Kommentar zum Hohen Venn
Ein Moorbrand als Weckruf

Der Brand im Hohen Venn ist eine menschengemachte Tragödie. Trockene Moore sind tickende Zeitbomben, weil es immer mehr Extremtrockenphasen gibt. Man muss sie wieder vernässen: Das verringert die Brandgefahr und ist gut für den Klimaschutz.

Überlegungen von Ann-Kathrin Büüsker |
Blick auf verbrannte Baumstämme und verbrannten Waldboden. Weite Teile des Hohen Venn in Grenznähe zu Deutschland sind den Flammen zum Opfer gefallen.
Ökologische Tragödie in Belgien: Weite Teile des Hohen Venn in Grenznähe zu Deutschland sind den Flammen zum Opfer gefallen. (picture alliance / dpa / Christoph Reichwein)
Der gewaltige Brand im Hohen Venn ist eine ökologische Katastrophe – aber eine menschengemachte. Die Ursachen liegen in mangelndem Klimaschutz, in falscher Landnutzung und ziemlich sicher auch menschlicher Brandstiftung.
Der Brand ist kein klassischer Waldbrand, sondern vor allem ein Moorbrand, das macht ihn so verheerend und so schlecht zu löschen. Das Hohe Venn ist Europas größtes Hochmoor.
Einst sammelte sich hier das Wasser der Regenfälle auf dem undurchlässigen Grund, ließ Torfmoose wachsen, die im Laufe der Jahrhunderte eine dicke Schicht auftürmten. Super Brennmaterial, dachten sich unsere Vorfahren, als in Europa das Holz knapp wurde, legten das Moor mit Entwässerungsgräben trocken und fingen an, den Torf als Brennmaterial abzubauen.
Diese Art der Landnutzung wurde zum Ausgangspunkt für viele heutige Probleme, auch weil die Entwässerungsinfrastruktur der vergangene Jahrhunderte auch heute noch teils tadellos funktioniert. Und ein trockengelegtes Moor zersetzt sich und gibt enorme Mengen CO2 frei – ein Problem fürs Klima.

Das Inferno nimmt schnell seinen Lauf

Wie schon unsere Vorfahren wussten: Trockener Torf brennt richtig gut. Wenn jetzt also im Zuge der Erderwärmung immer öfter lange Extremtrockenphasen drohen, werden trockene Moore zu einer tickenden Zeitbombe. Dann braucht es nur eine Zigarettenkippe oder die Reste von Grillkohle – und das Inferno nimmt seinen Lauf.
Das Feuer breitet sich innerhalb des trockenen Torfkörpers aus, schmort unterirdisch, das macht es schwer zu löschen, das zeigte sich auch 2018 beim verheerenden Moorbrand auf einem Bundeswehrgelände im Emsland. Und es werden gewaltige Mengen CO2 freigesetzt, die die Atmosphäre weiter belasten und die Erderwärmung zusätzlich anheizen.
Unsere Vorfahren hatten gute Gründe, den Torf zu nutzen, brauchten Feuer, um sich daran zu wärmen und ihre Speisen zu kochen. All das geht mittlerweile mit erneuerbar erzeugtem Strom, es braucht keinen Verbrennungsvorgang mehr. Zeit also, die Landnutzungsfehler der Vergangenheit aufzuarbeiten und Moore wieder zu vernässen.

Die Natur als Verbündeten gewinnen

Erste Ansätze dazu gibt es im Venn und andernorts, davon braucht es mehr. Nicht nur, um die Gefahr verheerender Brände einzudämmen, sondern auch, um CO2 zu binden. Und Wasser zu speichern – denn so ein Torfkörper funktioniert wie ein Schwamm, saugt sich mit Regenwasser voll und kann so auch nach wochenlanger Trockenheit noch eine Quelle speisen.
Die Natur ist erstaunlich resilient, wenn man ihre ökologischen Funktionen erhält, genau das kann sie in der sich zuspitzenden Klimakrise zu einem Verbündeten machen. Das jetzt brennende Venn ist eine Tragödie – und sollte ein Weckruf sein.