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In der Gefahrenzone

Internet.- Das Internet vergisst bekanntlich nicht. Eine Bierflasche in der Hand bei Facebook, und der potenzielle Arbeitgeber verzichtet lieber auf diesen Job-Bewerber. Informatiker suchen nun nach Möglichkeiten, Soziale Netzwerke sicherer zu machen.

Von Klaus Herbst | 13.02.2010

    Facebook, Twitter, Xing, Linkedin und viele mehr – soziale Netzwerke, Netzgemeinschaften, schaffen Kontakte und Freunde. Erfolgreich werden sie zur Jobsuche genutzt. Sie führen andererseits zu einem Verlust an Privatheit und Freiheit, kritisiert der Informatiker Professor Clemens Cap vom Institut für Informatik der Universität Rostock. Er nennt ein Beispiel. In Kalifornien habe ein Jobsuchender über seinen neuen Arbeitgeber abfällig getwittert.

    "Am nächsten Tag fange ich jetzt bei der und der Firma an. Und irgendwie, das ist jetzt halt ein ganz anderer Lebensstil und so weiter und hat sich dort etwas kritisch über seinen zukünftigen Arbeitgeber geäußert. Und dann kam also ein paar Minuten später über denselben Twitter-Kanal eine Meldung von mutmaßlich einem späteren Mitarbeiter oder Chef, er muss gar nicht mehr vorbeischauen, wenn er also diese Meinung über seine Firma hat, braucht er gar nicht erst anzufangen."

    Ein anderes Beispiel: In den USA habe jemand nach dem Thema Aids gesucht. Sein Krankenversicherungsantrag sei abgelehnt worden. Wer sich beobachtet fühle, werde sich mit gesellschaftlich unbequemen Meinungen zurückhalten.

    "Was also zeigt, dass dadurch ein geschützter sozialer Raum, in dem man sich austauscht, seine engsten Befürchtungen bei einem Wechsel im Lebensabschnitt kommuniziert, dadurch weil er eben international für potenziell einige Milliarden Menschen lesbar ist, plötzlich zu einer Plattform wird, wo man sich sehr, sehr genau überlegen muss, was man wie einbringt, mit den entsprechenden Folgen natürlich."

    Die Schere im Kopf schnappt zu, auf dass zahlreiche Interessenten durch das Netzwerk gewisse Dinge nicht erfahren. Clemens Cap:

    "Das ist der Arbeitgeber, das sind Sicherheitsbehörden, dass ist die Gesellschaft als solches, die herausfinden möchte, wer ist denn dieser Mensch, wie ist denn diese Person? In dem Moment, wo wir jetzt all diese Kommunikationsakte digital verfügbar haben, im Netz durchsuchen können, wird der Mensch dadurch zum Datensatz. Er wird zum Objekt."

    Die Sorge sei gerechtfertigt, warnt Cap. Noch sei es nicht soweit, dass es gesellschaftlich geregelt und tabuisiert sei, Personen im Netz auszuspionieren, zu sehen, wo jemand gerade im Netz ist und auf welchen Plattformen man sich bewege. Sogenannte Aggregatoren sind leistungsstarke Suchmaschinen, die automatisch und in kürzester Zeit umfassende Profile erstellen.

    "Man muss sich bewusst bleiben, die Sicht einer Person aus virtueller, aus digitaler Sicht kann von der realen Sicht auf die Person dramatisch unterschiedlich sein. Wir haben die Entwicklung im Moment nicht wirklich im Griff. Die Probleme halte ich nicht nur für technische Probleme. Wir werden natürlich auch an technischen Lösungsmöglichkeiten arbeiten. Es ist mehr eine Frage auch der Medienkompetenz. Wie gehen wir damit um?"

    Bessere Medienkompetenz und gesellschaftliche Regulierung fordert auch Doktor Sebastian Schaffert ein. Er leitet die Wissens- und Medientechnologiegruppe bei Salzburg Research, der Forschungsgesellschaft des Landes Salzburg. Nicht zuletzt seien die Betreiber der Netzgemeinschaften gefordert.

    "Zur Medienkompetenz gehört aus meiner Sicht dazu, dass man sich darüber bewusst ist, was man mit dem Medium tut, was man erreichen möchte und was man von sich preisgibt. Denn das Preisgeben von Informationen ist nicht eine Sache, die nur schlecht ist. Wenn ich meine Informationen auf Amazon zum Beispiel preisgebe, dann bekomme ich von Amazon sehr gute Vorschläge. Andererseits ist es natürlich so, dass ich ein Stück von mir hergebe. Aber das tun die meisten Menschen leider unbewusst, und Medienkompetenz würde heißen, sie müssen sich darüber bewusst werden, was sie tun und wie sie mit dem Medium umgehen was sie preisgeben und was sie dadurch erhalten. Man sollte vielleicht auch die Betreiber etwas in die Pflicht nehmen, dass sie das den Benutzern auch einfach machen zu verstehen, was mit ihren Daten passiert. Ich denke, das ist ein ganz wesentlicher Aspekt."