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"Im Auftrag der Staatssicherheit Kubas"

Nach Angaben des Regisseurs Wilfried Huismann ist der kubanische Auslandsgeheimdienst für den Tod John F. Kennedys verantwortlich. In seinem Film "Rendezvous mit dem Tod", der am Freitagabend in der ARD läuft, führt er anhand von Gesprächen mit ehemaligen Offizieren der kubanischen Staatssicherheit den Beweis, dass der Mörder Kennedys, Lee Harvey Oswald, auf der Gehaltsliste der Kubaner stand.

Moderation: Hans-Joachim Wiese | 04.01.2006

Hans-Joachim Wiese: Übermorgen, am Freitag Abend sendet die ARD um 20:45 Uhr einen Film mit dem durchaus reißerischen Titel "Rendezvous mit dem Tod". Wer nun aber den x-ten belanglosen Krimi erwartet, der hat sich gewaltig getäuscht. Es handelt sich nämlich um eine seriöse Dokumentation über ein äußerst brisantes Thema, den Mord an US-Präsident John F. Kennedy am 22. November 1963 in Dallas, Texas. Einigkeit besteht darin, dass Lee Harvey Oswald Kennedy erschossen hat, aber wer war Oswald, hat er auf eigene Faust gehandelt, war er ein von der CIA oder von der Mafia gedungener Killer? Bis heute gibt es die unterschiedlichsten Theorie. Die Dokumentation übermorgen beansprucht nicht weniger, als die Fragen zu beantworten. Am Telefon ist jetzt der Autor des Films Wilfried Huismann. Herr Huismann, in wessen Auftrag erschoss Oswald Kennedy?

Wilfried Huismann: Im Auftrag der Staatssicherheit Kubas, der Auslandsabteilung G-2.

Wiese: Welche Beweise haben Sie für diese Behauptung?

Huismann: Wir haben direkte Zeugen gefunden, also ehemalige Offiziere der kubanischen Staatssicherheit, die positiv von den Kontakten zu Lee Harvey Oswald Bescheid wissen. Der wichtigste Zeuge, Oscar Marino, gehörte zur Führung der kubanischen Staatssicherheit, und er hat schon im November 1962 eine Liste gesehen, in der Hand gehabt, mit den Namen von ausländischen Mitarbeitern der kubanischen Geheimpolizei, und darunter erschien auch der Name Lee Harvey Oswald. Die wurden rekrutiert als "Kämpfer der Weltrevolution" und waren für verschiedene Aufgaben vorgesehen, politische Agitation, Infiltration von Organisationen in den USA, weil damals auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges Kuba damit rechnete, dass es bald zum Showdown mit dem US-Imperialismus kommen würde.

Wiese: Wer ist Oscar Marino, wie glaubwürdig ist er, wie haben sie ihn aufgespürt?

Huismann: Die genaue Kontaktkette zu ihm möchte ich nicht öffentlich darstellen, weil ich das nicht sozusagen auch vor den Augen der kubanischen Staatssicherheit offen legen möchte. Ich habe zwei Jahre gebraucht, um diesen Mann, der im Exil in Lateinamerika lebt, zu überzeugen, dass es richtig ist, das beruflich bedingte Schweigen zu brechen, weil diese Leute, diese Offiziere haben ja, auch wenn sie Kritik an Fidel Castro politischer Natur haben, noch einen Ehrencodex, der ihnen es eigentlich verbietet, über interne Angelegenheiten des Geheimdienstes zu sprechen. Er ist ein kranker, alter Mann, und hat sich dann doch am Ende überzeugen lassen von dem Argument, dass es eine Tragödie wäre, wenn zukünftige Generationen nicht wissen, was hinter dem Mord an John F. Kennedy stand. Natürlich wollen wir das auch wissen, wir, das heißt, in meinem Alter - ich war damals zwölf Jahre alt -, uns hat immer die Frage beunruhigt und auch schockiert, dass wir das Warum nicht verstanden haben, dass wir den Sinn nicht begriffen haben hinter dieser schrecklichen Tat. Das ist vielleicht genauso schlimm wie die Tat selbst.

Wiese: Lassen Sie uns dann dieses Warum ein wenig näher beleuchten, Herr Huismann. Wenn es stimmt, dass Oswald Kennedy im Auftrag Fidel Castros ermordet hat, warum, was für einen Grund hatte Castro?

