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StartseiteForschung aktuellHurrikane fördern die natürliche Selektion26.07.2018

Evolution der EidechsenHurrikane fördern die natürliche Selektion

Kurze Hinterbeine und eine eher geringe Größe helfen Eidechsen, Stürme zu überleben. Das haben Biologen auf zwei Inselgruppen in der Karibik festgestellt, nachdem dort der Hurrikan Irma getobt hatte. Um Ihre Beobachtungen zu überprüfen, ließen sie im Labor Dutzende Eidechsen gegen einen Laubbläser antreten.

Von Dagmar Röhrlich

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(Colin Donihue / nature )
Eidechse auf den Turks- und Caicosinseln in der Karibik (Colin Donihue / nature )
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"Wir waren auf Turks und Caicos, um den Bestand einer kleinen Eidechse zu erfassen, von Anolis scriptus. Das sind niedliche, fingerlange Tiere, die im Buschwerk und auf Bäumen Insekten nachjagen. Bei dem Projekt ging es darum, den Effekt zu erfassen, den die Ausrottung der Ratten auf den Inseln auf die Eidechsen haben würde."

Vier Tage, nachdem die Forscher abgereist waren, zog Hurrikan Irma durch. Und zwei Wochen später folgte Maria, erzählt Colin Donahue von der Harvard University:
 
"Wir hatten damit die ziemlich einzigartige Chance, die Auswirkungen eines Hurrikans auf die Eidechsen zu untersuchen. Bislang konnten Sturmfolgen auf Tierpopulationen noch nie so unmittelbar untersucht werden. Also organisierten wir eine Nachfolgeexpedition, bei der wir die überlebende Eidechsen einfingen und mit denen vor der Katastrophe verglichen. Und es gab signifikante Veränderungen, die nahelegen, dass ein Hurrikan tatsächlich auf die Prozesse bei der natürlichen Auslese Einfluss hat."

(Colin Donihue / nature)Anolis scriptus (Colin Donihue / nature)

 

Beispiel für natürliche Selektion in Aktion

Die Tiere, die überlebt hatten, besaßen größere Haftpolster an ihren Zehen, mit denen sie an Oberflächen regelrecht "festkleben".

Außerdem waren ihre Vorderbeine im Vergleich zum Durchschnitt der Anolis-Population zuvor länger, die Hinterbeine jedoch kürzer. Letzteres habe man nicht erwartet, so Colin Donihue.

(Colin Donihue / nature) Standbild einer Eidechse (Colin Donihue / nature)
Wenn lange Beine tödlich sind 

"Wir entwickelten deshalb ein einfaches Verhaltensexperiment, um zu untersuchen, was die Eidechsen bei starkem Wind tun. Wir kauften den größten Laubbläser, den wir finden konnten, installierten ihn vor Ort, dazu einen Windgeschwindigkeitsmesser und eine senkrechte Sitzstange für die Eidechse. Wir beobachteten, dass Anolis mit zunehmender Windgeschwindigkeit auf die windabgewandte Seite des Stabs krabbelt. Die Tiere legen ihre Vorderbeine eng an den Körper an, doch aus anatomischen Gründen ragen die Oberschenkel und die Knie an beiden Seiten hervor."

Je länger die Hinterbeine, desto größer dieser Segeleffekt.

Kurzbeinige Eidechsen halten Sturm besser stand

Und dann würde sich dieses vom Sturm selektierte Merkmal langfristig nicht durchsetzen.
Also wollen die Forscher nach Turks und Caicos zurückkehren, um weiter zu messen.

Zum Abschluss betont Colin Donihue noch, dass keine Eidechse durch die Experimente verletzt worden ist.

Nach dem Schreck durch die kurze Flugeinlage wurden sie sofort wieder zu ihrem Busch zurückgebracht.

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