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StartseiteKultur heute"Man sollte die Erfahrungen der Pandemie nutzen"15.05.2021

Klimafreundlicher Kunstgenuss"Man sollte die Erfahrungen der Pandemie nutzen"

Ein Andy Warhol aus Pittsburgh, ein Joseph Beuys aus New York und eine Cindy Sherman aus London - große Kunstwerke werden für Ausstellungen oft um die ganze Welt geflogen. "Es ist wichtig, das Thema Klima von Ausstellungskooperationen mitzudenken", sagte Hans-Peter Schuster vom Lenbachhaus im Dlf.

Hans-Peter Schuster im Gespräch mit Jörg Biesler

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Die Goldenen Fassade des neuen Flügel des Lenbachhauses in München vor strahlend blauem Himmel. The golden facade of the new wing of the Lenbachhaus Gallery in Munich, Germany, 10 January 2017. The modern facade was designed by the architectural bureau Foster + Partners. Photo: Peter Kneffel/dpa (Peter Kneffel/dpa)
Das Münchner Lenbachhaus will klimafreundlicher werden (Peter Kneffel/dpa)
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Am 16. Mai ist internationaler Museumstag und die meisten der über 6.000 Museen in Deutschland haben immer noch nicht geöffnet. Die Pandemie wird langfristig vieles verändern und auch das Thema Klima muss stärker in den Blick genommen werden, so der Wunsch des Bundes. Gemeinsam mit zahlreichen Kultureinrichtungen hat das Münchner Lenbachhaus an einem Pilotprojekt teilgenommen, um seine CO2-Emissionen zu überprüfen.

  (picture alliance / NurPhoto | Ulrik Pedersen) (picture alliance / NurPhoto | Ulrik Pedersen)Fotografin über Klimawandel 
Mit ihrem Projekt "Tropic ice" will die Fotografin Barbara Dombrowski vor dem Klimawandel warnen. Dafür flog sie klimaschädlich kreuz und quer durch die Welt. "Das ist desaströs, aber ich habe das bewusst gemacht", sagte sie im Dlf.

Untersucht wurde das Jahr 2019 und herauskam, "dass die meisten Emissionen durch den Transport der Kunstwerke verursacht werden", so Hans-Peter Schuster, Geschäftsleiter des Lenbachhauses. "Wir hatten viele internationale Ausstellungen. Die Kunst war weltweit in Flugzeugen auf der Straße unterwegs."

Internationale Ansprüche und weltweiter Blick

Neben den Transporten sei es auch die veraltete Klimaanlage in einem Teil des Lenbachhauses, die für hohe Klimabelastungen sorge - aber die könne man langfristig austauschen, so Schuster. Die Transporte von Kunstwerken, die teilweise begleitet werden müssen, sind schwerer zu verändern. "Das Lenbachhaus ist ein international agierendes Museum. Das soll es auch bleiben." Zumal man auch wegwolle vom westlich geprägten Blick auf die Kunstwelt, sagte Schuster.

Wer mehr Kunst aus anderen Teilen der Welt präsentieren will, andere Kontinente in den Blick nimmt, muss sie zwangsläufig transportieren. Schuster: "Das Wichtige ist, dass man zunächst das Thema Klima bei Ausstellungskooperationen mitdenkt. Wenn man ehrlich ist, hat man dies bislang nicht getan."

Kompensationen und digitale Alternativen

Eine weitere Idee, um den Klimaschutz im Museums- und Ausstellungsbereich zu verbessern: " Man muss nicht nur ein finanzielles, sondern auch ein CO2-Budget festlegen." Auch sollen in Zukunft Leihnehmer gefragt werden, ob sie bereit sind, Kompensationen zum Schutz von CO2-Projekten zu leisten. Generell komplett auf die physische Präsenz von Kunstwerken zu verzichten und sie alternativ nur digital zu zeigen, sei erst einmal keine Lösung, sagte Schuster.

Zwar hat man durch Corona viele virtuelle Formate und Führungen entwickelt, aber "man stellt fest, dass das nicht die Freude ist, die ein realer Museumsbesuch, reale Kunstwerke einem bieten." Allerdings, so Schuster, "soll man die Erfahrungen der Pandemie nutzen."

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