Feuer in Deutschland
Warum die Waldbrandgefahr steigt

Deutschland war bisher kein klassisches Waldbrandland. Doch Klimawandel, leicht brennbare Kiefernwälder und alte Munition im Boden erhöhen das Risiko. Fachleute fordern deshalb mehr Waldumbau und eine Waldbrandstrategie.

    Ein Hubschrauber fliegt über einem bewaldeten Gebiet und lässt aus einem Behälter eine große Menge Löschwasser fallen. Dichter grauer Rauch liegt über den Baumkronen und verdeckt weite Teile des Himmels.
    Alte Munition erschwerte die Löscharbeiten: Ein Hubschrauber der Bundeswehr wirft Löschwasser über dem Waldbrand im Müritz-Nationalpark ab (picture alliance / dpa / Jens Büttner)
    Die länger anhaltende Hitze und Trockenheit schaffen in Deutschland Bedingungen, unter denen aus einem Funken ein schwer kontrollierbares Feuer werden kann. Im Müritz-Nationalpark brannten im Juli 400 Hektar Wald. Im benachbarten Brandenburg hatte es schon Ende April und Anfang Mai einen größeren Waldbrand gegeben.
    Wie gefährlich ein Brand wird, hängt auch von der Art und dem Zustand der Wälder und von der Munition im Boden ab.  

    Inhalt

    Klimawandel und DWD-Daten: Warum die Waldbrandgefahr wächst

    Weltweit hat sich die Zahl der Tage mit hohem Waldbrandrisiko fast verdreifacht. Auch in Deutschland zeigt sich der Trend: Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hat sich die Zahl der Tage mit hoher Waldbrandgefahr von durchschnittlich sechs pro Jahr zwischen 1961 und 1990 auf 11,3 Tage zwischen 1991 und 2020 nahezu verdoppelt.
    In längeren und häufigeren Hitze- und Trockenphasen, die durch den menschengemachten Klimawandel wahrscheinlicher werden, trocknet die Vegetation aus. Treffen trockenes Brennmaterial, Feuerwetter und eine Zündquelle zusammen, kann sich ein Brand schnell ausbreiten.
    Starker Wind treibt die Flammen zusätzlich an und trägt Funken weiter. So entstehen in Deutschland häufiger gefährliche Bedingungen, obwohl das Land historisch nicht zu den klassischen Waldbrandregionen zählt.
    „Über 90 Prozent aller Brände sind menschengemacht“, sagt der Feuerökologe Alexander Held. Entweder durch Unachtsamkeit oder Brandstiftung.

    Monokulturen und Trockenheit: Warum Kiefernwälder leicht brennen

    Waldbrände gibt es laut der Forstwissenschaftlerin Tanja Sanders inzwischen in allen Bundesländern. In Brandenburg wird die höchste Zahl an Bränden verzeichnet, gefolgt von Niedersachsen.
    Besonders anfällig sind reine, lichte Kiefernbestände, wie sie auf den sandigen Böden Brandenburgs verbreitet sind. Unter den lichten Kiefernkronen wächst oft viel Gras und Kraut, das bei Trockenheit leicht brennt. Auch die Kiefernnadeln am Boden entzünden sich schnell. „Brände entstehen immer am Boden und immer in leichtem Brennmaterial“, sagt Feuerökologe Alexander Held.
    Auch durch Trockenheit und Borkenkäfer vorgeschädigte Fichtenbestände können schnell austrocknen und leichter brennen. Schwierige Brände traten in den vergangenen Jahren etwa im Harz und im Alpenvorland auf.

    Gefahr im Waldboden: Wie alte Munition Löscharbeiten blockiert

    „Deutschlands Problem mit Großbränden ist zu einem erheblichen Teil kein Waldproblem, sondern ein Altlastenproblem”, sagt Lindon Pronto, Berater für Feuermanagement. Besonders in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern erschwert alte Munition auf ehemaligen Militärflächen die Löscharbeiten.
    Allein in Brandenburg gelten rund 575.000 Hektar als munitionsverdächtig, darunter etwa 300.000 Hektar Wald. Nach Angaben des Thünen-Instituts lagen die zehn größten Waldbrände des Landes seit 2002 auf solchen Flächen.
    Die Munition kann sich bei großer Hitze selbst entzünden oder während eines Feuers explodieren. Einsatzkräfte müssen daher 500 bis 1000 Meter Abstand halten. Dadurch können sie das Feuer oft nicht direkt bekämpfen, sodass es sich weiter ausbreitet.
    Obwohl die munitionsbelasteten Flächen bekannt und kartiert seien und es dort teilweise mehrfach brenne, fehlt es laut Brandexperte Pronto an klaren Verfahren und abgestimmten Zuständigkeiten. Auch beim Brand im Müritz-Nationalpark im Juli 2026 durften Ranger belastete Flächen deshalb noch zwei Wochen lang nicht betreten. Drohnen und Infrarotaufnahmen überwachten die Fläche weiterhin auf Glutnester.

    Prävention und Waldumbau: Was gegen die Waldbrandgefahr hilft

    Der Feuerökologe Alexander Held spricht sich für eine nationale Feuermanagementstrategie aus, die nicht erst bei der Brandbekämpfung ansetzt. Sie müsste auch Risikoanalyse, Prävention, Einsatzvorbereitung, Nachsorge und die Wiederherstellung verbrannter Flächen umfassen. Das Ziel könne nicht sein, jedes Feuer zu verhindern. Entscheidend sei, auftretende Brände kontrollierbar zu halten, damit sie nicht zu Katastrophen werden.
    Ein weiterer Baustein ist die Früherkennung. So gibt es bereits erste Fire-Watch-Zentralen in Nordrhein-Westfalen oder Brandenburg, die mithilfe KI-gestützter Kameras Waldflächen überwachen. Die Technik kann Rauch früh erkennen, ersetzt aber keine gut ausgebildeten und ausgerüsteten Feuerwehren.
    Feuerwehren brauchen laut der Waldökologin Tanja Sanders eine spezielle Ausbildung und passende Schutzausrüstung für Wald- und Vegetationsbrände. Außerdem sollten Feuerwehren, Forstwirtschaft und Wissenschaft enger zusammenarbeiten. Eine bessere öffentliche Aufklärung sei ebenfalls nötig und eine konsequentere Bestrafung von Brandstiftung.
    Auch Waldumbau ist zentral, um das Waldbrandrisiko zu senken. Der Forstwissenschaftler Jürgen Bauhus erklärt, reine Nadelwälder sollten nach und nach zu Misch- und Laubwäldern umgebaut werden. Für munitionsbelastete Flächen schlägt Feuermanagement-Berater Lindon Pronto ferngesteuerte Maschinen vor. Sie könnten Schneisen und sichere Kontrolllinien anlegen, ohne Einsatzkräfte in den Gefahrenbereich zu schicken.
    Die Forstwissenschaftlerin Sanders fordert zudem mehr Geld für die Räumung alter Munition. Langfristig gehört auch Klimaschutz zur Waldbrandvorsorge. Denn je stärker sich die Erde erwärmt, desto wahrscheinlicher werden Hitze und anhaltende Trockenheit, und damit Bedingungen, unter denen sich Brände leichter ausbreiten.

    Onlinetext: Elena Matera