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"Jeder kennt Kent"

Charles Dickens wuchs teilweise in Kent auf. Für den kleinen Charles mit seiner blühenden Phantasie waren die fünf Jugendjahre von 1817-1822 in Kent die glücklichsten seiner Kindheit. Dickens kehrte immer wieder in die Region zurück. 1856 ließ er sich als reicher Autor endgültig in Kent nieder.

Von Katrin Kühne | 09.12.2007

Das Geräusch eines viktorianischen Apfel-Crushers, den hier ein historisch gewandeter "Volunteer" im Museum of Kent Live bedient, dürfte Charles Dickens wohlbekannt gewesen sein.
Kent, mein Herr - jeder kennt Kent, Äpfel, Kirschen, Hopfen und Frauen!

So beschreibt es Dickens in den "Pickwick Papers", seinem ersten großen Romanerfolg.
Das Freiluft-Museum mit den Kent-typischen "Oast-Houses", den runden Hopfendarr-Türmen, umfasst das Areal des Cobtree Estate in Maidstone. Die alten Apfelsorten des Museums stammen zum Teil noch aus der Zeit, als die unglückliche Anne Boleyn hier ihren vermutlichen Lover besuchte, und Cobtree bereits ein großes Landwirtschaftliches Anwesen war.

Museumsdirektor John Jordan, ganz Countryside-Gentleman mit karierter Schiebermütze, ist begeisterter Dickens-Fan.

"Charles Dickens wuchs teilweise in Chatham auf, dem nur rund vier Kilometer entfernten großen Hafen am Fluss Medway, wo sein Vater eine gute Anstellung auf der Werft hatte. Ich bin sicher, dass er bei den langen Wanderungen mit
seinem Vater auch hier herumspaziert ist."

Für den kleinen Charles mit seiner blühenden Phantasie sind die fünf Jugendjahre von 1817-1822 in Kent die glücklichsten seiner Kindheit.

Dickens kehrt immer wieder in die Region zurück. 1836 feiert der Schriftsteller in Chalk, nördlich von Chatham, seinen Honeymoon mit Catherine Hogarth. Von der er sich später trennt, weil sie

alt, fett und dumm geworden war,

wie er mit dem ihm eigenen Sarkasmus die Mutter seiner zehn Kinder beschreibt.

Als reicher Autor und bewunderter Vortragskünstler seiner eigenen Werke lässt er sich 1856 endgültig in Kent nieder, auf dem Anwesen "Gad's Hill" in der Nähe von Higham. Als Kind hatte er auf den Spaziergängen mit dem Vater den Herrensitz aus dem 18.Jahrhundert immer bewundert und sich geschworen, dort einmal zu wohnen.

Ebenso wie die Countryside liebte der Autor das Meer, vor allem bei Broadstairs an der Südküste. Den kleinen, feinen Badeort besucht er ab 1837 fast 20 Jahre lang.

"Das ist die Aussicht, für die Dickens immer wieder nach Broadstairs kam. Eine halbrunde Bucht mit goldenem Sand und einem schützenden alten Pier. Er liebte das Meer an einem milden Tag wie heute, aber auch bei Sturm. In Briefen an seine Freunde beschreibt er die "funkelnde See, als wäre sie mit Silber gesprenkelt". Bis heute hat sich hier wenig verändert."

Die Leiterin des Dickens-House Museum in Broadstairs, Lee Ault, könnte selbst fast einem seiner Romane entstiegen sein - groß und dünn, hochaufgetürmte Frisur und langer Spitzenrock. Das kleine zweistöckige Haus mit den schwarzen Holzsäulchen steht an der Victoria Parade oberhalb der Bay.

Nebenan das Royal Albion-Hotel, in dem "C.D.", wie er sich seinen Freunden gegenüber nannte, gern übernachtete und an seinen Romanen wie "David Copperfield" schrieb. In dieser autobiographischen Erzählung taucht dann auch das heutige Museumchen einschließlich der damaligen Besitzerin Miss Mary Pearson Strong auf: Als das Haus der exzentrischen Tante Betsy von David Copperfield. Die reale Miss Mary, die Dickens wunderbar vom Albion's aus beobachten konnte, hatte wie Roman-Tante Betsy ein Problem mit den kleinen Donkey-Boys.

"Janet! ESEL!" Janet stürzte auf einen kleinen Rasenfleck vor dem Hause hinaus und verjagte zwei von Damen gerittenen Esel, welche gewagt hatten,
ihren Huf auf den Rasen zu setzen, während meine Tante den Zaum eines dritten Esels ergriff und den unglücklichen Jungen, der den Esel führte und die heilige Stelle zu entweihen gewagt hatte, hinter die Ohren schlug.


Miss Mary soll sogar einen Besen dafür genommen haben, wie Little Charles, der Sohn des Schriftstellers in einem Brief berichtet, der im Museum hängt.
Charles Dickens Werke sind voll von skurrilen Gestalten und Geistern, wie er ja selber eine höchst exzentrische Persönlichkeit war.

In unserer Schulzeit, erinnert sich Kent-Live-Museum Direktor John Jordan, wuchsen wir mit Scrooge und dem Geist der Vergangenen Weihnacht, dem Geist der Zukünftigen Weihnacht und dem Geist der Gegenwärtigen Weihnacht auf, die dem miesepetrigen Geizkragen in der "Weihnachtserzählung" so sehr zusetzen, dass er ein guter Mensch wird.

Scrooge verwandelte sich in einen so guten Menschen, wie diese gute alte Stadt auf dieser guten alten Welt nur kannte. Mit Geistern pflegte er keinen weiteren Umgang. - - Gott segne uns, - Gott segne jeden!