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StartseiteKultur heute"Alles kann morgen anders sein" 03.09.2019

Kristof Magnusson über die Kulturgeschichte Islands"Alles kann morgen anders sein"

Sommerreihe "Wendepunkte: Vorher - Nachher"

Die Geschichte Islands ist voller Wendepunkte. Auch, weil in einer so kleinen Gesellschaft Veränderungen immer schnell spürbar seien, so der Schriftsteller Kristof Magnusson im Dlf. Die Isländer könnten damit aber besonders gut umgehen: schließlich lebten sie in einer Natur, die sich ständig verändert.

Kristof Magnusson im Gespräch mit Maja Ellmenreich

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Ein isländischer Fan, bunt bemalt und mit Perücke. (Peter Kneffel, dpa picture-alliancec)
Isländischer Fußballfan bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Frankreich (Peter Kneffel, dpa picture-alliancec)
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Für die ersten Siedler, die auf dem Weg nach Island waren, war der Schritt in ein unbekanntes Leben ein großer Wendepunkt. "Dass Leute in Norwegen ihr Leben hinter sich gelassen haben, und in offenen Booten irgendwo auf den Atlantik rausgesegelt sind, ohne genau zu wissen, wo diese Insel Island eigentlich ist. Und die, die es dann geschafft haben, haben da gesiedelt", sagt Kristof Magnusson, der einen isländischen Vater hat. Zum Leben auf der Insel weit im Norden gehört damals wie heute, dass die Natur sich ständig verändert, vor allem durch die vielen noch aktiven Vulkane. Das habe die Wahrnehmung der Isländer von der Welt doch sehr stark geprägt, so Magnusson. Es gebe eine sehr hohe Fehlertoleranz, das ermutige gerade Künstler, immer wieder Neues auszuprobieren.

Kristof Magnusson (Deutschlandradio / Christian Rabhansl)Der deutsch-isländische Schriftsteller Kristof Magnusson (Deutschlandradio / Christian Rabhansl)

Schon die ersten Siedler hätten angefangen, Geschichten aufzuschreiben, nicht nur in lateinischer Sprache, sondern auch in der altnordischen. So seien die vielen Islandsagen entstanden und die seien "voll von radikalen Wendepunkten", was vor allem daran gelegen habe, dass in der damaligen Gesellschaft das Christliche und das Wikingertum um die ideologische Vorherrschaft gekämpft hätten. Das Heldenhafte habe immer noch seinen Platz in der Gesellschaft und manchmal verbinde sich das auch mit dem nostalgischen Blick auf die Wikinger, so Magnusson. Das sähe man an der großen Fußballbegeisterung, die erst "vor zehn, zwanzig Jahren" aufgekommen sei, als Island ins Viertelfinale der EM 2016 kam und dann auch noch England schlug. Heute gehörten die als Wikinger verkleideten Fußballfans zum vertrauten Bild bei großen Turnieren.

Finanzkrise als Wendepunkt der jüngeren Geschichte

Ein Wendepunkt der jüngeren Geschichte in Island war die Finanzkrise. "Dadurch, dass das Land so klein ist, 330.000 Leute, sind natürlich solche Ideen, die in der großen weiten Welt überall kursieren... - wenn die in Island ausprobiert werden, dann sieht man wie an einem Modell, was das für Auswirkungen haben kann. Die Finanzkrise hat Deutschland zwar auch getroffen, aber Island war am Rande des Staatsbankrotts." In einer kleinen Gesellschaft seien Umwälzungen und Veränderungen immer sehr schnell spürbar – aber eben auch die guten. Der Schriftsteller verweist auf die Geschlechtergerechtigkeit gerade in Bezug auf Gehälter in Island, da sei das Land im internationalen Vergleich Spitzenreiter.

Kristof Magnusson ist Schriftstsller und Übersetzer aus dem Isländischen. Er wurde 1976 in Hamburg geboren, sein Vater kommt aus Island. Er studierte in Leipzig und Reykjavík und machte eine Ausbildung zum Kirchenmusiker. 2011 erschien seine "Gebrauchsanweisung für Island", seine Komödie "Männerhort" lief sowohl erfolgreich in Theatern und im Kino.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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