Mittwoch, 29. Juni 2022

Archiv

Giro d'Italia
Etappe mit Beigeschmack

Vor dem letzten Anstieg der 15. Etappe stoppt einer der Favoriten auf den Sieg, der Slowene Primoz Roglic, plötzlich wegen eines Defekts. Das Teamfahrzeug ist nicht da, also tauscht er mit einem Teamkollegen das Rad. Das defekte Rad ist lange nicht auffindbar. Das erregt einen Verdacht.

Von Tom Mustroph | 28.05.2019

Der slowenische Radprofi Primoz Roglic steht mit seinem Rad bei der 15. Etappe des Giro d'Italia 2019
Der slowenische Radprofi Primoz Roglic bei der 15. Etappe des Giro d'Italia 2019 (imago / LaPresse / Massimo Paolone)
Hat Roglic mit dem Radwechsel einen Motor im Rahmen oder in der Nabe vertuschen wollen?
"Ich finde, das ist absoluter Schmarrn. Ich meine, wenn das eine Mannschaft machen würde, dann ist die ja für alle Ewigkeiten erpressbar. Wenn da der Mechaniker der etwas macht, eines Tages die Mannschaft verlässt, und sagt ich packe aus...", sinniert Jens Zemke, sportlicher Leiter bei Bora hansgrohe.
Das Risiko ist generell zu hoch. Und auch die Rennsituation selbst passte nicht zum Szenario einer sinnvollen Motorenunterstützung. Roglic wechselte das Rad ja vor dem letzten, dem entscheidenden Anstieg.
"Man plant einen Radwechsel gründlich"
Und so richtig clever geplant für einen Betrug sei das Ganze auch nicht, meint mit einer Portion Sarkasmus Addy Engels. Er ist der sportliche Leiter, dem das Missgeschick passierte. "In dem Moment wusste Primoz gar nicht, dass Antwan da war. Er konnte auch nicht weitermachen. Dieser Radwechsel war ein Moment, den Giro zu verlieren. Wenn man da einen Radwechsel vorhat, dann plant man den gründlich und ist dafür bereit. Wir aber waren das nicht. Und ich denke, das haben wir gezeigt."
Pech, Komik und Versagen sind hier tatsächlich die wesentlich wahrscheinlichere Erklärung als der Verdacht auf raffiniertes Motorendoping.