Börsenhandel
Finanzökonom Georg begrüßt Tokenisierung von Wertpapieren

In der Debatte über die weitere Digitalisierung der Börsen begrüßt der Finanzökonom Co-Pierre Georg die jüngste Tokenisierung von Wertpapieren.

    Charles Boeddinghaus
    Die Digitalisierung der Börsen schreitet weiter voran. (pa/AP/Richard Drew)
    Sie sei ein Wachstumsmarkt, sagte der Professor von der "Frankfurt School of Finance and Management" dem Deutschlandfunk. Dieser verbinde für Anleger die Vorteile eines wohl-regulierten Marktes mit der Effizienz einer blockchain-basierten Infrastruktur. Viele der Risiken, auch der systemischen, die es bei Kryptowerten wie Bitcoin gebe, gebe es für tokenisierte Wertpapiere nicht, erklärte der Direktor des Frankfurt School Zentrums für Digitalwirtschaft. Dadurch seien Investitionen für Anleger besser planbar und insgesamt weniger riskant. Gleichzeitig werde es durch die Tokenisierung für Wertpapieremittenten möglich, rund um die Uhr Zugang zu neuer Liquidität zu erhalten und von geringeren Transaktionsgebühren zu profitieren, so Georg. - Derzeit spielen die Börsenöffnungszeiten eine zentrale Rolle für den Handel und für die Kosten.
    Georg fügte hinzu, während der Markt für Kryptowerte deutlich an Dynamik eingebüßt habe, auch weil die nächste Wachstumsstory fehle, wachse der Markt für tokenisierte Wertpapiere rasant. Neben Banken seien es insbesondere Fonds, die zunehmend auf Tokenisierungsstrategien setzten.

    Auch Kunst, Wein und Immobilien werden inzwischen tokenisiert

    Neben traditionellen Wertpapieren werden Georg zufolge aber auch zunehmend Vermögenswerte wie Kunst, Wein oder Immobilien tokenisiert. Da einige davon mit traditionellen Aktien- und Anleihenmärkten nur wenig korrelierten, könnten sie einen Beitrag zur Diversifikation leisten. Auch hier dürften Anleger langfristig profitieren, meinte Georg.
    Für die Tokenisierung von Sachwerten bedient man sich eines Kniffs. Gemälde oder Häuser lassen sich zwar nicht physisch, aber in einzelne, handelbare Besitzrechte aufteilen.

    Tokenisierung und Blockchain - was ist das?

    Tokenisierung bedeutet: Jeder Handelsvorgang, etwa mit einer Aktie, Anleihe oder einer gebündelten Auswahl davon wie eines ETFs, wird geprüft und als eine Art digitaler, fälschungssicherer Kassenzettel – ein sogenannter Token – abgespeichert. Genutzt wird dafür die Speichertechnologie der „Blockchain“, die bereits Grundlage für Kryptowährungen wie Bitcoin ist. In den USA hat das für den Handel mit Wertpapieren zentrale Wall-Street-Unternehmen DTCC vergangene Woche einen zukunftsweisenden Praxistest gestartet. Im Oktober soll der Regelbetrieb aufgenommen werden. Die DTCC verwaltet Wertpapiere im Wert von mehr als 114 Billionen US-Dollar.

    Kritiker lehnen Blockchain und Tokenisierung ab

    Tokenisierung gilt als Schritt zur Modernisierung der Finanzmarktarchitektur und zur vollständigen Digitalisierung des Börsenhandels. Kritiker aus der IT-Branche argumentieren allerdings, Effekte wie Beschleunigung von Aktienhandel und Gebührensenkungen ließen sich auch mit klassischen Mitteln erreichen. Eine Blockchain sei nicht nötig.
    Diese Nachricht wurde am 22.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.