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StartseiteKultur heuteHollywoods freiwillige Zensur23.01.2013

Hollywoods freiwillige Zensur

Bei Kino-Coproduktionen mit China werden Kompromisse gemacht

Der chinesische Kinomarkt ist gigantisch, für internationale Produktionsfirmen aber nur schwer zugänglich. Deshalb gehen ausländische Studios immer häufiger Kooperationen mit chinesischen Partnern ein. Das aber bedeutet: Chinas Zensoren reden mit.

Von Silke Ballweg

Der kanadische Filmregisseur James Cameron (l.) bei einer Feier der Cameron-Pace Group (CPG) im Chinesischen Nationalmuseum in Peking (picture alliance / dpa / Wei Ni Bj / Imaginechina)
Der kanadische Filmregisseur James Cameron (l.) bei einer Feier der Cameron-Pace Group (CPG) im Chinesischen Nationalmuseum in Peking (picture alliance / dpa / Wei Ni Bj / Imaginechina)

Mit etwas Verzögerung, gut zwei Monate nach seinem internationalen Start, ist der neue James-Bond-Film jetzt auch in den chinesischen Kinos angelaufen.

Die Macher von Skyfall haben Glück, dass sie ihren Film im Reich der Mitte zeigen können. Denn um die heimische Filmindustrie zu fördern, ist Chinas Kinomarkt stark abgeschottet. Nur 20 ausländische Filme dürfen pro Jahr gezeigt werden. Hinzu kommen 14 3D-Streifen. Die Konkurrenz ist unerbittlich, ausgewählt wird nur, was den Funktionären gefällt.

Undenkbar etwa, dass ein Film wie "Gandhi" in China gezeigt werden dürfte, denn er macht den Kampf Mahatma Gandhis gegen die Herrschaft der Briten in Indien zum Thema. Oder "Sieben Jahre in Tibet" mit Brad Pitt in der Hauptrolle, in dem das Leben des Dalai Lama in Lhasa dargestellt wird, bevor er 1959 vor den Chinesen ins Exil fliehen musste. Filme in China werden scharf überwacht. Regisseur Donald Li etwa muss jedes seiner Projekte den Funktionären vorlegen.

"Wenn man einen Film machen will, muss man das Drehbuch einreichen, die Behörde kontrolliert dann, ob das Thema heikel ist und ob es unliebsame Passagen gibt. Wenn sie mit dem Drehbuch einverstanden sind, geben sie dir eine Erlaubnis, den Film zu drehen. Aber später, wenn der Film gedreht ist, muss man ihn wieder vorlegen. Sie schauen sich dann den ganzen Film an, und manchmal sagen sie hinterher, die und die Szene geht nicht, die muss rausgenommen werden."

Damit auch ihre Filme in China gezeigt werden, arbeiten immer mehr ausländische Studios mit chinesischen Partnern zusammen. Denn die Koproduktionen sind von der Beschränkung auf 20 internationale Filme ausgenommen. Hollywood-Riese Walt Disney wird etwa "Iron Man 3" mit chinesischen Partnern produzieren, Dream Works realisiert den nächsten "Kung Fu Panda"-Film ebenfalls in Zusammenarbeit. Die Filme aus dem Ausland kommen bei Chinesen gut an. Obwohl sie rund 500 heimischen Produktionen gegenüberstehen, machen sie fast die Hälfte des Jahresumsatzes aus. Und so hat auch "Avatar"-Regisseur James Cameron vor ein paar Monaten einen Kooperationsvertrag mit chinesischen Partnern unterzeichnet: Um seinen neuen Partnern zu gefallen, gab sich Cameron in Peking fast schon anbiedernd.

"Wir sind nicht hier, um eigene Filme zu machen. Wir sind hier, um mit chinesischen Filmemachern und Fernsehproduzenten zusammenzuarbeiten. Wir wollen unsere 3D-Technik nach China bringen und den wunderbaren, hochbegabten Talenten hier in China helfen, ihre Träume zu verwirklichen."

Für die Volksrepublik haben die internationalen Kooperationen große Vorteile. Zum einen können chinesische Filmemacher von ihren Kollegen etwa aus Hollywood lernen. Gleichzeitig kann China von Anfang an Einfluss auf die Drehbücher ausüben und sein Image polieren. Immer mehr Filmemacher aus dem Ausland versichern ihren chinesischen Partnern, die Inhalte mit ihnen abzusprechen. James Cameron:

"Wir werden den chinesischen Filmemachern nicht sagen, was sie zu tun haben. Das wissen sie selbst, und wir respektieren ihre Kreativität. Wir werden ihnen lediglich die Werkzeuge an die Hand geben, damit sie den Übergang von 2D zu 3D schaffen können."

Kino-Experten sehen diese Entwicklung als Fluch und Segen zugleich. Sie fürchten, dass die ausländischen Studios sich künftig immer häufiger selbst zensieren werden. Gerade erst kam ein Beispiel dafür in die deutschen Kinos: "Red Dawn", das Remake eines 30 Jahre alten Kriegsfilms. Um überhaupt Chancen zu haben, auch in China gezeigt zu werden, hat das Studio MGM das Drehbuch angepasst. Im ursprünglichen Film war eine Armee von Chinesen über eine US-amerikanische Kleinstadt hergefallen. In der Neuverfilmung sind die Schurken Nordkoreaner. Westliche Produktionsfirmen lassen sich aus kommerziellem Interesse auf die Befindlichkeiten in Peking ein. Denn schon heute ist China der zweitgrößte Filmmarkt der Welt. Und der Kinoboom hält an.

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