Fußball-Nationalmannschaft der Frauen in Saudi-ArabienVom Funken zum Feuer?

Seit Kurzem gibt es eine Frauen-Fußballliga in Saudi-Arabien, jetzt wird eine Nationalmannschaft gegründet. Trainerin wird die Deutsche Monika Staab. Sie hat schon in mehr als 80 Ländern gearbeitet. Im Dlf-Gespräch sprach sie über ihre Beweggründe, nach Saudi-Arabien zu gehen: "Die Frauenpower hat mich überzeugt."

Monika Staab im Gespräch mit Raphael Späth | 15.08.2021

Italienischer Super Cup zwischen Juventus Turin und dem AC Mailand im "King Abdullah Sports City"-Stadion in Dschidda, Saudi-Arabien, am 16.01.201: Eine Frau sitzt auf der Tribüne.
Frauen in Saudi-Arabien dürfen inzwischen nicht nur auf der Tribüne sitzen, sondern auch selbst Fußball spielen. (IMAGO / LaPresse)
Monika Staab war bereits Trainerin in Bahrain und in Katar – jetzt wird sie Frauen-Nationaltrainerin in Saudi-Arabien. Bereits im vergangenen Jahr hat Staab einen Trainerinnen-Kurs gegeben. Dort habe sie sich einen Eindruck verschaffen können, was im Frauen-Fußball in Saudi-Arabien möglich ist: "Mich haben doch sehr viele Dinge überrascht: Wie viel Potenzial steckt in diesem Land mit so vielen Frauen, die so aktiv sind."
Obwohl Frauen bis vor Kurzem offiziell nicht Fußball spielen durften, hätten viele es dennoch hinter verschlossenen Türen getan, erzählt Staab. Die Leistungen seien beeindruckend. "Was mich noch mehr überzeugt hat, war die Frauenpower", so Staab im Dlf-Gespräch. Im saudischen Fußballverband gebe es Frauen in verantwortlichen Positionen.

Staab glaubt an ernsthaftes Bestreben beim saudischen Fußballverband

Staab hat 2013 und 2014 die Frauen-Nationalmannschaft in Katar trainiert, seitdem hatte die Mannschaft kein offizielles Länderspiel mehr. In autoritären Staaten wird der Sport oftmals genutzt, um das Image aufzupolieren – als Sportswashing wird diese Vorgehensweise bezeichnet. Staab glaubt aber nicht, dass es in Saudi-Arabien ähnlich laufen wird wie in Katar. Dort habe die Frauen-Nationalmannschaft nicht unter dem Dach des Fußballverbandes gespielt – in Saudi-Arabien sei das aber der Fall. Gleichzeitig müsse man aber mit den gesellschaftlichen Verhältnissen umgehen: "Da sind sehr viele Hürden zu überwinden, aber ich glaube, sie meinen es ernst." Es sei geplant, Trainerinnen auszubilden und eine Akademie aufzubauen.
Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi-Arabien, am 14. Oktober 2019 bei Gesprächen zwischen Russland und Saudi-Arabien.
FIFA WM 2030 - Gastgeber: Saudi-Arabien?
Nach einem Sommer voller internationaler Fußballturniere startet in knapp 16 Monaten bereits die Fußball-WM der Männer in Katar. Auch das Nachbarland Saudi-Arabien lotet nun eine Bewerbung für die WM 2030 aus.
Gleichzeitig sind in Saudi-Arabien Aktivistinnen, die für Frauenrechte auf die Straße gegangen sind, im Gefängnis. "Politisch will ich mich dazu nicht groß äußern. Für mich geht es mehr darum, die Frauen zu stützen und ihr Selbstvertrauen zu stärken", erwiderte Staab auf den Einwurf. Sie sei in über 80 Ländern, auch muslimischen und arabischen, unterwegs gewesen und halte es für wichtig, den Frauen die Möglichkeit des Fußballspielens zu geben.
Staab erzählte, dass sie bei ihrer Arbeit immer viel Überzeugungsarbeit gegenüber Männern leisten müsse. Dass sei aber auch in Deutschland noch vor nicht allzu langer Zeit notwendig gewesen: "Ich durfte mit 11 Jahren nicht Fußball spielen. Wir mussten uns auch in der Gesellschaft durchsetzen." Sie könne jetzt in arabischen Ländern "den Funken geben": "Aber das Feuer müssen sie natürlich selbst entfachen."
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.