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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Man kann Zusatzstoffe vermeiden, indem man frisch einkauft"20.08.2018

Ernährung"Man kann Zusatzstoffe vermeiden, indem man frisch einkauft"

Pizza, Brühe, Süßigkeiten - vor allem Fertiggerichte und verarbeitete Produkte enthalten Geschmacksverstärker oder Aromastoffe. Um Zusatzstoffe zu vermeiden, sollte man selbst kochen, sagte Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, im Dlf.

Antje Gahl im Gespräch mit Susanne Kuhlmann

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Eine Lasagne wird in den Ofen geschoben. (dpa-Bildfunk / Friso Gensch)
Um Zusatzstoffe zu meiden, müsse man eine gezielte Lebensmittelauswahl treffen, sagte Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (dpa-Bildfunk / Friso Gensch)
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Susanne Kuhlmann: Sie machen unser Essen wunschgemäß: Haltbar oder süß, cremig oder bunt. Zusatzstoffe finden sich in vielen Lebensmitteln. Vor allem stark verarbeitete wie Süßigkeiten und Fertiggerichte kommen nicht ohne Geschmackstoffe, Farbstoffe, Süßstoffe oder Konservierungsstoffe aus. Im Allgemeinen gelten solche Zusatzstoffe als sicher und unbedenklich, wenn sie nicht gerade im Übermaß gegessen werden. Trotzdem warnen Kritiker vor gesundheitlichen Gefahren, vor möglichen Krebserkrankungen zum Beispiel. Wissenschaftlich erhärtet sind solche Zusammenhänge bisher nicht.

Ist ein Leben ohne oder fast ohne Zusatzstoffe möglich? Die Frage geht an Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Guten Tag, Frau Gahl.

Antje Gahl: Hallo, Frau Kuhlmann. Ich grüße Sie.

Kuhlmann: Ist ein Leben ohne Zusatzstoffe möglich?

Gahl: Ja, prinzipiell. In der heutigen Welt, wo wir sehr viel mit Fertiggerichten oder auch vorverarbeiteten Produkten leben, ist es sicherlich eher relativ mühsam. Aber natürlich ist ein Speiseplan mit wenigen Zusatzstoffen durchaus realisierbar, für viele Menschen aber mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden. Man braucht schon eine gezielte Lebensmittelauswahl, wo man schauen kann, welche Lebensmittel wähle ich, wo wenig Zusatzstoffe oder keine enthalten sind. Von daher kommt es auf die Verbraucher selber an.

Geschmacksverstärker reduzieren

Kuhlmann: Fertiggerichte und Brühen zum Beispiel kommen ja nicht ohne Geschmacksverstärker aus. Wer die in seiner täglichen Ernährung nun reduzieren möchte, muss der sich selber an den Herd stellen?

Gahl: Im Prinzip schon. Natürlich muss er eine gezielte Lebensmittelauswahl treffen. Man kann Zusatzstoffe vermeiden, indem man überwiegend frisch oder auch wenig verarbeitete Lebensmittel kauft, natürlich auch viele Speisen dann selber zubereitet, also nicht auf Fertigsoßen oder ein Fertiggericht zurückgreifen, weil da häufig Zusatzstoffe enthalten sind. Man kann auch Produkte aus biologischem Landbau, Bioprodukte, verwenden, weil da deutlich weniger Zusatzstoffe zugelassen sind. Bei den Fertigprodukten gibt es auch welche, die mit wenigen oder ohne Zusatzstoffe auskommen, aber da muss dann jeder wirklich doch genau die Zutatenliste studieren.

Kuhlmann: Wie ist das bei den Süßstoffen? Die werden ja nicht unbedingt aus Zeitgründen verwendet, sondern gesüßte Speisen oder vor allem auch Getränke wie Softdrinks konsumieren Menschen, die gerne abnehmen wollen.

Gahl: Ja, das ist richtig. Natürlich können Süßstoffe, weil sie keine Kalorien haben, gegebenenfalls unterstützen. Die Datenlage ist da aber nicht sehr einheitlich. Das heißt, es kann einigen Menschen dabei helfen, Kalorien zu sparen, insbesondere wenn sie gerade viele Getränke trinken, die sonst sehr kalorienhaltig wären. Wenn Sie da auf die Light-Varianten ausweichen, kann es schon sein, dass Sie einiges an Kalorien sparen. Doch würden wir sie so nicht empfehlen, weil diese Light-Getränke zwar kalorienfrei sind, sie enthalten aber dann auch wieder Lebensmittel-Zusatzstoffe, Süß-, Farb- und Aromastoffe, und sind aus unserer Sicht weniger empfehlenswert. Wir würden dazu raten, insgesamt auf weniger Süß sich einzustellen und - statt Zucker und Süßstoffe zu verwenden - versuchen, die Ernährung ein bisschen weniger süß zu gestalten.

Wenn die Zeit oder die Lust zum Selberkochen fehlt

Kuhlmann: Welche Anregungen können Sie denn Menschen geben, die wenig Zeit oder Lust zum Selberkochen haben, aber trotzdem ihren Zusatzstoff-Konsum reduzieren wollen?

Gahl: Wer da gucken möchte, sollte auf jeden Fall schauen: Ohne Zusatzstoffe bekommt er sehr viele Waren, die Grundnahrungsmittel und unverarbeitete Produkte sind, dass man sagt, frisches Gemüse, Kartoffeln kaufen oder auch Tiefkühlgemüse und Tiefkühlobst, was ja schon quasi vorverarbeitet ist, aber ohne weitere Verarbeitung erhältlich ist. Der reine Spinat zum Beispiel oder die frische Sahne, der Naturjoghurt oder Mineralwasser. Das sind ja alles natürlicherweise zusatzstofffreie Produkte. Die kann ich gerne verwenden. Da kann ich auch mal schnell was zubereiten, auch wenn ich was Tiefgekühltes habe. Ansonsten natürlich darauf achten, vielleicht dann auch mal ein Bioprodukt auszuwählen, oder dann wirklich, wenn man nicht so viel Zeit hat, selbst zu kochen, die schnellen Gerichte zu kochen.

Kuhlmann: Als Ausnahme sozusagen?

Gahl: Genau.

Kuhlmann: Mehr Frisches kaufen und selber kochen – das ist eine Möglichkeit, sich unabhängiger von Lebensmittel-Zusatzstoffen zu machen. Soweit Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Ihnen danke schön nach Bonn.

Gahl: Danke auch. Tschüss!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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