Huismann: Castro hatte einen Mitkommandanten, mit dem er persönlich ein sehr enges Verhältnis hatte, Rolando Cubela, das ist der Mann, der zusammen mit Che Guevara 1959 die Hauptstadt Havanna eroberte während der Revolution. Dieser Cubela hat dann auf Grund politischer Meinungsverschiedenheiten - er war gegen eine Hinwendung zum Kommunismus und zur Sowjetunion - Kontakt aufgenommen mit den USA, konkret mit CIA-Leuten, aber auch mit Robert Kennedy, dem Bruder des Präsidenten, und 1963 hat Robert Kennedy diesen Herrn Cubela gebeten, einen Staatsstreich in Kuba durchzuführen, und im Laufe dieses Staatsstreichs sollte Fidel Castro ermordet werden. Das Problem ist nur, dass Cubelas Kontakte mit der CIA aufgedeckt waren durch die kubanische Staatssicherheit und dass man ihn dazu gezwungen hat, damit er nicht stirbt, nicht erschossen wird, muss er kollaborieren, und hat ab da mit der Staatssicherheit zusammengearbeitet, und Kennedy ist praktisch in eine Falle gelaufen. Von daher wusste Fidel Castro und die kubanische Staatssicherheit mit großer Gewissheit, dass die diplomatischen Gesten über eine mögliche Aussöhnung oder Annäherung, die auch von Kennedy ausgingen, nicht ernstgemeint waren, und dass es eine Entschlossenheit gab, vor allem bei den Kennedys, nicht in der ganzen Administration, Johnson wusste nichts davon, sogar einige hohe Offiziere der CIA waren dagegen, aber die Kennedys waren entschlossen, das Problem Kuba, das Problem Castro mit dem Tod Castros zu lösen.

Wiese: Das heißt mit anderen Worten, wenn die Amerikaner also in Person von John F. Kennedy geplant hatten, Castro zu ermorden, dann ist Castro denen gewissermaßen zuvorgekommen, es war eine Art Racheaktion?

Huismann: Ja, es war eine Art Duell mit tödlichem Ausgang. Es ging damals vor allen Dingen ja um die Vorherrschaft in Lateinamerika. Kennedy hatte ein sehr ehrgeiziges und radikales Reformprogramm, die Allianz für Lateinamerika aufgestellt, er war eine richtige Konkurrenz gegen Fidel Castros Konzept der kontinentalen Revolution, wonach überall durch Guerillaherde in Lateinamerika die sozialistische Revolution kommen würde. Insofern aus einer anfänglichen Sympathie, die die beiden sogar hatten, wurde im Laufe der Amtszeit Kennedys ein erbitterter Hass und ein Duell, was, sagen wir mal, mit unfeinen Methoden geführt wurde, auch illegalen Methoden, denn es ist ja kein Zufall, dass die Kennedys das auch verschwiegen haben, verschwiegen haben selbst gegenüber dem eigenen Vizepräsidenten, ganz zu schweigen von dem Kongress, und diese verdeckte Kriegsführung beinhaltete auch den politischen Mord, und insofern, sagen wir mal, ist das sehr radikale Vorgehen vor allen Dingen Robert Kennedys, der die Aktionen der CIA überwachte und leitete und sogar persönlich oft eingriff, in diesem verdeckten Krieg gegen Kuba ist dieses Handeln von Robert Kennedy mit ursächlich für den Tod seines eigenen Bruders.

Wiese: Wie erklären Sie sich, dass vor Ihnen noch niemand auf Oscar Marino gestoßen ist und dass so viele unterschiedliche Theorien über den Mord an Kennedy existieren? Glauben Sie nicht, dass die CIA, dass die amerikanischen Behörden letzten Endes genau so gut wissen, wer dahinter steckte?

Huismann: Also ich glaube, dass Präsident Johnson ziemlich genau Bescheid wusste am Tag nach dem Attentat. Er hat sich mündlich Informationen geholt von Win Scott, der damals Leiter der CIA-Station in Mexiko war, ein alter, enger Freund von ihm, und das FBI hat auch eine Ermittlungsgruppe sofort nach Mexiko geschickt, um herauszufinden, was hat der Oswald da eigentlich gemacht ein paar Wochen vor dem Attentat. Das ist doch seltsam. Man weiß nichts darüber. Es ist ein schwarzes Loch. Und es war ganz natürlich, dass man erst mal dahin blickte, ob es mögliche Kontakte zu Kuba gab, weil die Kubaner hätten ja wenigstens ein Motiv gehabt, Kennedy zu ermorden, also insofern ist das nicht ganz neu. Und Johnson hat damals sehr schnell die Überzeugung gewonnen, dass Kuba dahintersteckt und dass es Verbindungen zu Oswald gibt, und Zeugen aus seiner unmittelbaren Nähe, darunter sein alter Freund Alexander Haig oder Joseph Califano, sein Hauptberater, haben mir in die Kamera hinein bestätigt, dass Johnson davon überzeugt war, dass Kennedy Castro töten wollte und dass Castro schneller war. "Castro got him first". Und Johnson war überzeugt, wenn das bekannt wird, dann muss er eine Invasion Kubas durchführen, dann wird es möglicherweise zum Dritten Weltkrieg kommen mit dem Einsatz von Atomraketen. Und das war seine Entscheidung, die er sehr schnell treffen musste, wenn er das nicht will, muss diese Ermittlung abgewürgt werden, und das hat er gemacht, und die FBI-Ermittler, die in Mexiko schon waren, wurden nach drei Tagen zurückgerufen.