
Der ukrainische Präsident Selenskyj lobte den Beginn der Beitrittsverhandlungen. Diese sendeten das klare Signal, dass Europas Fortschritt nicht gestoppt werden könne, sagte Selenskyj in einer Video-Botschaft. Bundesaußenminister Wadephul erklärte in Luxemburg, vor der Ukraine liege eine Wegstrecke und das Ziel sei nicht morgen erreicht. Dennoch gehe es um mehr als Symbolik und der Verhandlungsbeginn sei ein "historischer Zeitpunkt für Europa und auch für die Ukraine". EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen bezeichnete die Eröffnung der Verhandlungen als einen "gewaltigen Schritt nach vorn". Die Ukraine habe bemerkenswerte Reformfortschritte absolviert, sagte sie am Rande des G7-Gipfels.
Kandidatenländer müssen im ersten Verhandlungsabschnitt unter anderem nachweisen, dass ihre Rechtssysteme, der Grenzschutz und die Polizei den EU-Standards entsprechen. Eine Garantie für einen späteren Beitritt sind die Verhandlungen nicht. Die EU verlangt unter anderem weitere Reformen im Bereich der Korruptionsbekämpfung.
Merz schlug Sonderstatus für Übergangszeit vor
In Brüssel rechnen Beobachter nicht mit einem Beitritt der Ukraine vor Mitte des nächsten Jahrzehnts und definitiv nicht vor einem Ende des russischen Angriffskrieges. Bundeskanzler Merz schlug deswegen jüngst einen Sonderstatus für die Übergangszeit vor. Dieser könnte der Ukraine etwa eine Teilnahme an EU-Gipfeln und Ministerräten ermöglichen - allerdings ohne Stimmrecht. Ukraines Präsident Selenskyj beharrte hingegen auf einem vorwertigen Status.
Jahrelange Blockade durch Orban
Auch die Beitrittsverhandlungen mit Moldau werden am Abend begonnen. Formal waren die Gespräche mit beiden Ländern bereits im Juni 2024 eröffnet worden, aber durch ein Veto des Ungarns blockiert. Erst nach der Abwahl des langjährigen russlandnahen Regierungschefs Orban im April kam wieder Bewegung in den Prozess.
Neben der Ukraine und Moldau streben vor allem die Westbalkanländer Montenegro, Albanien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien und das Kosovo in die EU. Am weitesten im EU-Aufnahmeprozess ist nach der jüngsten Analyse der EU-Kommission Montenegro - die Verhandler kamen nun in Luxemburg bereits zur 27. Verhandlungsrunde zusammen.
Hörtipp
Diese Nachricht wurde am 15.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
