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EU-Inflationsrate
Warum 1,4 Prozent Teuerung pro Jahr aus Sicht der EZB nicht reicht

Nach EU-Schätzungen ist die Inflationsrate im Euroraum zuletzt deutlich gestiegen, 1,4 Prozent betrug sie im März im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das reicht aber nicht, sagt die Europäische Zentralbank. Sie hält eine Teuerung von zwei Prozent pro Jahr für gesund.

Von Mischa Ehrhardt | 04.04.2018

Mario Draghi hat die Augen geschlossen, im Hintergrund ist ein Eurozeichen zu sehen.
Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, sieht die Inflation mit zuletzt 1,4 Prozent auf dem richtigen Weg, hält sie aber noch für zu niedrig. (dpa/ picture-alliance/ Arne Dedert)
Verarbeitete Lebensmittel sind es vor allem, für die Verbraucher tiefer in die Tasche greifen müssen – in diesem Bereich haben die Preise im Vergleich zu Februar um drei Prozent angezogen. Auch Alkohol und Tabakwaren gehören dazu und haben sich in dieser Größenordnung verteuert. Dagegen ist der Preisaufschlag für Energie geringer ausgefallen als im Februar – die Energiepreise haben um zwei Prozent zugelegt.
Mit einer Inflation im Jahresvergleich von 1,4 Prozent sind die Preise im Euroraum zwar vergleichsweise deutlich gestiegen – sie liegen aber immer noch weit unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank von knapp zwei Prozent. Manch einen mag das verwundern, vor allem hierzulande, wo die Wirtschaft warnt und einige Ökonomen sogar vor einer Überhitzung der Wirtschaft warnen. Allerdings sieht die Lage eben anders aus, wenn man den Euroraum als Ganzes betrachtet.
"Die Frage ist immer, von welcher Basis kommt man hier und da war eben die Unterauslastung besonders groß, das merkt man in Deutschland nicht besonders stark, aber wenn man nach Ländern schaut wie Spanien, wo die Arbeitslosigkeit bei 25 Prozent liegt, oder auch Italien, die Unterauslastung ist groß und dann dauert es eben etwas länger, bis die Nachfrage entsteht dann nur durch Engpässe können sie höhere Preise verlangen sowohl bei den Löhnen als auch bei den Raten, was wir dann bei der Inflation sehen", sagt der Chefvolkswirt der Schweizer Privatbank Julius Bär.
Das ist auch der Grund, weswegen die Europäische Zentralbank unbeirrt an ihrer lockeren Geldpolitik festhält. Zurzeit pumpen die obersten Währungshüter des Euroraumes pro Monat noch rund 30 Milliarden Euro in die Märkte, um die Inflation in die von ihnen gewünschte Zielregion von zwei Prozent zu bringen.
EZB-Chef mahnt geduldige, umsichtige Geldpolitik an
"Auch wenn wir die Inflation auf dem richtigen Weg sehen, bleiben Risiken und Unsicherheiten. Deswegen muss unsere Geldpolitik immer noch geduldig, beharrlich und umsichtig sein, um die Rückkehr der Inflation zu unserem Ziel sicher zu stellen", sagte Mario Draghi unlängst auf einer Finanzkonferenz in Frankfurt.
Vor allem aus Deutschland wird zunehmend Kritik an der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank laut. Denn Nullzinsen haben die Zinsen für Sparer quasi ausradiert, und die Geldflut an den Finanzmärkten birgt das Risiko, dass sich dort in bestimmten Bereichen Blasen bilden. David Kohl teilt die Kritik an der Zentralbank allerdings nicht:
"Man sieht das gerade am Arbeitsmarkt, der ist ja leer gefegt und auch der Lohndruck kommt viel stärker als in Ländern wie Frankreich Spanien oder Italien. Deswegen kommt immer die Kritik es passt bei dem einen nicht, bei dem anderen ist es nicht locker genug, deswegen diese Kritik. Ich glaube, die Europäische Zentralbank macht diese Politik nicht zu einem Selbstzweck, sondern um die gesamte Eurozone auf einen dauerhaften Fahrt des Wachstums so bringen und nicht die deflatorische Risiken einzugehen, die werden anderen Ländern gesehen haben und da macht die Europäische Zentralbank eine Politik, die sich an den Ergebnissen misst, zum Beispiel und der Inflationsrate von zwei Prozent und das ist noch kein Grund die geldpolitischen Schrauben jetzt anzuziehen."
Vermutlich wird es noch eine ganze Weile dauern, bis die Inflation das Ziel von knapp zwei Prozent im Euroraum erreicht: In den ersten beiden Monaten des Jahres war die Inflation sogar rückläufig. Wenn sie sich – wie im März nach der ersten Schätzung der Statistiker – erhöht, dann gewöhnlich nur in Trippelschritten.