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StartseiteSternzeitDer Ei-Nebel für neues Leben12.04.2020

Hübsches Objekt im SchwanDer Ei-Nebel für neues Leben

Im Sternbild Schwan, mitten in der Milchstraße, versteckt sich der Ei-Nebel: ein bizarres Gebilde aus einer dunklen Staubscheibe, hellen Strahlen und sich ringförmig ausdehnenden Gasschichten. Im Innern befindet sich ein aufgeblähter Roter Ríesenstern.

Von Dirk Lorenzen

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Der geheimnisvolle Ei-Nebel, aufgenommen vom Hubble-Weltraumteleskop  (NASA / ESA)
Der geheimnisvolle Ei-Nebel, aufgenommen vom Hubble-Weltraumteleskop (NASA / ESA)

Dieser Riesenstern pustet immer wieder Teile seiner äußeren Schichten in den umgebenden Weltraum. Der Stern selbst ist nicht zu sehen, weil er im Innern der dunklen Staubscheibe steckt. Sein Licht entweicht nach oben und unten aus der Scheibe und beleuchtet so die Gasmassen.

Der Ei-Nebel hat einen Durchmesser von einem halben Lichtjahr und ist rund 300 Lichtjahre von uns entfernt. Dort strömt das Gas mit etwa 70.000 Kilometern pro Stunde in den Weltraum – für die Strecke von der Sonne zur Erde bräuchte es also knapp drei Monate.

Der Nebel mit dem himmlischen Ei versteckt sich in einem Flügel des Sternbilds Schwan, das jetzt in den frühen Morgenstunden am Osthimmel aufgeht  (Stellarium)Der Nebel mit dem himmlischen Ei versteckt sich in einem Flügel des Sternbilds Schwan, das jetzt in den frühen Morgenstunden am Osthimmel aufgeht (Stellarium)

Weil die abgestoßenen Gasschichten entfernt an Stücke einer Eierschale erinnern, hat dieser Nebel seinen Namen bekommen. Allerdings ist der Stern im Zentrum alles andere als ein Küken, das sich langsam aus dem Ei heraus pickt. Denn im Ei-Nebel beginnt kein Leben, dort endet es. So ein Nebel markiert das bevorstehende Verlöschen seines Sterns.

Wenn die äußeren Hüllen alle weg sind, hat sich ein Weißer Zwerg aus dem Ei-Nebel herausgeschält: die allmählich auskühlende Leiche eines sonnenähnlichen Sterns.

In einigen zehntausend Jahren wird sich der Nebel komplett verdünnt haben. Die Gas- und Staubmassen sind dann Rohstoff für die nächste Generation von Sternen und Planeten. Vielleicht schlüpft aus dem Material des Ei-Nebels eines fernen Tages also doch noch Leben.

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