Sonntag, 02. Oktober 2022

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Jüdische Orchestermusiker in der NS-Zeit
"Ich habe Hitler in die Augen gesehen"

Werner Lywen kreuzte einst Hitlers Blick: „Es fühlte sich an wie Dolche, die direkt durch dich hindurchstechen konnten.“ Der ehemalige Bratscher der Deutschen Oper Berlin musste 1936 in die USA emigrieren. Das Orchester erinnert nun an die Schicksale seiner jüdischen Mitglieder.

Von Marie König | 10.03.2020

    Schwarzweiß-Aufnahme: Mann in Frack spielt Geige
    Wurde nach seiner Emigration in die USA Konzertmeister unter Leonard Bernstein bei The New York City Symphony: Werner Lywen (Jaqueline Aubert)
    Im Jahr 1933 entließ die Deutsche Oper Berlin ihre jüdischen Mitarbeiter. Sie verloren ihre Arbeit, wurden vertrieben oder ermordet. Wer waren sie? Was ist aus ihnen geworden? Benedikt Leithner, Solo-Pauker im Orchester der Deutschen Oper Berlin, forschte über ein Jahr lang über seine jüdischen Kollegen. Vier von ihnen - Wladyslaw Waghalter, Max Rosenthal, Werner Lywen und Hans Kraus - stellte er in den Mittelpunkt eines Konzertprogrammes, das in der Reihe "Tischlereikonzerte" an der Deutschen Oper aufgeführt wurde.
    Vergessene Texte und Musiken gesammelt
    In verschiedensten Archiven fand Benedikt Leithner Zeitungsausschnitte, Personalakten und Briefe über die vier Musiker. Diese Texte waren in Lesungen der Schauspielerin Margarita Broich zu hören, jeweils zwischen einzelnen Kammermusikwerken von Paul Hindemith, Joseph Haydn, Erwin Schulhoff und anderen. Am Konzertabend in Berlin waren auch drei Nachfahren der Musiker im Publikum, die in dieser Sendung zu Wort kommen.
    Ein alter Mann sitzt auf einem Korbstuhl, auf seinem Schoß sitzt seine rotgelockte Enkelin
    Der im Jahr 2002 verstorbene Musiker Werner Lywen mit seiner Enkeltochter Jasmine (Jaqueline Aubert)