Montag, 06. Februar 2023

Krieg in der Ukraine
UEFA verlegt CL-Finale, Schalke verzichtet auf Gazprom-Logo

Der russische Angriff auf die Ukraine hat auch die für Sportwelt gravierende Folgen. Die UEFA verlegt das Champions-League-Finale aus St. Petersburg nach Paris. Auch die Formel 1 sagte ihr Rennen im September in Sotschi ab.

Von Andrea Schültke und Maximilian Rieger | 25.02.2022

24.02.2022 Belchatow Siatkowka CEV Cup 2021/2022, polfinal PGE Skra Belchatow - VB Tours N/z transparent kibicow, wojna,
24.02.2022 Belchatow Siatkowka CEV Cup 2021/2022, polfinal PGE Skra Belchatow - VB Tours N/z transparent kibicow, wojna, Ukraina, hands off Ukraine Foto Adam Starszynski / PressFocus 24.02.2022 Belchatow Volleyball CEV Cup 2021/2022, semifinal PGE Skra Belchatow - VB Tours transparent kibicow, wojna, Ukraina, hands off Ukraine Credit Adam Starszynski / PressFocus/NEWSPIX.PL --- Newspix.pl PUBLICATIONxNOTxINxPOL 20220224PF_AS011 (imago images/Newspix)
Ausgerechnet im "Gazprom-Stadion" in St. Petersburg wollte die UEFA am 28. Mai den Champions-League-Pokal vergeben. Selbst nach der Anerkennung der selber ernannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk durch Russland zögerte der Verband, das Finale aus der Geburtstadt Vladimir Putins zu verlegen.
Nach dem breit angelegten Angriff Russland auf die gesamte Ukraine musste die UEFA jetzt schnell umzudenken. Die Europäische Fußball-Union entschied am Freitagmittag, das Finale am 28. Mai stattdessen in Paris auszutragen. Das teilte die UEFA nach einer außerordentlichen Sitzung des Exekutivkomitees mit.
Die im März anstehenden Playoffs in der Qualifikation für die WM in Katar dagegen sind #FIFA-Wettbewerbe und im Zuständigkeitsbereich des Weltverbandes.
Zudem entschied das UEFA-Gremium, dass russische und ukrainische Klubs in den laufenden Europacup-Wettbewerben ihre Heimspiele auf neutralem Boden ausrichten müssen. Dies gelte auch für die Nationalmannschaften der beiden Länder in der Nations League ab diesem Sommer.

Mitglieder des Bundestages begrüßen Verlegung

Fritz Güntzler, CDU Obmann im Sportausschuss sieht in einer Verlegung die einzig richtige Entscheidung. Er erklärte auf Anfrage des Deutschlandfunks: "Die Angriffe Russlands auf die Ukraine sind ein gezielter Angriff auf die Demokratie, die Sicherheit und die Freiheit in Europa. Dies muss auch auf sportpolitischer Ebene mit voller Härte sanktioniert werden.“
Die sportpolitische Sprecherin der SPD, Sabine Poschmann, teilt Güntzlers Ansicht. „Alle Sportverbände sollten dringend Abstand von der Abhaltung von internationalen Wettkämpfen in Russland nehmen – ob es nun die Volleyball-WM, ein Formel-1-Rennen oder die Kurzbahn-WM im Schwimmen ist.“, so die SPD-Politikerin gegenüber dem Deutschlandfunk.
Und inzwischen ist ihr Parteikollege Frank Ullrich, Vorsitzender des Bundestag-Sportausschusses, der Meinung, es müsse "sportliche Konsequenzen" geben. Ullrich hatte noch nach der Anerkennung der Volksrepubliken durch Russland gesagt, es sei "viel zu früh" für sportpolitische Konsequenzen. Inzwischen habe sich die Lage "dramatisch verändert", so Ullrich.

DFB weicht Fragen zu Gazprom aus

Wichtiges Instrument für den russischen Einfluss im Weltsport ist das Sponsoring durch Gazprom. Der russische Staatskonzern sponsert unter anderem die UEFA und ist Stand jetzt auch der Hauptsponsor bei der Europameisterschaft 2024 in Deutschland. Welche Folgen der russische Angriff auf dieses Engagement haben wird, ist noch unklar.
Der Gastgeber, der Deutsche Fußball Bund, „verurteilt den offensichtlich völkerrechtswidrigen Angriff Russlands gegen die Ukraine auf das Schärfste. Die Welt darf dem nicht tatenlos zusehen, die Ukraine bedarf unser aller Solidarität“, schrieben die beiden Interimspräsidenten des DFB, Rainer Koch und Hans-Joachim Watzke, auf Twitter.

