Interview
Klimaforscher Edenhofer: "Gas- und Ölstaaten dürfen neue Technologien nicht als Feigenblatt für ein "Weiter-So" nutzen

Der Klimaforscher Edenhofer warnt vor Rückschlägen im Kampf gegen die Erderwärmung.

12.06.2023
    Das Foto zeigt Ottmar Edenhofer.
    Der Klimaforscher Edenhofer warnt vor Rückschlägen im Kampf gegen die Erderwärmung. (imago images / Future Image / Frederic Kern )
    Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die Gas- und Ölstaaten sähen derzeit die Möglichkeit, mit neuen Technologien ihr, Zitat, "fossiles Geschäft" fortführen zu können. Es sei aber schiere Illusion zu glauben, dass die neuen Technologien von der Pflicht entbinden könnten, die Emissionen in den nächsten zehn Jahren drastisch zu reduzieren.
    Edenhofer verwies etwa auf die Debatte über die Abscheidung und Speicherung von CO2, die beim Petersberger Klimadialog aufgekommen war. Edenhofer nannte das "gefährlich" und "hochriskant", denn viele Länder setzten in einem unrealistischen Ausmaß auf die neuen Technologien. "Die EU und die USA müssen sich gemeinsam an den Märkten aufstellen, damit die Gas- und Öl-Exporteure die neuen Technologien nicht als Feigenblatt für ein Weiter-so nutzen können", forderte er. In den kommenden Monaten bis zum nächsten UNO-Klimagipfel müsse es gelingen, "den Kurs weltweit Richtung Ausstieg aus den Fossilen zu setzen".
    Anlass für Edenhofers Appell sind auch Ausführungen von Sultan al Jaber, dem Präsidenten der Klimakonferenz COP28 im Spätherbst in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Al Jaber bekennt sich zwar zum Ziel, Emissionen zu senken - aber nicht mehr zu einem Ende der Nutzung fossiler Energieträger wie Gas, Öl und Kohle.
    Diese Nachricht wurde am 27.05.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.