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HaushaltsüberschussGriechenland verteilt Weihnachtsgeld an Bedürftige

Die griechische Regierung will den Einkommensschwachen helfen und hat ein Sozialpaket im Umfang von 1,4 Milliarden Euro geschnürt - der diesjährige Haushaltsüberschuss. Das Geld soll an Geringverdiener, Arbeitslose und Rentner gehen. Doch wieviel kann eine Einmalzahlung bewirken?

Von Rodothea Seralidou | 05.12.2017

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Es ist das zweite Jahr in Folge, in dem der griechische Premier zum Jahresende Geld verteilt: Letztes Jahr gingen über 600 Millionen Euro an 1,6 Millionen Kleinrentner. (imago/ZUMA Press)
Vor einer Bankfiliale in Athen. Der 85-jährige Kiriakos wartet ungeduldig in der Schlange, die sich vor dem Geldautomaten gebildet hat. Seinen Nachnamen möchte der alte Mann nicht nennen. Ob er zu den Rentnern gehört, denen eine Nachzahlung zusteht, weiß Kiriakos noch nicht. Als er an die Reihe kommt, schlägt die Stunde der Wahrheit! Er lächelt: "Hundert Euro mehr sind drauf! Das ist nicht viel, aber immerhin. Ich habe Ausgaben, möchte damit Heizöl kaufen für mich und meine Familie. Meine Enkelkinder wohnen eine Etage über mir!"
Überschuss durch hohe Steuern und offene Rechnungen
Es ist das zweite Jahr in Folge, in dem der griechische Premier zum Jahresende Geld verteilt: Letztes Jahr gingen über 600 Millionen Euro an 1,6 Millionen Kleinrentner. Damals hagelte es Kritik, da Tsipras die Entscheidung, Geld auszuteilen, im Alleingang getroffen hatte. Diesmal soll das 1,4 Milliarden schwere Sozialpaket laut griechischer Regierung im Einvernehmen mit den Institutionen verabschiedet worden sein.
Der Überschuss, der jetzt verteilt wird, sei allerdings keine Leistung, auf die die Regierung stolz sein sollte, betont Nikos Vettas, Wirtschaftsprofessor an der Universität Athen und Leiter des griechischen Instituts für Wirtschaftsstudien: "Dass der Überschuss hoch ist, liegt an zwei Faktoren, und keiner der zwei ist positiv. Der eine ist die zu hohe Steuerlast, die auf den griechischen Haushalten lastet, und der zweite Faktor ist, dass der Staat viele seiner Ausgaben, die anstehen, zurückhält. Zum Beispiel warten viele, die eine Rente beantragt haben, sehr lange auf deren Genehmigung. Und der Staat hat offene Rechnungen von seinen Lieferanten."
Wachstumsrate ist kleiner als erwartet
Aussagekräftiger als ein Überschuss, der auch noch unter solchen Voraussetzungen erzielt worden sei, sei die Wachstumsrate der griechischen Wirtschaft, und die ließe noch zu wünschen übrig, so der Wirtschaftsexperte: "Wir haben rund 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum erzielt, niedriger als erwartet. Das kann uns nicht zufrieden stellen. Denn das griechische Bruttoinlandsprodukt war in den letzten Jahren so stark geschrumpft, dass es nicht schwer ist, ein kleines Wachstum zu erzielen. Es ist viel schwieriger, es langfristig zu halten. Außerdem sprechen viele Faktoren dafür, dass das Wachstum größer hätte sein müssen: Den europäischen Ländern geht es gut, es kommen mehr Touristen, kaufen griechische Produkte. Und in der Opposition sitzen Parteien, die das Sparprogramm weiterführen werden, also ist das politische Risiko, das Investoren auf sich nehmen, minimal."
Die Einmalzahlung kann nicht viel bewirken
Und trotzdem blieben große Investitionen aus oder würden immer noch durch bürokratische Hürden verhindert, hebt Vettas hervor. Eine wirkliche Verbesserung der Lebenssituation der Griechen werde jedenfalls durch das einmalige Weihnachtsgeld nicht erreicht.
Das sieht auch der 85-jährige Kiriakos so, der diesen Monat hundert Euro mehr zum Ausgeben hat: "Ich habe fünfundvierzig Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt und kam früher im Jahr auf eine Rente in Höhe von 18.000 Euro. Mittlerweile bekomme ich nur noch 9.500 Euro, das ist fast die Hälfte. Ich werde mich jetzt - mit den 100 Euro mehr - einen Tag lang freuen, aber wenn ich jeden Monat mehr Geld auf dem Konto hätte, das würde wirklich etwas ändern!"
Wie viel Geld den Bürgern vom Weihnachtspott zusteht, hängt vom Einkommen ab. Die höchste Summe, das sind neunhundert Euro, bekommen Familien mit einem Jahreseinkommen von weniger als 6.000 Euro. Singlehaushalte hingegen, die mehr als 9.000 Euro im Jahr verdienen und Familien, die über mehr als 18.000 Euro im Jahr verfügen, gehen leer aus.