Dienstag, 31. Januar 2023

Innere Sicherheit
Hilfspolizisten sollen Einbrüche verhindern

Um die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland zu reduzieren, hält Bundesinnenminister Thomas de Maizière den Einsatz von sogenannten Hilfspolizisten für sinnvoll. Diese sollen in einer nur wenige Monate dauernden Ausbildung fit für den Berufsalltag gemacht werden. Kritik am Vorstoß des Ministers kommt umgehend von der Opposition und der Gewerkschaft der Polizei.

16.06.2016

    ILLUSTRATION - Ein Mann versucht am 29.10.2015 in Freiburg (Baden-Württemberg) mit einem Hammer und einem Schraubenzieher bei einem Einbruch eine Wohnungstür aufzuhebeln.
    Seit zehn Jahren steigt in Deutschland die Zahl der Wohnungseinbrüche an. (dpa / picture alliance / Patrick Seeger)
    Geht es nach dem Willen des Bundesinnenministers, dann sollen angesichts der steigenden Zahl von Wohnungseinbrüchen in Deutschland mehr Hilfspolizisten eingesetzt werden. "Als Wache in besonders belasteten Vierteln", sagte Thomas de Maizière der "Rheinischen Post". Die Einsatzkräfte, auch Wachpolizisten genannt, sollen laut Vorschlag bereits nach einer wenige Monate dauernden Ausbildung ihren Dienst antreten. De Maizières Hilfskräfte sollen weniger Befugnisse haben als Polizeibeamte.
    In Sachsen unterstützen bereits 47 Absolventen einer solchen Ausbildung die regulären Polizeikräfte. De Maizière bezeichnete das "zukunftsweisende Modell" im Freistaat als vorbildlich für andere Bundesländer. Die bewaffneten Wachpolizisten, die auch Uniform tragen, sind in Sachsen vorrangig im Objektschutz sowie bei der Personenbewachung tätig.
    Vorschlag stößt auf Kritik
    Der Vorschlag des Bundesinnenministers stößt bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) jedoch auf wenig Gegenliebe. Um Einbrüche zu verhindern, brauche es richtige Polizisten, sagte die Berliner GdP-Landesvorsitzende Kerstin Philipp. Die Ausbildung zum Schutz- und Kriminalpolizisten dauere zu Recht drei Jahre. Auch die Frage der Befugnisse und der rechtlichen und persönlichen Absicherung sei völlig ungeklärt, sagte Philipp.
    Auch die Grünen halten nichts vom Vorstoß des Ministers. "Einbruchprävention und qualifizierte Ermittlungsarbeit jetzt durch billige und unzureichend ausgebildete Wachleute in Polizeiuniform ersetzen zu wollen, ist purer Etikettenschwindel", sagte die Sprecherin für innere Sicherheit der Bundestagsfraktion der Grünen, Irene Mihalic. Es sei seit Jahren klar, dass der Inneminister beispielsweise den Informationsaustausch der Polizei in Bund und Ländern verbessern müsse, um die Einbruchskriminalität zu bekämpfen.
    Die Zahl der Wohnungseinbrüche steigt bundesweit seit zehn Jahren an. Im vorigen Jahr registrierte die Polizei bundesweit 167.136 Einbrüche, fast zehn Prozent mehr als 2014. Die Straftaten sind auch Thema auf der Innenministerkonferenz. Noch bis zum 17. Juni beraten die Innenminister der Länder im Saarland darüber, wie Wohnungen und Häuser besser vor Einbrüchen geschützt werden können.
    Kritiker an der Einbruchsstatistik geben allerdings zu bedenken, dass gemessen an der Gesamtzahl der Haushalte in Deutschland von 40 Millionen, die Wahrscheinlichkeit Opfer eines Einbruchs zu werden, unter einem Prozent liege. Panik sei daher nicht angebracht.
    (tzi/tgs)