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Fotograf und Umweltaktivist Markus Mauthe"Der Mensch dringt halt überall vor"

Seit 30 Jahren reist Markus Mauthe durch die Welt und fotografiert ihre Schönheit, aber auch die Umweltzerstörungen. Die thematisiert er auch in seinen Vorträgen. "Die Menschen zu begeistern und mit der Realität nicht abzuschrecken, das wurde im Laufe der Jahre immer schwieriger," sagte Mauthe im Dlf.

Markus Mauthe im Corsogespräch mit Sören Brinkmann | 02.11.2020

Markus Mauthe steht auf einem Felsvorsprung, im Hintergrund Regenwald
"Ich habe 30 Jahre lang der Natur beim Sterben zugeguckt" (Markus Mauthe (copyright))
Vom tropischen Regenwald – in Zentralafrika oder Südostasien – bis in die baumlose Tundra und ins ewige Eis. Vom Bodensee bis nach Neuseeland.
Es gibt kaum eine Region, in der Markus Mauthe nicht die unzähligen Schönheiten der Natur mit der Fotokamera festgehalten hat. Oft im Auftrag von Greenpeace.
In seinem Buch "Allein kann ich die Welt nicht retten" beschreibt er seinen Weg vom Naturfotografen zum Umweltaktivisten, der inzwischen auch in Brasilien lebt und dort den Regenwald wieder aufforstet.
Grau in der Seele
"Wir müssen uns bewusst werden, dass wir als Menschheit ein Probem haben mit der Art, in der wir leben," sagte Markus Mauthe im Dlf. Der Weg, den wir eingeschlagen hätten, habe zu einer Übernutzung der Erde geführt.
Er selbst habe auf seinen vielen Reisen die Vielfalt und Schönheit der Erde gesehen, "aber es ist auch wahr, dass ich 30 Jahre der Natur beim Sterben zugeguckt habe", so Mauthe. Das habe zu einem Grau in seiner Seele geführt. Sein Buch sei eine Art Eigentherapie, um zu sehen, "warum geht es mir schlecht, obwohl ich so ein tolles Leben habe." Eine Greta Thunberg stelle sich ja nicht aus Jux und Dollerei vor die Mächtigen der Welt und sage: "Ich möchte, dass Ihr in Panik geratet". Das habe ihm zum ersten Mal das Gefühl gegeben, dass viele Menschen so empfinden, wie er.
Tiefe statt Hochglanz
Markus Mauthe in blauer Mütze, Winterjacke, Handschuhen, Fotokamera schaut aus einem Eisloch heraus nach oben in die KAmera.  
"Ich verzweifle oft an meiner eigenen Spezies" (Markus Mauthe (copyright))
Er ertrage die Ignoranz der Menschen kaum noch. "Ich verzweifele sehr häufig an meiner eigenen Spezies." Wir könnten viel und schnell etwas bewegen, wir müssten es nur tun." Seine Haltung habe auch dazu geführt, dass sich seine Fotografie verändert hat. Irgendwann habe es nicht mehr gereicht, stundenlang auf das richtige Licht zu warten. Mit reinen Hochglanzbildern sei er nicht mehr in die Tiefe gekommen. Da müsse man dann auch den brennenden Regenwald fotografieren. Bei seinen Vorträgen vor Publikum sei es oft schwierig, die Menschen einerseits zu begeistern für die Natur, und sie andererseits mit der Realität nicht abzuschrecken.
Zeit zum Nachdenken
Reisefotografie und -journalismus in Zeiten von Corona und Klimakrise seien schon noch sinnvoll, so Markus Mauthe. Denn "die Neugier an dem Anderen dürfen wir nicht verlieren." Den Rucksack packen und sich die Welt angucken, so wie er das früher getan habe, das sollten besonders junge Leute auch weiterhin machen. "Wir sollten aber diese Zeit auch zum Nachdenken nutzen," so Mauthe, anstatt nur über die Einschränkungen zu jammern. Denn die Pandemie sei ein weiteres Zeichen dafür, dass der Planet kaputt geht. Die Wissenschaftler seien sich weitgehend einig, dass Corona übertragen werde, weil wir Tiere essen und Tiere immer weniger Rückzugsräume hätten. "Der Mensch dringt halt überall vor."
Das Buch von Markus Mauthe "Allein kann ich die Welt nicht retten" ist im Knesebeck Verlag erschienen