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StartseiteMarkt und MedienKampf um die Bilder aus der Frauenkirche22.10.2005

Kampf um die Bilder aus der Frauenkirche

Die Dresdener Frauenkirche ist immer ein mediales Ereignis, sagt Frauenkirchenpfarrer Stephan Fritz. Doch im Vorfeld der feierlichen Weihe des wieder aufgebauten Gotteshauses mischen sich Missklänge in die allgemeine Freude. Der Grund: die Berichterstattung der Pressefotografen wurden seitens der Frauenkirchen Stiftung erheblich eingeschränkt. Dahinter steckt einerseits die Angst, dass am Tag der Weihe Bilder aus der Kirche von fliegenden Postkartenhändlern zu Hunderttausenden unters Volk gebracht werden könnten. Andererseits geht es ums Prinzip: Erst nach der Weihe ist der Kirchraum öffentlich.

Von Alexandra Gerlach

Dresden - im Vordergrund die Augustusbrücke, rechts die Frauenkirche und links die Kunstakademie mit Goldenem Engel auf dem Kuppeldach (AP)
Dresden - im Vordergrund die Augustusbrücke, rechts die Frauenkirche und links die Kunstakademie mit Goldenem Engel auf dem Kuppeldach (AP)
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Es ist einer der letzten Pressetermine in Sachen Frauenkirche, kurz vor der Weihe. Pfarrer Stephan Fritz posiert vor dem übermannsgroßen Logo für den großen Tag, einem senkrechten roten Banner, darauf der Umriss der neuen Frauenkirche und darunter der Spruch "Friede sei mit Euch".

Doch der Friede ist dahin zwischen den professionellen Presse-Fotografen und der Stiftung Frauenkirche. Seit die Stiftung den Profis das Anliegen verwehrt, im Vorfeld der Weihe für die begleitende Berichterstattung, eigene Fotos im fertig hergestellten Innenraum der Kirche aufnehmen zu dürfen, brodelt die Stimmung. Zornig waren die Fotografen vor allem, als eine große Boulevardzeitung exklusiv Fotos von der ausgemalten Kuppel druckte. Der Ärger eskalierte, als die viel gelesene und weit verbreitete Sächsische Zeitung vor wenigen Tagen einen Artikel über den Stand der Vorbereitungen zur Weihe veröffentlichte und statt eines Fotos aus der Kirche einen großen grauen Flecken druckte. Chefredakteur Hans Eggert:

" Das war Ausfluss der Verzweiflung, wir hatten noch einmal Gelegenheit, einen Rundgang durch die Kirche zu machen, und um mitzuteilen, die Bauarbeiten sind beendet, und das will man ja im Bild mitteilen, da wurde uns allerdings erklärt, dass Fotografen bis zur Weihe nicht mehr in die Kirche dürften und wir deshalb keine frischen Bilder bekämen, weil die Rechte an diesen Bildern verkauft seien, an eine überregionale Tageszeitung. "

Diese letzte Information wurde schnell dementiert. Die Rechte für die Fotos liegen nach wie vor bei der Stiftung Frauenkirche, die selbst einen eigenen Fotografen mit der Dokumentation des Baugeschehens betraut hat. Die Leser der sächsischen Zeitung jedenfalls erkannten die Not der Blattmacher und reagierten prompt:

" Es gibt ja Möglichkeiten vom Innenraum Fotos zu machen, wenn man nämlich die Kuppel erklimmt. Viele Leser haben das gemacht und wollten uns ihre Fotos anbieten, haben das auch gemacht, wir haben ein paar veröffentlicht und uns bedankt damit. "

An dem grundlegenden Fotografierverbot bis zum Tag der Weihe in der Hauptkirche ändert das jedoch nichts. Der Innenraum der Kirche wurde zeitweilig teilweise verhüllt und die Fenster in der Kuppel verklebt, um unautorisiertes Fotografieren zu unterbinden. Dazu Baudirektor Eberhard Burger:

" Wir können heute nicht mehr warten , wir wollen immer alles gleich und sofort haben und ich glaube, dem muss man auch ein wenig gegensteuern, denn die Weihe einer Kirche ist eben etwas anders, als die Eröffnung eines Hotels oder eines Kaufhauses, denn die Kanzle, der Taufstein, der Altar und die Orgel werden vom Landesbischof in einem Gottesdienst geweiht und stehen dann für die Öffentlichkeit zur Verfügung,.. und ich finde das ist eine gute Tradition, und finde es richtig, dass auch wir versuchen, das beizubehalten. "

Die Fotografen vor Ort ärgert diese Haltung mächtig, schließlich haben sie über die vergangenen 12 Jahre jede noch so kleine Etappe des Wiederaufbaus mit ihren Kameras begleitet, und somit auch mit ihren Bildern den Spendenfluss aus aller Welt befördert.

Inzwischen hat die Stiftung Frauenkirche offenbar auch registriert, dass die rigide Haltung bezüglich des Bilderverbots nachhaltig schaden könnte. Schließlich gibt es auch ein Leben nach der Weihe. Daher hat man sich nun darauf verständigt, dass der Stiftungsfotograf einen Pool von Innenaufnahmen zur Verfügung stellt für die zahlreichen Sonderpublikationen, die in den nächsten Tagen erscheinen werden.

" Das war die positive Frucht unseres Nicht-Bildes.... nur muss das offen gesagt werden, dann hätten die Presseleute auch sehr viel Verständnis. "

ER sei von der Palme des Ärgers wieder heruntergekrabbelt, sagt Chefredakteur Eggert. Doch noch immer ist auch für ihn nicht klar, wie es am Tag der Weihe sein wird, mit den Arbeitsmöglichkeiten für die Fotografen

" Das wissen alle noch nicht, was am Tag der Weihe passiert. Fernsehkameras sind im Gotteshaus und während des Gottesdienstes. es wäre für meine Begriffe völlig unmöglich, wenn wir diesen historischen Augenblick nicht druckbare Fotos gemacht werden könne, die auch noch in 50 Jahren gedruckt werden können. "

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