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Ob der DFB auch entsprechend dieser Aussage handelt? Auf die Frage des Deutschlandfunks, ob es beim DFB Überlegungen gibt, die Zusammenarbeit mit Gazprom im Zusammenhang mit der EM auszusetzen oder zu beenden, schreibt man uns:

"Hinsichtlich des EURO-Partners Gazprom müssen Sie sich bitte an die UEFA wenden. Die UEFA ist als Veranstalter für die Partner der Europameisterschaften verantwortlich."

Russische Sportler sagen "Nein zum Krieg"

Unterdessen gibt es aus Reihen des russischen Sports auch kritische Stimmen zum Militäreinsatz. Der russische Fußball-Nationalspieler Fedor Smolow ist der erste Spieler des Teams, der sich gegen den Krieg ausspricht: „Nein zum Krieg“, lautete seine Botschaft bei Instagram, verbunden mit einer ukrainischen Flagge.
Unklar bleibt aber, was mit den Spielen der Ukraine und Russland bei den im März anstehenden Playoffs in der Qualifikation für die WM in Katar passiert. Dabei handelt es sich um FIFA-Wettbewerbe, welche sich im Zuständigkeitsbereich des Weltverbandes befinden. Die UEFA kann hier keine Entscheidung fällen.
Russland soll am 24. März zu Hause gegen Polen in den WM-Playoffs spielen. Der polnische Verband hat inzwischen von der FIFA gefordert, das Spiel auf neutralem Boden auszurichten. Auch die Verbände aus Schweden und Tschechien, deren Teams die nächsten Gegner der Russen sein könnten, haben sich der Forderung angeschlossen.

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Die FIFA sieht aber noch keinen Handlungsbedarf. "Das Spiel ist in einem Monat", sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino. Er hoffe, dass die Situation weit davor gelöst wird. Auch die Ukraine selbst ist noch Teilnehmer in den Playoffs.
Auch der russische Schachspieler Jan Nepomnjaschtschi, bei der letzten Schach-WM Gegner von Magnus Carlsen, schloss dem "Nein zum Krieg" an. Er schrieb auf Twitter: "In der Geschichte gab es schon viele schwarze Donnerstage. Aber der heutige Tag ist der schwärzeste von allen."

Schalke verzichtet auf Gazprom-Trikotwerbung

Schalke 04 wird seit 2007 von Gazprom gesponsert, der Fußball-Zweitligist ist aufgrund seiner schlechten finanziellen Lage auf die Zahlungen eigentlich angewiesen. Trotzdem hat es nun erste Konsequenzen gegeben: Matthias Warnig, für Gazprom im Aufsichtsrat von Schalke 04, hat sein Mandat mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Der 66-Jährige ist CEO der Nord Stream 2 AG und gilt als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Bezüglich der Partnerschaft mit Gazprom sagte ein Schalke-Sprecher auf einer Pressekonferenz, man brauche Zeit, viele Dinge zu prüfen und zu beraten.

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Eine erste Entscheidung fiel dann bereits Stunden später: "Mit Blick auf die Ereignisse, Entwicklung und Zuspitzung der vergangenen Tage: #S04 nimmt GAZPROM-Schriftzug von den Trikots“ schrieb der Club auf Twitter. Dieser Schritt sei nach Gesprächen mit Gazprom Germania erfolgt. Stattdessen werde "Schalke 04" auf der Brust stehen. Zu anderen Werbeformen - wie zum Beispiel Bandenwerbung - sagte der Clubs nichts. Über weitere mögliche Schritte werde der Verein zugegebener Zeit informieren.

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DFL und Bundesligisten verurteilen Angriff

Auch die Deutsche Fußball Liga hat den russischen Angriff auf die Ukraine auf das Schärfste verurteilt. "Krieg ist in jeder Form inakzeptabel - und mit unseren Werten des Sports unvereinbar", teilte die DFL am Donnerstag (24.02.2022) via Twitter mit. "Unsere Sorgen gilt den betroffenen Menschen vor Ort." Der Verband empfiehlt den Vereinen eine Gedenkminute für den Frieden vor den Spielen am Wochenende.
Auch einzelne Bundesligisten bekundeten ihre Solidarität mit der Ukraine. "Wir sind erschüttert und betroffen, dass auf europäischen Boden ein Krieg ausgebrochen ist", schrieb der BVB. "Unsere Gedanken sind bei den wunderbaren Menschen in Charkiw und im ganzen Land. Frieden ist das Wichtigste für uns alle. Immer. Überall", twitterte die TSG Hoffenheim. Eishockey-Bundesligist Düsseldorfer EG färbte sein Logo in ukrainische Farben.

