Archiv

Förder-Plattform
"Es gibt für fast alles Stipendien"

Viele Schüler, Studenten und Auszubildende halten sich für nicht herausragend genug, um Chancen auf ein Stipendium zu haben - ein Fehler, sagt Mira Maier, Gründerin des "European Funding Guides". 12.000 Stipendienprogramme mit teils sehr speziellen Anforderungen warten auf die entsprechenden Bewerber.

Mira Maier im Gespräch mit Simone Miller | 12.02.2015
    Simone Miller: Mit den Stipendien ist es ein bisschen wie mit dem Goldtopf am Ende des Regenbogens – die meisten halten sie für unerreichbar. Was für den Goldtopf stimmen mag, ist in Bezug auf die Stipendien aber ein Irrglaube. Aus genau diesem Grund ist vor Kurzem der "European Funding Guide" in Deutschland online gegangen. In nur ein paar Klicks verspricht er, den Weg zum richtigen Stipendium zu weisen. Wie das funktioniert, darüber spreche ich jetzt mit der Gründerin Mira Maier. Guten Tag, Frau Maier!
    Mira Maier: Hallo!
    Miller: Für wen ist das Angebot denn gedacht?
    Maier: "European Funding Guide" richtet sich an Abiturienten, Studenten und Promovierende in der gesamten EU.
    Miller: Und auf welches bestehende Problem reagiert der "European Funding Guide"?
    Maier: Wir haben einfach festgestellt, dass es eine Riesenbandbreite an Studienfinanzierungsformen gibt, die kein Mensch kennt. Es gibt in der EU mehr als 12.000 Stipendienprogramme, die allesamt bei der Studienfinanzierung helfen können, und die allerwenigsten wissen davon. Und allein in Deutschland gibt es mehr als zweieinhalbtausend Stipendiengeber, und die allermeisten glauben eben, es gäbe nur die großen Stiftungen, die ohnehin jeder kennt. Und da sind eben auch viele Vorurteile weit verbreitet, dass eben Stipendien nur was für Hochbegabte sind, die zugleich wahnsinnig bedürftig und extrem engagiert sind. Und für so toll halten sich dann doch die allerwenigsten. Und wir wollen eben aufzeigen, dass es wirklich sehr, sehr viel gibt, dass das nicht unbedingt mit Hochbegabung zu tun haben muss, und dass man ganz schnell überblicken kann, was in Frage kommt.
    Miller: Es ist ja jetzt aber nicht die erste Stipendiensuchmaschine, die Sie mit der Initiative für transparente Studienförderung ins Leben rufen. "My Stipendium" und "barrierefrei studieren" existieren ja bereits. Wozu braucht es also jetzt zusätzlich den "European Funding Guide"?
    Maier: Wir haben festgestellt, dass es neben "My Stipendium" in der EU noch wahnsinnig viel Programme gibt, die nicht nur für Deutsche in Frage kommen, aber auch. Also, es gibt sehr, sehr viele Stiftungen, für die das von vornherein erst mal egal ist, aus welchem Land man kommt oder wo man studieren will, die einfach Leute fördern wollen, die ihren Richtlinien entsprechen. Wir haben auch Programme, die sich vollständig auf ein Studium im Ausland konzentrieren wollen. Wenn man also beispielsweise sein Bachelorstudium oder sein Masterstudium irgendwo in der EU komplett machen möchte, nicht nur ein Auslandssemester. Dann ist beispielsweise "European Funding Guide" eine gute Anlaufplattform. Wir haben neben Stipendienprogrammen auch alle anderen Formen der Studienfinanzierung auf "European Funding Guide" aufgenommen. Und es ist natürlich auch für diejenigen interessant, die nicht so gut Deutsch sprechen, weil "European Funding Guide" in verschiedensten Sprachen verfügbar ist.
    Miller: Wie funktioniert die Plattform denn konkret?
    Maier: "European Funding Guide" funktioniert per Matching-Verfahren. Das heißt, man legt sein persönliches Profil an, also im Prinzip seinen Lebenslauf, und bekommt dann vollautomatisch auf Basis der eigenen Angaben genau die Programme vorgeschlagen, die wirklich zu einem passen.
    Miller: Muss man neben dem Abitur, das man auf jeden Fall in der Tasche haben muss, eigentlich noch weitere Voraussetzungen erfüllen, um für ein Stipendium in Frage zu kommen?
    Maier: Das ist total unterschiedlich und hängt von der Stiftung ab. Es gibt also wirklich Stiftungen, die sagen, wir fördern beispielsweise Leute, die im gleichen Ort geboren sind wie man selbst. Andere fördern bestimmte Fachrichtungen, die relativ exotisch sind. Wir haben insgesamt mehr als 35 Auswahlkriterien definiert, und diese fragen wir eben im Profil ab.
    Miller: Können Sie uns denn vielleicht mal ein paar Beispiele dafür nennen, welche unterschiedlichen Förderungsmöglichkeiten da auf der Plattform zu finden sind?
    Maier: Also es gibt für wirklich fast alles Stipendien. Man kann natürlich klassischerweise ein Stipendium bekommen für den Lebensunterhalt, das kann ein Teilstipendium wie auch ein Vollstipendium sein. Es gibt Stipendien für Auslandssemester, es gibt Stipendien für Auslandspraktika, es gibt Reisekostenstipendien. Also, es gibt wirklich für fast alles, was man sich vorstellen kann, ein Stipendium.
    Miller: Einmal in die Zukunft geblickt: Haben Sie noch mehr Ideen in Sachen Stipendien in der Pipeline?
    Maier: Wir wollen natürlich mal sicherstellen, dass die Datenbanken, die wir haben, vollständig und aktuell sind. Das heißt, wir suchen wirklich täglich nach neuen Programmen und nehmen diese auf. Und, natürlich, ein großes Ziel von uns ist es natürlich auch noch mal, die Zielgruppen auszuweiten. Wir möchten künftig auch Postdocs helfen, wir wollen Schülern helfen, also diejenigen, die noch nicht im Abiturjahrgang sind. Und wir wollen natürlich auch Auszubildenden helfen. Etwas in der Ferne liegen natürlich auch Stipendienprogramme, die nicht direkt mit der Ausbildung zusammenhängen.
    Miller: Mira Maier, Gründerin der kürzlich online gegangenen Stipendienplattform "European Funding Guide". Vielen Dank für das Gespräch!
    Maier: Herzlichen Dank!
    Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.