinander umso aggressiver, je mehr Touristen im Park unterwegs waren. Vor allem wenn die Safari-Gruppen aus mehr als einem Auto bestanden, zeigten die Tiere außerdem ein ausgesprochenes Vermeidungsverhalten. Die Autoren fordern, dass der Effekt des Wildtier-Tourismus auf das Sozialverhalten von wilden Tieren besser untersucht werden muss.

Quelle: Journal of Zoology


Kinder und Jugendliche bewegen sich immer weniger

Das gehört zu den neuesten Erkenntnissen der Langzeitstudie "Motorik-Modul", die von Sportwissenschaftlern der Uni Karlsruhe betreut wird. Demnach sank in den vergangenen 12 Jahren die körperliche Aktivität von Kindern im Alltag um 37 Prozent. Für die Altersgruppe der 4- bis 17-jährigen entspricht das einem Minus von 31 Minuten pro Woche. Obwohl so viele Kinder wie nie zuvor in Sportvereinen engagiert seien, könne dies den Bewegungsmangel im Alltag nicht ausgleichen. Auffällig sei, dass Mädchen bei der Bewegung noch deutlich schlechter abschnitten als Jungen. Dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern habe sich in den letzten 6 Jahren deutlich vergrößert, so die Forscher. Ein direkter Zusammenhang zwischen Medienkonsum und körperlicher Aktivität konnte dagegen nicht gezeigt werden. Die repräsentative "Motorik-Modul"-Studie wertet alle drei Jahre Motorik-Daten von bis zu 6200 Kindern und Jugendlichen aus.

Quelle: Karlsruher Institut für Technologie

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