Dienstag, 27. September 2022

Irak
Britische Kampfjets beschießen IS-Ziele

Zum ersten Mal bombardiert auch die britische Luftwaffe Ziele der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) im Irak - und vermeldet sogleich erste Erfolge. Die UNESCO schlägt angesichts der Zerstörung, die die Dschihadisten anrichten, Alarm: Der IS vollziehe im Irak eine "kulturelle Säuberung".

30.09.2014

    Ein Tornado-Kampfflugzeug der britischen Royal Air Force (RAF) fliegt am 20.03.2011 über Norfolk, Großbritannien.
    So wie die Zitadelle von Erbil, die Weltkulturerbe-Status besitzt, gibt es viele historische Stätten im Irak. (picture alliance / dpa / Jason Bye)
    Das britische Verteidigungsministerium in London hat mitgeteilt, dass zwei Tornado-Maschinen der Royal Air Force kurdische Einheiten im Nordwesten des Irak unterstützt hätten. Demnach wurden ein IS-Ziel mit schweren Waffen sowie ein Fahrzeug der Extremisten beschossen. Die Tornados seien nach dem Einsatz sicher zu ihrer Basis zurückgekehrt. Das Unterhaus in London hatte Ende vergangener Woche den Weg für Luftangriffe frei gemacht.
    Unterdessen haben Fachleute und Diplomaten berichtet, dass die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) im Irak historische Stätten zerstört. Auf einem Kolloquium der UNO-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) in Paris warnte der französische Botschafter Philippe Lalliot vor einer "kulturellen Säuberung" durch die IS-Dschihadisten im Nordirak. Laut Lalliot befindet sich das irakische Kulturerbe "in sehr großer Gefahr".
    IS-Terroristen begründen Zerstörung mit ihrer Islamauslegung
    Wie irakische Museumsdirektoren berichten, sprengten die Islamisten religiöse Statuen und Monumente in Mossul sowie assyrische Paläste. Die IS-Terroristen vertreten eine radikal-sunnitische Islamauslegung. Ihrer Auffassung nach ist die Verehrung von Monumenten wie Schreinen Götzendienst, und deren Zerstörung daher legitim. Im Juli sprengten IS-Kämpfer in Mossul den Schrein Nabi Junus, der von Muslimen und Christen als Grab des Propheten Jonah verehrt wurde.
    Die Zitadelle von Erbil, der Hauptstadt der autonomen Kurdenregion im Nordirak, gesehen durch einen Torbogen am 22.06.2014.
    Die Zitadelle von Erbil, die die Hauptstadt der Kurden im Irak dominiert, bekam im Juni 2014 Weltkulturerbe-Status. (afp / Karim Sahib)
    Der Direktor des Museums von Bagdad, Kais Raschid, berichtete von internationalen Mafia-Organisationen, "die sich für alles interessieren, was nach Kulturerbe aussieht". Von ihnen bezögen die Dschihadisten Informationen über die Kulturgüter, die sich verkaufen ließen, so der Museumsdirektor. Gestohlene assyrische Kunstwerke tauchten mitunter auch in Europa auf.
    UNESCO warnt vor Diebesgut aus dem Irak
    Die UNESCO warnte internationale Museen vor Kunstobjekten, die aus Plünderungen im Irak stammen könnten. UNESCO-Chefin Irina Bokova will sich für eine UNO-Resolution einsetzen, die jeden Handel mit Kulturgut aus dem Irak und Syrien vorsorglich verbietet.
    We call to save #Iraq’s cultural heritage. The conflict underway is also a conflict against the identity of a people http://t.co/4mV01XZSNF— UNESCO (@UNESCO) 30. September 2014
    In Syrien haben sich die IS-Kämpfer unterdessen der Stadt Ain al-Arab genähert, die von den Kurden Kobane genannt wird. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind die Dschihadisten nur noch zwei Kilometer von der Stadt entfernt. Die IS-Extremisten versuchen seit Tagen, Kobane zu erobern. Sie kontrollieren bereits zahlreiche Dörfer im Umland der Stadt.
    Einwohner von Kobane befürchten Massaker
    Einwohner von Kobane hatten im US-Sender CNN die Zahl der Luftangriffe der internationalen Koalition gegen die IS-Kämpfer in der Region als zu gering bezeichnet. Nach Angaben eines Kurden-Anführers droht den Bürgern ein Massaker. Wenn die IS-Kämpfer in die Stadt gelangen sollten, "werden sie alles zerstören und die Menschen abschlachten", sagte der Chef der syrischen Partei der Demokratischen Union (PYD), Saleh Muslim.
    Aus der Nähe der türkischen Stadt Sanliurfa ist zu sehen, wie Rauch über der nordsyrischen Stadt Kobane nach einem offensichtlichen IS-Angriff aufsteigt.
    Die Stadt Kobane im Norden Syriens wird von IS-Kämpfern angegriffen - die kurdischen Einwohner fürchten ein Massaker. (picture alliance / dpa / Sedat Suna)
    Kobane liegt im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei, fernab von den nordirakischen Orten, in der es kurdischen Einheiten inzwischen gelungen ist, IS-Kämpfer zu vertreiben. Wie die Peschmerga berichten, haben sie zwölf Dörfer zurückerobert, die meisten in der Nähe des Ortes Rabia an der Grenze zu Syrien. Dabei sollen sie laut der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw auch den Grenzort selbst eingenommen haben. Er gilt als strategisch wichtige Verbindung zwischen irakischen und syrischen Kurden, die beide gegen die Islamisten kämpfen.
    (tj/lob)