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Großbritannien"Der Angriff auf London war ein Angriff auf die Welt"

Das Brandenburger Tor wurde am 23.3.2017 in Berlin zum Gedenken an die Opfer des Anschlags von London den Farben der britischen Flagge angestrahlt. (Paul Zinken/dpa)
Das Brandenburger Tor wurde am 23.3.2017 in Berlin zum Gedenken an die Opfer des Anschlags von London in den Farben der britischen Flagge angestrahlt. (Paul Zinken/dpa)

Der Terroranschlag von London hat weltweit Anteilnahme ausgelöst. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erinnerte mit einer Schweigeminute an die Opfer - mit dabei auch der britische Außenminister Johnson: "Der Angriff auf London war ein Angriff auf die Welt." Das Brandenburger Tor in Berlin erstrahlte in den Farben der britischen Flagge.

Auf dem Trafalgar Square in London gedachten am Abend mehrere hundert Menschen der Opfer des Anschlags. Bürgermeister Khan forderte die Londoner auf, gemeinsam für ihre Werte einzustehen. London werde sich niemals von Terroristen einschüchtern lassen. Bewohner und Besucher sollten nicht verängstigt sein. Der UNO-Sicherheitsrat in New York verurteilte den Anschlag. In Berlin wurde das Brandenburger Tor in den Farben der britischen Flagge angestrahlt. "Berlin fühlt mit den Opfern und den Angehörigen", erklärte der Bürgermeister der Hauptstadt, Michael Müller (SPD). Auch in anderen Städten bekundeten die Menschen ihr Mitgefühl. In Paris etwa blieb der Eiffelturm als Zeichen der Anteilnahme dunkel. Der britische Außenminister Boris Johnson bedankte sich für die große Anteilnahme, die er stellvertretend für sein Land bei den Vereinten Nationen in New York bekommen habe. 

Festnahmen von weiteren Terrorverdächtigen

Die britische Polizei hatte im Zusammenhang mit dem Anschlag in London acht Menschen festgenommen, sie geht von "einem islamistischen Hintergrund" aus. Alle Festgenommenen würden verdächtigt, Anschläge geplant zu haben, erklärten die Ermittler. Mehrere hundert Polizisten seien noch in weiteren Durchsuchungsaktionen im Einsatz, außer in London auch in Birmingham und in Wales.

Täter war gebürtiger Brite

Scotland Yard hat Details zur Identität des Täters bekanntgegeben. Der 52jährige gebürtige Brite Khalid Masood war nach Angaben der Londoner Polizei für den Anschlag vor dem britischen Parlament verantwortlich. Masood war den Sicherheitsbehörden bereits vorher wegen Gewaltdelikten und unerlaubten Waffenbesitzes bekannt. Eine Verurteilung wegen terroristischer Aktivitäten habe es nicht gegeben.

Ablauf des Angriffs rekonstruiert

An sechs verschiedenen Adressen habe es sieben Festnahmen gegeben, sagte Mark Rowley von Scotland Yard. Diese hätten in "London, Birmingham und an anderen Orten im Land" stattgefunden, später sprach die Polizei von acht Festnahmen. Inzwischen ist die Zahl der Toten auf fünf gestiegen: am späten Abend erlag ein Mann seinen Verletzungen im Krankenhaus. Mindestens 40 Menschen sind bei dem Angriff verletzt worden. 

Inlandsgeheimdienst ermittelte gegen den Täter

Scotland Yard geht trotz der Verhaftungen weiter von einem Einzeltäter aus, der "vom internationalen Terrorismus inspiriert wurde". Das bestätigte auch Premierministerin Theresa May in einer Ansprache im britische Unterhaus. May führte aus, dass auch der Inlandsgeheimdienst MI5 gegen Masood ermittelt habe, als Hinweise auf seine extremistische Gewaltbereitschaft bekannt geworden waren. 

Die IS-Terrormiliz erklärte im Internet, einer ihrer Kämpfer habe die Operation ausgeführt. Der Angriff ereignete sich am Jahrestag der Selbstmordanschläge auf den Flughafen und die U-Bahn in Brüssel, bei denen 2016 insgesamt 32 Menschen getötet worden waren. Die Tat selbst hat eher Parallelen zu den Anschlägen von Nizza und Berlin, bei denen die Angreifer ebenfalls Fahrzeuge als Waffen eingesetzt hatten. Hunderte Ermittler seien im Einsatz, die sich auf das Motiv, die Vorbereitungen und mögliche Komplizen des Mannes fokussierten, hieß es.

Das Auto als Waffe

Aus der Vogelperspektive: Schematischer Ablauf des Anschlags auf der Westminster-Brücke und dem Gelände des britischen Parlaments in London am 22. März 2017. (picture-alliance / dpa-infografik) (picture-alliance / dpa-infografik)


Nach Angaben der Polizei raste der Täter mit einem Auto in Passanten auf der Westminster-Brücke. Ganz in der Nähe befinden sich das Parlament, die Westminster Abbey und der Westminster Palace mit seinem "Big Ben". Der Mann sprang aus dem Wagen, nachdem er mit dem grauen Hyundai in den Zaun des Parlamentsgebäudes gekracht war, drang auf das Gelände des Parlaments vor und stach einen unbewaffneten Polizisten nieder. Anschließend wurde er von einem anderen Beamten erschossen.

Die Verletzten, darunter auch Schüler, seien "verschiedener Nationalität". Theresa May berichtete, dass unter den Verletzten neben zwölf Briten auch eine Person mit deutscher Staatsbürgerschaft sei. Nach offiziellen Angaben sind mindestens drei französische Schüler unter den Verletzten. Hinzu kommen vier Südkoreaner, zwei Griechen, zwei Rumänen, ein Pole, ein Chinese und ein Amerikaner. Deutschlandfunk-Korrespondent , dass eine Frau in die Themse springen musste, später aber gerettet wurde. Zwei Menschen schweben nach Angaben der Londoner Behörden in Lebengefahr.

Der Terrorismusexperte Peter Neumann vom King's College in London , dass die Umstände auf einen islamistischen Anschlag hindeuteten. Der Begriff "Internationaler Terrorismus", den die Polizei verwendete, gelte in Großbritannien als Codewort für islamistische Anschläge. Der IS habe zudem seine Taktik auf solche Anschläge verändert. Einen Anschlag mit Auto und Messer könne man nicht verhindern, sagte Neumann.

Evangelische Kirche: "Nicht der Hass darf unsere Antwort sein"

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister schrieb in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an den Bischof von Leeds, Nick Baines: "In schmerzlicher Anteilnahme sind wir mit Eurem Land verbunden." Meister und Baines sind Co-Vorsitzende der gemeinsamen Meißen Kommission der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Church of England. Es bleibe eine gemeinsame Herausforderung, den terroristischen Angreifern zu widerstehen, die sich in schändlicher Weise auf die Religion des Islam beriefen, erläuterte Meister. Die Kirchen seien aufgefordert, für Demokratie und Freiheit zu kämpfen. "Nicht die Rache regiert unser Handeln, nicht der Hass darf unsere Antwort sein. Wir verweigern den Tätern unsere Angst und leben aus der Gnade Gottes für eine versöhnte Gesellschaft."

(nch/tgs/tep)

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