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FU Berlin zum zweiten Mal "Eliteuniversität"

Die Freie Universität Berlins gehört wie die HU zu den Eliteuniversitäten. Alle drei bekommen in den nächsten fünf Jahren über 300 Millionen Euro zusätzlich zu ihrem Budget. Doch viele Studenten beklagen, dass sich nichts Gravierendes geändert habe und Exotenfächer fühlen sich vernachlässigt.

Von Verena Kemna | 10.08.2012

Über dreihundert Millionen Euro zusätzliches Geld spült die Exzellenzinitiative in den nächsten fünf Jahren in die Kassen der Berliner Universitäten. Die Freie Universität trägt bereits zum zweiten Mal den Titel "Eliteuniversität". Viele Studierende merken davon nichts.

"Man hat das Gefühl, dass sich nichts ändert. Jetzt könnte man natürlich sagen, das ist eher forschungsorientiert und ich bin als Bachelorstudent eher an der Lehre interessiert, aber so richtig hört man es nur in den Medien. Man hat aber nicht das Gefühl, dass Gelder bei den Studenten ankommen. "

Auch Olivier Molinère findet die Exzellenzinitiative abgehoben. Als Sprachwissenschaftler bewirbt er sich ständig um neue Forschungsprojekte, oft ohne Erfolg.

"Es springt nicht wirklich etwas für die kleineren Fächer dabei raus, das ist mein Eindruck. Was bringt es, wenn einige Fächer davon profitieren und alle anderen weiter darben. Das ist mein Eindruck. "

Im Rahmen der groß angelegten Initiative profitieren auf jeden Fall vier sogenannte Exzellenzcluster. Etwa "Topoi", ein interdisziplinärer Forschungsverbund, der sich mit dem Wissen in antiken Kulturen beschäftigt. Dort promoviert die Ägyptologin Eliese-Sophia Lincke. Sie erhofft sich nach der Promotion eine Stelle als Juniorprofessorin.

"Ich habe schon in der ersten Phase von Topoi angefangen. Insofern hat mich sozusagen das Exzellenzcluster an Berlin gebunden. Ansonsten wäre ich vielleicht zum Promovieren woanders hingegangen. In meinem Projekt geht es um Raum und Sprache, genauer in der ägyptischen Sprache, die ja schon vor vielen Jahrhunderten ausgestorben ist und ich beschäftige mich damit, mit welchen sprachlichen Mitteln diese Sprache Raum kommuniziert."

Seit Juni kann die Berliner Humboldt-Universität nicht nur mit Exzellenzclustern, sondern auch fünf Jahre lang mit dem Titel Exzellenzuniversität punkten. Für den Präsidenten Jan-Hendrik Olbertz ist es eine Genugtuung, dass sich das HU-Konzept "Bildung durch Wissenschaft" durchgesetzt hat. Das bedeutet, 47 zusätzliche Millionen für interdisziplinäre Spitzenforschung. Kooperation der Berliner Unis sowie mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen soll am Hochschulstandort Berlin den Weg in die Zukunft weisen. Nachhaltige Strategien seien gefordert, denn nach 2017 wird es keine weiteren Exzellenzmittel geben, erklärt Jan-Hendrik Olbertz.

"In der Humboldt Universität haben wir uns darauf verständigt, dass die Hälfte der Ressourcen, die wir brauchen, um nach 2017 diese Flagschiffprojekte fortführen zu können, aus der Universität selbst heraus erbracht werden müssen und dass die andere Hälfte von der Universitätsleitung aus zentralen Mitteln dargestellt werden müssen. Das ist kein Garten Eden, den wir getrennt bewirtschaften, sondern es ist ein Teil der gesamtuniversitären Strategie."

Der Präsident der Freien Universität Berlin, Peter-Andre Alt plant ebenfalls längst für die Zeit nach 2017. Bereits zum zweiten Mal ist die FU Mitglied im erlesenen Kreis der Eliteuniversitäten. Somit kann die Freie Universität Berlin noch einmal Geld in die "Internationale Netzwerkuniversität" stecken. 40 Millionen Euro stehen dafür bereit.

"Wir wollen auf diese Weise herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch aus internationalen Kontexten nach der Promotion längerfristig an unsere Universität binden. Wir sichern die Qualifizierung dieser Nachwuchskräfte durch ergänzende Veranstaltungen, die Lehr- und Leitungsqualifikation vermitteln und wir verschaffen ihnen obendrein die Möglichkeit, wenn sie herausragend sind, hier eine W2-Professur zu erlangen."

Auch die Graduiertenschulen mit ihren speziellen Promotionsprogrammen bewertet er als Erfolg der Exzellenzinitiative. Doch der Bewerbungsmarathon um Geld und Prestige hat Spuren hinterlassen, viel Zeit und Arbeitskraft gekostet. Gut, dass endlich die Forschung wieder im Mittelpunkt steht, meint FU-Präsident Peter-Andre Alt.

"Ich denke, es ist gut, dass jetzt erst einmal Ruhe herrscht und dass wir zunächst einmal entlastet sind von weiteren Anträgen. Wir stellen sie ja ohnehin, wenn es um Sonderforschungsbereiche und andere Drittmittelprojekte im EU-Kontext geht. Wir sind ja Drittmittel aktiv, aber es ist gut, dass wir jetzt erstmal Ruhe haben, uns auf das zu konzentrieren, was wir tun wollen, nämlich zu forschen."