Samstag, 20. August 2022

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Grimme-Preis 2020
„Krise der Neunzigminüter“

Die Grimmepreisträger des Fernsehjahrs 2019 stehen fest: Gewonnen haben politische Serien, schlecht abgeschnitten hingegen die Filme. „Wir haben nicht viele Produktionen gesehen, die preiswürdig hätten sein können“, sagte Jurorin Claudia Tieschky im Deutschlandfunk.

Claudia Tieschky im Gespräch mit Susanne Luerweg | 03.03.2020

Hinter dem Zaun warten die Lastzüge auf die Fähre nach Italien. Amare (Joshua Edoze) hofft, dass ihn einer von ihnen mitnimmt
Ein Ausschnitt aus der Serie "Eden" (SWR/Pierre Meursaut)
Europa, die Flüchtlingskrise, unser Zusammenleben und die Welt eines Hip-Hop-Labels in Frankfurt - Themen, die in diesem Jahr in Filmen und Serien behandelt worden sind und die nun den Grimme-Preis erhalten werden. Der wichtigste deutsche Fernsehpreis wird am 27. März in Marl verliehen, heute stehen allerdings schon die Gewinner fest.
Innovativ und experimentell
Mit dabei ist zum Beispiel die deutsch-französische Koproduktion "Eden", die vom Zusammenleben in Europa im Angesicht von Migration und Flucht erzählt. Co-Jurorin Claudia Tieschky bezeichnete die Produktion als "innovativ und experimentell". Das gelte ebenfalls für den Episodenfilm The Love Europe Project, "ein wunderbares Format", in das sich die Jury geradezu verliebt habe, so Tieschky.
Filme ohne relevante Themen
Nicht gut abgeschnitten haben die Filme. Tieschky sprach von einer "Krise der Neunzigminüter". Innovative Ideen würden oft in Tatorten und Polizeirufen verwirklicht. "Aber dass gesellschaftliche relevante Themen in Fernsehfilmen außerhalb des Krimiformats zu sehen sind, das haben wir vermisst", so Tieschky.
Die Zukunft scheint, den Serien vorbehalten zu sein, die mittlerweile zu einem "Vorzeigeformat" avanciert sind, so Tieschky weiter. Dem Fernsehfilm würde es vor diesem Hintergrund gut tun, sich von der Experimentierfreude der Serien inspirieren zu lassen.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.