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StartseiteCampus & KarriereForschen und Lernen am Nil06.12.2007

Forschen und Lernen am Nil

Die Ergebnisse des deutsch-ägyptischen Wissenschaftsjahres

Zwar geht das deutsch-ägyptische Wissenschaftsjahr 2007 dieser Tage zu Ende, doch die geknüpften Kontakte wirken fort. Ein deutsch-ägyptischer Forschungsfonds soll Projekte junger Wissenschaftler fördern. Außerdem werden künftig jährlich 100 Stipendien für ägyptische Promotionsstudenten vergeben.

Von Susanne Lettenbauer

Sonnenuntergang am Nil. (Deutschlandradio / Cornelia Sachse)
Sonnenuntergang am Nil. (Deutschlandradio / Cornelia Sachse)
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Deutsch-ägyptisches Wissenschaftsjahr

Erst einmal sind alle sehr zufrieden: Gut 150 Veranstaltungen, von der Medizin-Tagung bis zur archäologischen Ausstellung, wurden in diesem deutsch-ägyptischen Wissenschaftsjahr auf die Beine gestellt. Ägyptische Biotechnologen besuchten die Leibnitz-Universität Hannover, deutsche Wissenschaftler besuchten die Entsalzungsforschungsanlagen am Roten Meer, und Mitarbeiter vom Forschungszentrum Jülich diskutierten in Kairo mit ägyptischen Kollegen über "Radionukleoide in der medizinischen Anwendung".

"Es wurden sehr viel mehr Veranstaltungen organisiert, als wir erwartet hatten,"

sagt der ägyptische Bildungsminister Hany Helal.

"Wir waren davon ausgegangen, dass einige Projekte angeschoben würden, dieser Enthusiasmus von beiden Seiten hat uns überrascht. Mittlerweile wurden vier Kooperationsvereinbarungen unterzeichnet, darunter Vereinbarungen über kurze und längere Studienaufenthalte in beiden Ländern."

Für Christian Hülshörster, der Leiter des DAAD-Büros in Kairo, besteht der größte Erfolg des Wissenschaftsjahres darin,

"dass wir in der Lage sein werden, einen neuen binationalen Masterstudiengang anzubieten, der im nächsten Jahr als Partnerschaftsprojekt zwischen einer ägyptischen und einer deutschen Hochschule begründet werden soll. Dazu stellt das BMZ eine Finanzierung über fünf Jahre bereit mit einem durchaus relevanten Budget. Hier wollen wir zum ersten Mal deutsche und arabische Studenten gemeinsam ausbilden."

20 Studierende werden an diesem voraussichtlich kommendes Jahr startenden Studiengang teilnehmen können, je 10 aus Deutschland - die gleichzeitig einen Intensivsprachkurs bekommen - und 10 aus arabischen Ländern. Studiert wird, voll finanziert vom DAAD, je ein Jahr in Deutschland und eines in Ägypten. Die Ausschreibung an interessierte Universitäten läuft bereits. Jetzt müssen sich nur noch zwei Hochschulen finden, eine in Deutschland und eine in Ägypten, die im Rahmen dieses Masterstudienganges kooperieren wollen.

Der Schwerpunkt dieses Masters wird auf erneuerbaren Energien liegen, das heißt auf Solar- und Windkraftanlagen. Für eine Bewerbung ist ein Bachelor in verwandten Fächern erwünscht. Deutschland wird die Technik zur Verfügung stellen und Ägypten die besten klimatischen Voraussetzungen - im Windpark von Zafarana am Roten Meer zum Beispiel:

"Wir diskutieren gerade mit der TU Berlin die Gründung einer neuen Universitätsforschungseinrichtung am Roten Meer","

so Ägyptens Bildungsminister Helal.

""Der Schwerpunkt dort liegt im Bereich Erneuerbare Energien."

Studenten benötigen dort natürlich auch arabische Sprachkenntnisse, weshalb der DAAD seinen Intensivkurs nicht nur nicht nur wie bisher den deutschen Arabistikstudenten oder angehenden Islamwissenschaftlern anbietet, sondern künftig auch Naturwissenschaftler sowie Politikstudenten und Soziologen. Vor allem im Bereich Infektionsbiologie haben die Ägypter die Nase vorn. Und wenn man gute Kontakte in Nordafrika geknüpft hat, stehen dem deutschen Forscher auch die Wege in innerafrikanische Forschungskooperationen offen, betont Christian Hülshörster.

Am liebsten würde der DAAD auch mehr deutsche Doktoranden und junge Forscher ins Land am Nil holen, doch die Skepsis von deutscher Seite ist groß. Bislang gehen überdurchschnittlich mehr Ägypter nach Deutschland als umgekehrt. Deshalb hat auch die Deutsche Universität Kairo, parallel zu dem neuen binationalen Studiengang eigene Masterstudiengänge seit diesem Wintersemester aufgelegt, sagt Chairman Professor Ashraf A. Mansour:

"Wir fangen jetzt mit dem Master an, das ist jetzt möglich in den Ingenieurwissenschaften, Medienwissenschaften, Biotechnologie, Pharmazie, Businessadministration und ganz wichtig Applied Arts, Design. Das wäre einfach schön, wenn jetzt einige Studenten aus Deutschland kommen würden für diese Mischung aus Kunst und Design. Das ist sehr erwünscht."

Ergänzend zu den neuen Studienmöglichkeiten wurde heute Mittag ein deutsch-ägyptischer Forschungsfonds gegründet, der, mit jeweils 300.000 Euro pro Land gespeist, konkrete binationale Projekte junger Wissenschaftler bis 2012 und mit bis zu 100.000 Euro fördern will. Außerdem sollen jährlich 100 Stipendien für ägyptische Promotionsstudenten vergeben werden.

Der DAAD-Chef von Kairo kann nach diesem erfolgreichen Wissenschaftsjahr ruhig in die Zukunft schauen: Deutschland wird, so Außenminister Steinmeier in der vergangenen Woche, rund 15 Prozent mehr für die auswärtige Kulturpolitik zur Verfügung stellen, es stehen von deutscher Seite also mehrere Millionen auch für deutsche Forschungsvorhaben zur Verfügung.

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