Waldbrände in Europa
Früherkennung allein reicht nicht aus

Neue Technik erkennt Waldbrände immer früher, zugleich verstärkt Europa die Brandbekämpfung. Trotzdem wächst das Risiko durch Hitze, Trockenheit und leicht entzündliche Landschaften. Was bei der Prävention noch fehlt.

    Zwei Personen blicken auf einen brennenden bewaldeten Berghang. Zwischen grünen Bäumen schlagen an mehreren Stellen hohe orangefarbene Flammen empor. Dichte graue Rauchschwaden ziehen über den Hang, mehrere Stromleitungen verlaufen durch das Bild.
    Ein Waldbrand breitet sich im Juli 2026 bei Ribas de Sil in Nordspanien aus: Hitze, Trockenheit und Wind können dafür sorgen, dass ein Funke schnell große Flächen erfasst (imago / Europa Press / Rosa Veiga)
    Südlich von Paris kämpften Einsatzkräfte im Juli 2026 gegen einen großen Waldbrand. Die Gegend galt bisher nicht als besonders brandgefährdet. Nordöstlich von Madrid zerstörte einer der größten Waldbrände der jüngeren Geschichte Spaniens rund 32.000 Hektar. 
    Insgesamt ist in der EU in diesem Jahr deutlich mehr Fläche verbrannt als im Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre – und die Waldbrandsaison ist erst zur Hälfte vorbei. Dabei hat sich die EU vorbereitet. In diesem Sommer stationiert sie rund 800 Feuerwehrleute in besonders gefährdeten Regionen. Feuer werden zudem immer früher entdeckt. Trotzdem wächst das Risiko.

    Inhalt

    Satelliten und KI-Kameras finden Waldbrände in Sekunden

    Wenn Menschen eine Rauchsäule sehen, ist ein Feuer häufig schon viel zu groß. Satellitendaten können helfen, Brände früher zu entdecken. Die US-Raumfahrtbehörde NASA und der EU-Klimadienst Copernicus stellen Satellitenbilder kostenlos zur Verfügung. Ihre Auflösung ist relativ gering und dichte Wolken können die Erkennung erschweren.
    Das Münchner Unternehmen OroraTech baut derzeit ein Netz aus Kleinsatelliten auf, die die Wärmestrahlung von Feuern erfassen. Eine künstliche Intelligenz wertet die Daten aus und liefert Infos über den Brandort und den möglichen Brandverlauf. Dabei fließen Winddaten ein.
    Die Satelliten können Brände auf 100 Meter genau orten. Bisher liefern sie nur einige Male am Tag ein neues Lagebild für eine Region. Langfristig sollen rund 100 Sensoren jeden Punkt der Erde mindestens alle 30 Minuten überprüfen.
    Die Daten werden bereits in 25 Ländern genutzt, darunter Griechenland. Dort werden zusätzlich von mehr als 100 Drohnenbasen aus besonders gefährdete Regionen überwacht. Außerdem beobachten vier Satelliten im All besonders trockene Gebiete.
    Früherkennung kann die Reaktionszeit verkürzen und helfen, einen Brand einzudämmen, solange er noch klein ist. An Hitze, Trockenheit, starkem Wind und ausgetrockneter Vegetation ändert sie aber nichts.

    Klimawandel: Das Waldbrandrisiko wächst

    Die Waldbrandgefahr steigt weltweit. Einer in der Fachzeitschrift “Science Advances” veröffentlichten Studie zufolge hat sich die Zahl der Tage mit hohem Waldbrandrisiko in den vergangenen Jahrzehnten nahezu verdreifacht. Mehr als die Hälfte dieses Anstiegs führen die Forschenden auf den menschengemachten Klimawandel zurück. Immer häufiger können mehrere Regionen gleichzeitig betroffen sein.
    Europa ist der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt. Es wird heißer und trockener, die Vegetation trocknet stärker aus. Unter solchen Bedingungen kann bereits ein Funke ausreichen, damit sich ein Feuer schnell ausbreitet. Starker Wind treibt die Flammen zusätzlich an.
    Gerade in diesem Sommer kommen in Teilen Europas mehrere besonders ungünstige Faktoren zusammen. In Spanien ließen ein ungewöhnlich regenreicher Winter und ein feuchtes Frühjahr zunächst Gräser, Sträucher und Unterholz stark wachsen. Nach mehreren Hitzewellen und Wochen ohne Regen ist die zusätzliche Vegetation inzwischen weitgehend ausgetrocknet und wirkt nun wie Zunder.
    Seit Jahresbeginn sind in Spanien nach Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) bereits mehr als 115.000 Hektar verbrannt. Das ist mehr als doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
    Auch Frankreich erlebt eine außergewöhnlich schwere Waldbrandsaison. Anhaltende Trockenheit und bereits drei Hitzewellen haben die Vegetation ausgedörrt. Seit Jahresbeginn wurden dort mehr als 40.000 Hektar Naturfläche durch Brände zerstört. In Frankreich brennt es zunehmend auch in nördlicheren und westlicheren Regionen, die früher weniger stark gefährdet waren.

    Prävention beginnt vor dem ersten Funken

    Europa verstärkt die Waldbrandbekämpfung mit mehr Personal, Löschflugzeugen, Hubschraubern und neuer Technik. Das kann helfen, Brände möglichst früh einzudämmen.
    Doch etwa in Spanien kritisieren Experten, Umweltverbände, Forstfachleute und auch Teile der Politik, dass der Schwerpunkt zu stark auf der Brandbekämpfung liege und zu wenig in Prävention und Waldmanagement investiert werde. Zur Prävention gehören, das Unterholz zu durchforsten, trockenes Gestrüpp zu entfernen und langfristig besonders brandgefährdete Wälder umzubauen.
    In Frankreich werden etwa Privatleute dazu angehalten, trockenes Gestrüpp auf ihren Grundstücken zu entfernen, Dadurch sollen sich Brände weniger schnell ausbreiten.
    Besonders wichtig ist das Verhalten der Menschen. Nach Angaben des Europäischen Zivilschutzes gehen mehr als 95 Prozent der Waldbrände auf menschliches Verhalten zurück. Auslöser können etwa Lagerfeuer, weggeworfene Zigaretten oder nicht vollständig gelöschte Glut sein.
    Auch Brandstiftung kommt sehr häufig vor. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft in Madrid wurden in Spanien zwischen 2021 und 2025 insgesamt 478 Urteile gegen Verantwortliche von Waldbränden gesprochen. Allein in Griechenland wurden dieses Jahr schon 300 Menschen festgenommen.

    Onlinetext: Elena Matera