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StartseiteUmwelt und VerbraucherHanf als nachwachsender Rohstoff04.11.2009

Hanf als nachwachsender Rohstoff

Umweltfreundliche Alternative zur Baumwolle

Vielleicht liegt es am schlechten Image von Hanf als Rauschdroge: In Deutschland kommt der Anbau von Textilhanf nicht recht in Schwung. Dabei wäre Hanf eine umweltfreundliche Alternative zur Baumwolle.

Von Susanne Roßbach

Bestimmte Hanfsorten dürfen wegen ihres THC-Gehalts nicht in Deutschland angebaut werden. (Stock.XCHNG / ERC P.)
Bestimmte Hanfsorten dürfen wegen ihres THC-Gehalts nicht in Deutschland angebaut werden. (Stock.XCHNG / ERC P.)

"Hanf wächst sehr schnell. Wenn Sie von der Biomasse ausgehen: In sechs Monaten produziert Hanf so viel Biomasse wie ein Wald in 30 Jahren. Hanf wächst überall auf der Welt, vom Polarkreis bis zum Äquator, ist eine sehr genügsame Pflanze, braucht keine chemischen Mittel, um geschützt zu werden, der Ertrag ist sehr hoch."

Robert Hertel ist Chef der Hempage AG im fränkischen Adelsdorf. Seine Firma handelt europaweit mit Textilien aus Hanf. Hergestellt werden die Kleidungsstücke in China, denn nur dort wachse der feine Textilhanf, so Hertel, der wegen seines zu hohen THC-Gehaltes in Deutschland nicht angebaut werden darf:

"THC ist eine Droge - daher hat ja Hanf auch seinen schlechten Ruf - weil Hanf sehr oft verglichen wird mit Marihuana. Es gibt botanisch aber einen sehr großen Unterschied: Wir haben einmal das Cannabis sativa, das ist der Hanf, und es gibt den Cannabis indica, ... oder der Rauschhanf auch genannt, der also große Mengen dieses THC enthält. Der normale Nutzhanf ist als Rauschmittel ungeeignet, erfüllt aber trotzdem nicht die Auflagen der EU, weil die THC-Werte zum Teil marginal über diesem Grenzwert liegen."

In Deutschland war der Hanfanbau bis 1996 verboten. Nach der Aufhebung des Verbotes erlebte die alte Nutzpflanze eine kurze Renaissance: Ende der 90er-Jahre wurden über 4000 Hektar Hanf in Deutschland angebaut - mehr als überhaupt verarbeitet und vermarktet werden konnte. Zudem scheiterten die Unternehmen für den Aufschluss der Fasern an technischen Problemen. Und so war der Boom schnell wieder zu Ende, auch weil die EU-Kommission ihre Beihilfen deutlich senkte und Zuschüsse von deutscher Seite mit dem Argument der Wettbewerbsverzerrung verbot. Für den Hanfanbau gelten in Deutschland besondere gesetzliche Regelungen: So darf zum Beispiel nur speziell zertifiziertes Saatgut verwendet werden. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland gerade einmal 1100 Hektar Hanf angebaut.

"Der Hanfanbau ist sehr von der weiterverarbeitenden Industrie abhängig. Es ist wirtschaftlich nicht möglich, Hanf über weitere Entfernungen zu transportieren, weil er unheimlich viel Volumen hat, bevor er verarbeitet wurde. Das heißt, die Bauern in Deutschland sind darauf angewiesen, dass es einen Weiterverarbeiter in ihrer Nähe gibt. Und da sind wir schlecht bestückt in Deutschland. Momentan wartet die Industrie darauf, dass mehr Hanf angebaut wird und die Bauern warten darauf, dass es mehr verarbeitende Anlagen gibt."

Der deutsche Hanf wird überwiegend zur Herstellung von Dämmstoffen in der Bauindustrie und als Verstärkung von Verbundwerkstoffen in der Autoindustrie verwendet, zum Beispiel bei Türinnen- oder Kofferraumverkleidungen. Der Verarbeitung zu Textilien in Deutschland stehen vor allem finanzielle und technische Hindernisse im Weg. Robert Hertel von der Hempage AG:

"Das Problem ist die zur Verfügung stehende Technik. Die Verarbeitung von Hanf zu Textil ist heutzutage noch mit sehr viel Handarbeit verbunden, weil wir keine moderne Maschinen haben..., um eine moderne Produktion aufzubauen. Auch mit den vorhandenen Sorten könnten wir die Qualitätsstufen, die wir derzeit in China erreichen hier in Europa derzeit nicht erreichen."

Schade eigentlich, denn dann wären mehr Hanftextilien im Handel und sie wären erschwinglicher. Gisela Zimmermann verkauft Hanfkleidung in Nürnberg:

"Ich hab die Hanfkleidungsstücke seit zwei Jahren im Sortiment und es sind alle begeistert. Also von den Eigenschaften: Im Sommer schwitzt man nicht so stark drin. Der Schweiß riecht nicht, das ist ganz erstaunlich. Es trägt sich einfach angenehm. Die Schnitte sind moderner geworden. Es ist nicht mehr so typisch Öko-Kleidung, sondern ich denke es ist einfach ein schönes Material, das sich gut trägt und auch gut aussieht."

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