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FED-Konjunkturbericht
Warten auf die Zinswende

Mit dem Konjunkturbericht - im Fachjargon Beige Book - hat die US-Notenbank auch ihre Prognosen für die wirtschaftliche Entwicklung bekannt gegeben - und die fallen überwiegend positiv aus. Für die Wall Street aber viel wichtiger ist die Frage, ob Notenbank-Chefin Janet Yellen Hinweise gibt, wann sie den Leitzins wieder anheben will?

Von Miriam Braun | 03.09.2015
    Die US-Notenbank-Chefin Janet Yellen im April 2015 auf einer Veranstaltung in Washington D.C.
    US-Notenbank-Chefin Janet Yellen: Wann wird sie den Leitzins wieder anheben? (Imago / Xinhua)
    Mäßig und bescheiden wächst die US-Wirtschaft weiterhin. So steht es zumindest im neuesten Konjunkturbericht der US Notenbanken. Besonders auf dem Arbeitsmarkt, dem Häusermarkt und auch im Bausektor sehe man erfreuliche Verbesserungen, hieß es von den zwölf lokalen Notenbanken in den Einschätzungen für ihre Regionen. Aber die Sorge um den Handelspartner China und dem damit einhergehenden starken Dollar könnte das Blatt noch mal wenden. Die meisten Finanzbeobachter rechnen nämlich mit einer Leitzinsanhebung Mitte September. Vizechef der US Notenbank Stanley Fischer vor wenigen Tagen:
    "Es ist zu früh zu sagen. Die veränderten Umstände in China und die Entwertung dort sind relativ neu. Wir müssen abwarten, wie sich das entfaltet. Ich werde nicht vorpreschen und von einer zwingenden Anhebung der Leitzinsen sprechen."
    Die Konjunkturberichte beziehen sich auf den Zeitraum Mitte Juli bis Mitte August. Wenige Tage später waren es die chinesischen Konjunkturdaten und die Turbulenzen an den dortigen Märkten, die der US Börse einen historischen Kurssturz beschert hatten. Innerhalb von 3 Tagen ging es mehr als 1400 Punkte nach unten mit dem Dow Jones. Mehr als zehn Prozent vom Allzeithoch, was den Abfall per Definition zu einer Korrektur machte. Für Sam Stovall kein Grund, eine Leitzinserhöhung in diesem Jahr auszuschließen. Er ist Aktienstratege bei Standard & Poors Capital IQ in New York:
    "In den sechs Monaten vor einer ersten Zinsanhebung finden oft Turbulenzen statt. Geschichtlich waren das Preisabfälle am Markt von rund 10 Prozent. Und das entspricht ja fast genau dem, was wir gerade gesehen haben, mit mehr als 12 Prozent Kursrutsch. Normalerweise erholt sich das allerdings bis zum Zeitpunkt der Anhebung."
    Strauchelndes China bereitet Wall Street Sorgen
    Das strauchelnde China ist das Thema dieser Tage in den globalen Finanzmetropolen, allerdings macht der Export für die USA weniger als 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Zwei Drittel des Wirtschaftswachstums wird vom inländischen Konsum getrieben und die Verbraucherdaten in Amerika in den vergangenen Wochen stimmten optimistisch. Zuletzt wuchs die Wirtschaft um 3,7 Prozent auf Jahressicht. Von den zwölf Distrikten schnitt nur Cleveland schlechter als moderat ab im Konjunkturbericht. Die Wirtschaft scheint gerüstet für eine baldige Zinsanhebung, meint Sam Stovall – sind es die Märkte auch?
    "Ein Boxer wird nicht zu Fall gebracht von einem Schlag, den er erwartet. Und wer bitte erwartet jetzt keine Anhebung der Zinsen? Und sie werden sie über einen längeren Zeitraum, Stück für Stück, auf ein normales Niveau hieven. Und sie werden immer eine Umsetzungsnotiz mit herausgeben. In gewisser Weise kriegen wir einen Ausführungsplan mitgeliefert."
    Bis zum Notenbank-Treffen Mitte des Monats werden jedoch in den USA noch die Jobdaten für August und der neuste Konsumentenpreisindex veröffentlicht.