Mittwoch, 07. Dezember 2022

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Israel
Pilgerreise deutscher Bischöfe

Evangelische und katholische Bischöfe sind zu einer gemeinsamen Pilgerreise nach Jerusalem aufgebrochen. Es ist die erste gemeinsame Reise der Kirchen überhaupt.

Von Torsten Teichmann, Studio Tel Aviv | 17.10.2016

    Blick auf den Jerusalemer Tempelberg mit Felsendom und Klagemauer
    Der Felsendom auf dem Tempelberg ist das wohl bekannteste Wahrzeichen Jerusalems. (picture alliance / dpa/ Marius Becker)
    Ein seltener Gast. Pater Emmanuel von den Armeniern besucht die Erlöserkirche in der Jerusalemer Altstadt. Er sei auf dem Weg zum Gebet in der Grabeskirche und habe die Orgelmusik gehört, erzählt er dem deutschen Probst, Wolfgang Schmidt. Der Kontakt über die verschiedenen christlichen Konfessionen hinweg gehört zum Jerusalemer Alltag. Dagegen ist die gemeinsame Pilgerreise der Vertreter des Rates der evangelischen Kirchen in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz noch etwas ganz neues.
    Probst Schmidt hofft, dass ein Signal von der Reise ausgeht. "Ich glaube, dass es für uns eine stärkere Wahrnehmung unter den anderen Kirchen geben wird. Und dass wir in unserem Impuls, das Gemeinsam zu stärken, wahrgenommen werden. Dabei steht die Fahrt der deutschen Bischöfe nach Nahost zu allerest im Zusammenhang mit dem Reformationsjahr 2017. 500 Jahre ist es dann her, dass Martin Luther seined 95 Thesen veröffentlichte. Die Pilgerreise wird angeführt von Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strom.
    "Also dass man Reformation nicht mehr als etwas Trennendes begreift. Sondern dass man sagt: Wir nehmen das zum Anlass zu den gemeinsamen Wurzeln unseres gemeinsamen Glaubens zurückzukehren, das finde ich ein ganz, ganz starkes Zeichen", so Wolfgang Schmidt. Auch Pater Nikodemus von der Dormitio Abtei erwartet die hochkarätige, ökumenische Pilgergruppe aus Deutschland. Die Fahrt müsse ein Dialog der brüderlichen Liebe sein. Eine Umarmung, die es beiden Seiten möglich macht, das Jubiläum zu begehen: "Durch dieses Preludium bekommt es eine andere Richtung bei der ich voll dabei bin. Es geht jetzt nicht um Martin Luther und seine Person und wir feiern auch nicht 500 Jahre Kirchentrennung. Und Martin Luther hat auch nicht die Kirche gegründet sondern Jesus Christus. Und jetzt kommen wir genau an die Wurzeln."
    Pilgerfahrt könnte Vorbild sein
    Neben der Rückbesinnung auf die Wurzeln, haben die Bischöfe auch Gespräche mit dem palästinensischen Präsidenten Abbas und Israels Staatspräsident Rivlin geplant. Beim Treffen mit Rivlin könnte womöglich auch die fehlende Entschädigung und die schleppende juristische Aufarbeitung des Brandanschlags auf die Brotvermehrungskirche in Tabgha zur Sprache kommen. Insgesamt geht es aber um die Kirchen in Deutschland. Und Pater Nikodemus hat den Wunsch, dass die Pilgerfahrt der Bischöfe Vorbild sein kann. "Ich hoffe, das viele Pfarreien das nachmachen. Denn das ist eine geniale Idee, die bisher viel zu selten verwirklicht wird. Oft ist es ja so, eine katholische Pfarrei macht eine Pilgerfahrt. Eine evangelische Pfarrei macht eine Pilgerfahrt. Man pilgert noch immer so schön konfessionell getrennt. Lasst uns doch gemeinsam pilgern in das Land der Bibel, die wir gemeinsam haben."
    Das evangelische Christen pilgern, hält auch der Probst der Erlöserkirche Schmidt nicht mehr für eine Seltenheit. "Und immer mehr auch Protestanten sehen das als eine Praxis des Glaubens, wenn man sich unter spirituellen Gesichtspunkten auf einen Weg macht." Die Konfessionen hätten sich gegenseitig über die Jahre inspiriert. Nun müssen die Kirchen nur noch folgen.