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Kanzlerin Merkel in MexikoNeue beste Freundin?

Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft heute den mexikanischen Staatschef Enrique Peña Nieto. Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen Wirtschafts- und außenpolitische Fragen sowie der G20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg. Obwohl der Besuch Merkels nicht einmal 24 Stunden dauern wird, sind die Erwartungen hoch.

Von Anne-Katrin Mellmann | 09.06.2017

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht neben dem mexikanischen Präsidenten Enrique Pena Nieto am 12.04.2016 im Bundeskanzleramt in Berlin während der Pressekonferenz.
Bundeskanzlerin Merkel traf sich bereits vor einem Jahr in Berlin mit Mexikos Staatspräsident Peña Nieto. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
Angela Merkel sei die "neue beste Freundin" oder die "Retterin" Mexikos, freuen sich mexikanische Medien, weil die deutsche Kanzlerin US-Präsident Trump die Stirn bietet. Dass Merkel nicht irgendein Staatsgast ist, spiegelt sich auch auf der Straße wider. Besonders Mexikanerinnen wirken sehr angetan:
"Ich bin begeistert, Merkel vertritt Dinge, die für uns wichtig sind, wie den Klimaschutz, und sie wird uns mehr Mut geben, unsere Ideale zu verteidigen. Für mich ist sie eine Frau mit einem starken Willen und klaren Aussagen, die ihre Ziele auch erreicht, was selten ist bei den politischen Führern der Welt."
"Sie kommt, um uns zu unterstützen, damit es mehr Arbeit, mehr Einheit und Frieden gibt. Mir gefällt diese Frau, weil sie Mut genug hat, sich dem US-Präsidenten entgegen zu stellen."
Fast 2.000 deutsche Unternehmen sind in Mexiko ansässig
In Mexiko war Merkels Bierzelt-Rede eine wichtige Nachricht: Die USA nicht mehr so zuverlässig wie früher – diese Erfahrung hat Mexiko als erstes Land machen müssen. Donald Trump demütigte den südlichen Nachbarn schon im Wahlkampf und drohte mit Kündigung des für Mexiko lebenswichtigen Nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta. Von dem profitieren auch viele der fast 2.000 in dem Schwellenland ansässigen deutschen Unternehmen, unter ihnen VW, BMW und BASF. Der Geschäftsführer der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer Johannes Hauser:
"Ich denke, dass die deutsche Unternehmerschaft in Mexiko die Reise als Rückenstärkung für Mexiko empfindet. In Zeiten dunkler Wolken, die aus dem Norden aufziehen, gerade mit Blick auf den Freihandel. Mexiko und Deutschland teilen die Sicht auf die Dinge – gerade wegen der Bedeutung offener Grenzen und des Freihandels. Dass Mexiko da in Deutschland einen starken Alliierten an der Seite weiß, glaube ich, ist ein wichtiges Signal für Mexiko, ist ein beruhigendes Signal für die deutsche Wirtschaft in Mexiko, und wird sicherlich mit großem Applaus und Genugtuung aufgenommen."
Mexiko braucht starke Verbündete
Mit Spannung erwartet Mexiko den Beginn der Verhandlungen über das seit 23 Jahren bestehende Freihandelsabkommen Nafta im August. Angela Merkel kommt zwar nach Mexiko, um den G20-Gipfel vorzubereiten, aber Themen wie Nafta und die von Trump geplante Mauer an der US-mexikanischen Grenze dürften eine wichtige Rolle spielen, wenn sie mit dem Staatspräsidenten Enrique Peña Nieto spricht. Beide würden sich vorsichtig bewegen, wie auf Zehenspitzen, damit der Besuch die Spannungen zwischen Trump und Mexiko und Deutschland nicht noch verschärfe, meint die politische Analystin Soledad Loaeza:
"Merkel genießt bei uns hohes Ansehen. Weil wir uns mit Deutschland identifizieren, jetzt wo es Spannungen zwischen ihnen und der US-Regierung gibt. Aber auch wegen Merkels Umgang mit syrischen Flüchtlingen. Wir schätzen ihre Großzügigkeit, die die in diesen Zeiten außergewöhnlich ist. Als armes Land fühlt sich Mexiko solidarisch mit anderen armen Ländern. Wenn ein reiches Land einem armen hilft, dann berührt das unsere Herzen. Wir Mexikaner haben immer eine Alternative zu den USA gesucht. Jetzt schauen wir nach Europa: Die wichtigste Stimme dort ist Deutschland."
Für Mexiko sei eine direkte Konfrontation mit der überlegenen Supermacht USA kompliziert, ein Dritter im Spiel deshalb sehr hilfreich. Mexiko braucht starke Verbündete. Das Land will seine Freihandelsbeziehungen ausbauen, um gewappnet zu sein, falls Trump seine Drohungen wahr macht und Einfuhrzölle erhebt. Merkel steht für Freihandel und Freundschaft.