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Russland bricht zum dritten Mal Olympischen Frieden

Auch das IOC, das eigentlich nicht müde wird, seine politische Neutralität zu bekunden, sah sich nach dem Angriff genötigt, sich zu äußern. „Das Internationale Olympische Komitee verurteilt nachdrücklich den Bruch des Olympischen Friedens“, hieß es in einer Mitteilung.
Der "Olympische Friede" geht auf eine Resolution der Vereinten Nationen zurück. Die Unterzeichner bekunden, dass unmittelbar vor, während und nach Olympischen und Paralympischen Spielen die Waffen schweigen sollen. Auch vor den Spielen in China wurde diese Resolution verabschiedet, mit Russland als Unterzeichner.
Nach dem Angriff auf Georgien, der am Tag der Eröffnungsfeier der Sommerspiele von China stattfand, und der Annexion der Krim kurz nach den Winterspielen von Sotschi, ist der Einmarsch in die Ukraine das dritte Mal, dass Russland den "Olympischen Frieden" bricht.
Das IOC sei zutiefst besorgt über das Wohlergehen der Olympischen Familie in der Ukraine. Es werde ihre Situation beobachten und humanitäre Hilfe leisten, sofern das möglich sei.

Ausschluss von Russland von Paralympics kein Thema

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) betont ebenfalls die politische Neutralität der Organisation und beruft sich auf den „Olympischen Frieden“. Das IPC sei im Dialog mit den Nationalen Olympischen Komitees Russlands und der Ukraine mit dem Fokus auf den Paralympics, die am 4. März in Peking beginnen.
Diese seien eine Möglichkeit, eine „Atmosphäre des Friedens, der Toleranz und des Verstehens zu schaffen und alle Delegationen willkommen zu heißen“, schrieb das IPC auf Anfrage des Deutschlandfunks. Ein Ausschluss des Teams aus Russland ist nach dieser Aussage keine Option.

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Deutsche Athleten sollen nicht in Russland antreten

Ebenfalls geäußert haben sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Deutsche Behindertensportverband (DBS). In einer gemeinsamen Erklärung verurteilen die Dachorganisationen des deutschen Sports den Angriff aufs das Schärfste.
Darüber hinaus empfehlen DOSB-Präsident Thomas Weikert und DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher ihren Mitgliedern, "die Teilnahme an Wettkämpfen und Trainingsmaßnahmen in Russland und den Kriegsgebieten auszusetzen".
Ein erster Verband hat diese Empfehlung bereits beherzigt: Der Deutsche Skiverband. Seine Athletinnen und Athleten werden bis auf Weiteres nicht an internationalen Wettbewerben in Russland und der Ukraine teilnehmen, teilte der DSV mit.
"Unsere Skicross-Nationalmannschaft, die bereits zum Weltcup nach Russland angereist ist, werden wir so schnell wie möglich nach Deutschland zurück holen", sagte DSV-Vorstandsmitglied Stefan Schwarzbach. Auch Österreich will ähnlich verfahren.

Formel 1 streicht Grand Prix in Russland

Auch der Ski-Weltverband FIS hat als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine alle noch ausstehenden Weltcups in Russland in diesem Winter abgesagt. Am Freitag zog auch die Formel-1-Rennserie nach und strich den für den 25. September geplanten Grand Prix in Sotschi aus dem Rennkalender. "Wir beobachten die Entwicklungen in der Ukraine mit Trauer und Bestürzung", teilte die Rennserie mit: "Unter den derzeitigen Umständen ist es unmöglich, den Großen Preis von Russland durchzuführen."
Zuvor hatte sich bereits Ex-Weltmeister Sebastian Vettel gegen ein Rennen in Sotschi ausgesprochen. "Ich bin der Meinung, ich sollte nicht fahren, ich werde nicht fahren. Ich denke, es ist falsch, in diesem Land zu fahren. Es tut mir Leid für die unschuldigen Menschen, die ihr Leben verlieren, die getötet werden aus dummen Gründen und wegen einer sehr, sehr komischen und verrückten Führung."
"Wir sollten nicht in einem Land fahren, das Krieg führt, aber das gesamte Fahrerlager sollte darüber entscheiden", sagte auch Weltmeister Max Verstappen.

Sport-Ereignisse in der Ukraine abgesagt

In der Ukraine ist der Sportbetrieb nach dem russischen Angriff lahmgelegt. Wenige Stunden nach dem Einmarsch der russischen Truppen hat der ukrainische Fußball-Verband den Spielbetrieb der ersten Liga ausgesetzt.
Mehrere brasilianische Spieler, unter anderem von Schachtar Donezk und Dynamo Kiew, posteten Hilferufe auf Social Media. "Die Verzweiflung ist wirklich groß", schreibt Donezks Spieler Marlon Santos. Sie bekämen zwar Unterstützung von den Clubs, erwarten aber auch Hilfe von ihrem Land.

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Clubs wie Sorja Luhansk oder der Serienmeister Schachtjor Donezk, die aus den bereits seit 2014 von pro-russischen Separatisten kontrollierten Gebieten der Ostukraine kommen, trainieren und spielen bereits seit mehreren Jahren nicht mehr in ihrer Heimat.
Auch Qualifikationsspiele der Basketball-WM der Männer und der Handball-EM der Frauen in der Ukraine sind bereits verlegt worden.