Montag, 30. Januar 2023

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Feuerjahr 2019
Experte: Brände in Regionen, wo dies bisher unbekannt war

Brände in der Arktis, heftige Feuer in Indonesien und Australien – dies zeige, dass sich Bedingungen für das Entstehen von Feuern durch den Klimawandel verändern, sagte Johannes Flemming vom Copernicus Atmosphärenüberwachungsdienst im Dlf. Überraschend urteilt er über die Waldbrände in Brasilien.

Johannes Flemming im Gespräch mit Monika Seynsche | 13.12.2019

Waldbrand in Alaska
Brände in Gebieten, wo Feuer bis jetzt ungewöhnlich waren: Waldbrand südlich von Fairbanks, Alaska (imago / imagebroker)
Monika Seynsche: Im Sommer brannte die Arktis, kurz danach der Amazonas-Wald in Brasilien und jetzt gerade zum zweiten Mal in diesem Jahr der australische Busch – Waldbrände sind dieses Jahr ziemlich oft in den Medien. Der europäische Copernicus Atmosphärenüberwachungsdienst beobachtet seit 2003 alle Feuer auf der Erde. Deshalb habe ich mit Johannes Flemming von Kopernikus gesprochen und ihn gefragt, ob 2019 wirklich ein ungewöhnliches Feuerjahr war?
Johannes Flemming: 2019 war eigentlich ein sehr interessantes Jahr. Wenn man sich den globalen Mittelwert anschaut, dann war es nicht so besonders. Aber wir hatten in diesem Jahr Feuer an Stellen, wo Feuer normalerweise nicht oder nicht so stark auftreten, wo durch extreme Wetterbedingungen - und hier kommt der Klimawandel sozusagen zum Ausdruck - die Bedingungen für das Entstehen von Feuern sich geändert hatten. Und ich glaube, die Stelle, die am meisten Beachtung gefunden hat, waren die Feuer in der Arktis, wo wir sehr hohe Temperaturen für die Arktis im Sommer hatten, was dann auch zu Waldbränden geführt hat, die in diesen Regionen vollkommen unbekannt sind.
Eine andere Sache, wo Feuer aufgetreten sind, wo sie besonders stark waren, das war in Indonesien. In Indonesien sind Feuer eigentlich typisch und kommen regelmäßig immer wieder vor, aber die Feuer in diesem Jahr waren sehr stark - auch begründet mit trockenen Bedingungen. Und vielleicht als letztes Beispiel Australien, wo wir am Anfang des Jahres schon eine intensivere Feuertätigkeit hatten, aber auch zur Zeit - beziehungsweise im Herbst - sehr starke Feuer im Süden und im Südwesten von Australien, wo diese sehr ungewöhnlich sind und wo die dann einen großen Einfluss auch hatten auf die Luftgüte in benachbarten Städten.
Seynsche: Wie sieht denn ganz aktuell die Situation in Sydney aus? Dort gab es ja die massiven Feuer, es gab Luftverschmutzungswerte, die die von Peking überstiegen in einigen Tagen. Wie sieht es da jetzt aus?
Flemming: Die Lage in Sydney hat sich ein bisschen entspannt, weil die intensivsten Feuer nicht mehr aktiv sind.
Feuerintensität in Südamerika 2019 nicht so stark
Seynsche: Welche Rolle haben denn die Brände in Südamerika gespielt, gerade in Brasilien hat es ja viel gebrannt, es gab sehr viele Medienberichte über diese Feuer.
Flemming: Das ist richtig, in Südamerika gab es sehr viele Medienberichte und es gab extrem intensive Feueraktivitäten in einem beschränkten Teil des Amazonas. In einer Provinz, die Amazonia legal heißt, wenn man sich da die Daten anguckt, war da die Feueraktivität wirklich viel größer als in den vergangenen Jahren. Und das hat natürlich zu tun mit der Landrodung, wo Feuer verwendet werden, um Urwald zu vernichten.
Wenn man sich aber die Daten über ganz Südamerika oder ganz Brasilien anschaut, dann war die Feuerintensität in diesem Jahr nicht so stark wie in den vergangenen Jahren, insbesondere am Anfang der 2000er-Jahre. Und das ist auch unsere Stärke in unserem Atmosphär-Überwachungsdienst, dass wir kontinuierlich und operationell die Feuer überwachen. Wir tun das seit 2003 und wir haben demzufolge auch Zeitreihen und die Daten, um die jetzige Situation wirklich zeitnah mit den vergangenen Jahren zu vergleichen und dann Schlussfolgerungen für den Zustand und natürlich auch für die Zukunft treffen zu können.
Zur Feuerbildung gehören mehrere Faktoren
Seynsche: Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie denn aus Ihren Daten?
Flemming: Die Schlussfolgerung für uns ist, dass der Klimawandel höchstwahrscheinlich zu mehr Feuern führen wird in Gebieten, wo Feuer bis jetzt ungewöhnlich sind. Aber global gesehen denken wir, dass die Feueraktivitäten nicht unbedingt zunehmen wird, denn zur Feuerbildung gehören immer zwei Sachen: Das eine sind die meteorologischen Bedingungen, die Trockenheit. Es muss natürlich aber auch dann genügend Vegetation vorhanden sein, und in Gebieten, wo der Regenwald schon vernichtet worden ist, kann natürlich auch nicht mehr so viel Feuer entstehen. Und dann gibt es natürlich auch immer noch den menschlichen Einfluss, denn Feuer sind zum größten Teil von Menschen gemacht. Und die Änderungen der Praxis, wie Landwirtschaft durchgeführt wird, wie Feuerschutz organisiert wird, kann auch einen Einfluss haben.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.