Mittwoch, 17. August 2022

Archiv

Kramp-Karrenbauer und die Medien
"Der Journalismus in Berlin kann schon gnadenlos sein"

Dass Annegret Kramp-Karrenbauer auf eine Kanzlerkandidatur verzichtet, sorgt heute für Schlagzeilen. Die kritische Berichterstattung verdanke sie den politischen Umständen, sagte der ehemalige Hauptstadtjournalist Günter Bannas im Dlf - dabei habe sie in Berlin einen guten Start gehabt.

Günter Bannas im Gespräch mit Brigitte Baetz | 10.02.2020

Ein Journalist filmt mit seinem Smartphone Annegret Kramp-Karrenbauer, Generalsekretärin der CDU, die am 7.11.2018 während einer Pressekonferenz ihre Kandidatur für den CDU-Bundesvorsitz erläutert.
Die CDU-Politikerin Annegret Kramp-Karrenbauer wird von Journalisten gerne mit "AKK" abgekürzt (dpa/Soeren Stache)
Dass Annegret Kramp-Karrenbauer sich aus der CDU-Spitze zurückziehen will, hatten viele Journalistinnen und Journalisten schnell eingeordnet: Sie sei über das Debakel nach der Wahl in Thüringen gestolpert. Die Politikerin selbst sagte am Montag hingegen, ihr Rückzug sei kein spontaner Entschluss gewesen: "Diese Entscheidung ist seit einer geraumen Zeit in mir gereift und gewachsen."
Trotzdem sei die Ankündigung von Journalisten zu Recht als "Paukenschlag" bezeichnet worden, sagte Günter Bannas, ehemaliger Leiter des Hauptstadtbüros der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er gilt als langjähriger Kenner des deutschen Regierungs- und Parlamentsbetriebs.
Zunehmend kritische Berichterstattung
Die Berichterstattung habe sich in den vergangenen Tagen zunehmend kritisch gestaltet, "was aber nicht an den Medien lag, sondern eben an den politischen Umständen in Berlin und in Erfurt".
Man könne Kramp-Karrenbauer mit dem früheren rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck vergleichen. Beide seien erfolgreiche Ministerpräsidenten in der so genannten Provinz gewesen, hätten sich in Berlin dann aber schwer getan - obwohl die Saarländerin einen guten Start gehabt habe.
Allerdings: "Kramp-Karrenbauer war nun nicht sehr gut vorbereitet. Sie hatte keinen größeren Stab in Berlin", sagte der Journalist. Die Politikerin habe erfahren müssen, dass Landespolitik etwas anderes sei als Bundespolitik.
Keine spezifische Frauenfeindlichkeit
Kritisch sei das Verhältnis zwischen ihr und den Medien in der Karnevalszeit 2019 geworden, als Kramp-Karrenbauer für eine Büttenrede heftige Kritik erntete: "Von da an setzte sich der Eindruck durch, da ist eine Frau aus der Provinz, die das Berliner Geschäft nicht richtig versteht." Das sei aber später wieder vergessen worden - stattdessen sei es um politische Probleme gegangen.
Bannas zufolge sei über Kramp-Karrenbauer nicht deswegen besonders kritisch berichtet worden, weil sie eine Frau sei. Kurt Beck sei es schließlich ähnlich ergangen: "Der Journalismus in Berlin kann schon gnadenlos sein", sagte Bannas.