Waldbrände
Brandrauch – die unterschätzte Gefahr

Waldbrände verheeren nicht nur ganze Landstriche, sondern sind wegen der Rauchentwicklung auch eine besondere Gefahr für Kinder, Ältere und Vorerkrankte. Warum der Rauch so ungesund ist und was man tun kann, um sich zu schützen. 

    Luftaufnahmen zeigen die Brände des Waldes am Gardasee.
    Waldbrände sehen spektakulär aus, haben aber teils verheerende Folgen. (picture alliance / dpa / Jason Tschepljakow)
    Spanien, Frankreich, Griechenland: In Südeuropa brennt der Wald, immer wieder brechen neue Großfeuer aus, Menschen müssen fliehen und ihr Hab und Gut zurücklassen. Jahrzehntelang hatten die Europäer das Waldbrandrisiko weitgehend unter Kontrolle – nun lodern Megafeuer, die sich nur noch schwer kontrollieren lassen.
    Der Klimaforscher Raúl Cordero benennt den Klimawandel als Grund – dessen Auswirkungen hätten offenbar nun einen Kipppunkt erreicht. Seit rund acht Jahren nähmen Zahl und Ausmaß der Brände in Europa zu: „Es scheint, als würde Europa, oder zumindest Südeuropa, in eine neue Ära katastrophaler Brände eintreten.“

    Inhalt

     Wo in Deutschland der Wald brennt

    Auch in Deutschland brennt der Wald regelmäßig in der Sommersaison, zuletzt bei Rodenbach in Südhessen, bei Hannoversch Münden in Südniedersachsen, bei Olsberg in Nordrhein-Westfalen, bei Volkach in Nordbayern und bei Hilgert in Rheinland-Pfalz. Allein in Hessen gab es in diesem Jahr nach Angaben des dortigen Forstministeriums bereits hundert Brände. Sie betrafen eine Fläche von rund 165.000 Quadratmetern – das sind etwa 23 Fußballfelder.

    Hunderttausende Tote durch Waldbrände und Rauch

    Das Feuer verheert die Landschaft, hinterlässt dystopisch anmutende Flächen und gefährdet durch den sich entwickelnden Rauch auch die Gesundheit der Menschen. Nach Schätzungen stürben in den nächsten Jahren weltweit hunderttausende Menschen an den Folgen von Hitze und Waldbrandrauch, sagt Thomas Münzel, Seniorprofessor für Kardiologie, Umwelt- und Präventionsmedizin an der Universität Mainz.

    Der Rauch greift Lunge, Herz und Kreislauf an

    Durch den Rauch sei nicht nur die Lunge gefährdet, es gehe vor allem um das Herz-Kreislauf-System, betont der Kardiologe. Im Waldrauch befänden sich vor allem Feinstaubpartikel mit einer Größe von rund 2,5 Mikrometern. Diese machten mehr als 90 Prozent des Rauchs aus. Hinzu kämen Ultrafeinstaub, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Kohlenmonoxid, Stickoxide und Schwefeldioxid. Doch der Feinstaub sei mit Abstand am gefährlichsten.
    Nach Münzel kann der Ultrafeinstaub direkt über den Riechnerv ins Gehirn eindringen und Prozesse auslösen, die zu hohem Blutdruck führen. Die größeren Partikel gelangten hingegen primär in die Lunge und könnten von dort in den Blutstrom überwandern. Damit würden sie im ganzen Körper verteilt und könnten die Gefäße entzünden. „Entzündung der Gefäße bedeutet mehr Gefäßverkalkung, mehr Herzinfarkt, mehr Schlaganfall“, sagt Münzel. „Das sind die Folgen, die man im Endeffekt diesen Feinstaubpartikeln zuschreibt.“

    Umweltbundesamt: Hinweise auf Frühgeburten

    Auch das Umweltbundesamt warnt: Die hohe Luftverschmutzung durch Waldbrände sei teilweise noch in größerer räumlicher Entfernung zum Brandherd messbar. Verschiedene Studien deuteten auf Zusammenhänge zwischen Atemwegsreizungen, verminderter Lungenfunktion, der Verschlechterung bestehender Krankheiten wie Asthma oder auch vermehrten Herzinfarkten in Waldbrandgebieten hin. Zudem gebe es Hinweise, dass Waldbrände besonders in den letzten Monaten der Schwangerschaft negative Auswirkungen auf Neugeborene haben könnten. Dazu gehörten ein geringes Geburtsgewicht und Frühgeburten.

    Gefahr für Kinder, Schwangere, Ältere und Vorerkrankte

    Hitze und Rauch könnten sich bei Waldbränden in ihrer gesundheitsschädlichen Wirkung gegenseitig drastisch verstärken, betont Münzel. Am meisten gefährdet seien die sogenannten vulnerablen (verletzlichen) Patientengruppen: Kinder, Schwangere, Menschen über 65 Jahre und solche mit Vorerkrankungen, wie zum Beispiel Bronchitis oder Lungenkrebs.
    Auch Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien besonders empfindlich gegenüber Feinstaub, betont Münzel, „hier besonders Patienten mit Herzschwäche“. Neuere Zahlen zeigten, dass die Sterblichkeit aufgrund von Herzschwäche bei einer Exposition gegenüber Feinstaub drastisch zunehme und dass sich dieser Effekt noch einmal steigere, wenn es sich um Waldbrandrauch handele.

    Wie man sich vor Feinstaub schützen kann

    Münzel fordert deswegen, die verletzlichen Gruppen besonders zu schützen. Bei Waldbränden sollten sich diese nicht draußen aufhalten und vor allem keinen Sport im Freien machen. Wie die US-amerikanische Umweltbehörde EPA empfiehlt auch der Mediziner Luftreiniger mit Filtern, die sich im Haus einsetzen lassen. Lässt sich ein Aufenthalt im Freien während eines Waldbrands nicht vermeiden, kann eine FFP2-Maske gegen den Feinstaub helfen.

    Onlinetext: Asmus Heß / Quellen: Deutschlandfunk, Agenturen