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StartseiteSonntagsspaziergangKuba-Zigarren aus Griechenland18.08.2013

Kuba-Zigarren aus Griechenland

Der Erfolg der griechischen Tabakbauern

Zigarren mit kubanischem Tabak, in Europa hergestellt: In Griechenland produzieren bereits seit zehn Jahren Tabakbauern hochwertige Zigarren aus original kubanischem Tabak. Das Handwerk haben sie sich selbst beigebracht. Aber sie geben zu: An das Original kommen sie nicht heran.

Von Marianthi Milona

Eine der bekanntesten Kuba-Zigarren: die Cohiba (picture alliance / dpa / epa efe Alejandro Ernesto)
Eine der bekanntesten Kuba-Zigarren: die Cohiba (picture alliance / dpa / epa efe Alejandro Ernesto)

"Wir wurden als Spinner und Träumer dargestellt, als wir anfingen, von unserer Idee zu erzählen! Wir ließen aber nicht locker. Wir behielten unser Ziel im Auge. Schließlich ist nichts einfach, wenn man es zum ersten Mal macht."

Wer hätte damit wohl gerechnet? Diese kubanischen Klänge stammen nicht von der karibischen Insel. Vielmehr aus dem griechischen Makedonien. Genauer gesagt von der circa 1000 Jahre alten Ortschaft Domenico am Fuße des Olymp. Und weil der Ort so exotisch klingt, wollten ihre 1000 Einwohner mehr daraus machen. Zufällig kommt man an Domenico nicht vorbei. Durch die hoch gelegene Region auf der Südseite des Olymps führt nur eine kleine abgelegene Landstraße. Deshalb hat es auch lange gedauert, bis man in Griechenland von den 800 Familien erfuhr, die seit über einem Jahrhundert die einheimischen Tabaksorten, den Schwarzen Elassonas, Basma, Katerinis und den importierten Verginia-Tabak, kultivierten und jetzt vor dem Aus standen. Die typisch griechischen Marken waren in Europa nicht mehr konkurrenzfähig.

Da hatte Nikos Tsoutsos, damals vor zehn Jahren noch Bürgermeister von Domenico, eine Idee: Er wollte griechische Zigarren aus kubanischem Tabak herstellen. So begann er eines schönen Tages, kubanische Tabaksamen unter seinen Bauern zu verteilen.

"Drei Jahre lang testeten wir sieben verschiedene kubanische Tabakpflanzen. Für uns war das Neuland. Denn die Samen kamen direkt vom kubanischen Außenministerium. Zu unserer Überraschung stellten wir fest, dass das Mikroklima unserer Region gut geeignet zu sein schien. Denn die Ergebnisse fielen rundweg zufriedenstellend aus."

Für Bürgermeister Tsoutsos war das nächste Ziel, nach Kuba zu reisen und dort zu lernen, wie aus dem Tabak eine Zigarre wird. Ein wirkliches Abenteuer, wie sich herausstellte:

"Wir flogen 2004 auf eigene Kosten nach Kuba. Zwei studierte Landwirte, ein einfacher Tabakbauer und ich. Wir durften offiziell keine Informationen erhalten. Nähere Informationen herauszugeben, das ist nicht erlaubt. Aber wir konnten den Zigarrenfachleuten über die Schultern schauen. Und glauben sie mir, wir haben sehr genau hingeschaut! Als wir zurückkamen, gründeten wir sofort eine eigene Genossenschaft und stellten die ersten griechischen Zigarren aus kubanischem Tabak her."

Zehn Familien waren es zu Beginn in Domenico, die sich dem Tabakgeschäft widmeten. Aber bald wurden es schon 35. Von Jahr zu Jahr kommen immer weitere Familien dazu. Auch aus anderen Regionen des Landes. Und aus den 1200 Zigarren ist die Jahresproduktion inzwischen auf 35.000 Zigarren gestiegen. Bisher wurden die griechischen Zigarren ausschließlich im eigenen Land vermarktet. Doch Jiannis Tsoutsos glaubt, dass seine Zigarren demnächst auch auf dem europäischen Markt eine Chance haben werden, sich neben den bestehenden Marken zu behaupten:

"Die beste Zigarre ist unsere Churchill. Sie wird in einem Dreierpaket angeboten. Der Endverbraucherpreis liegt bei 21 Euro. Russische Fachleute haben uns bereits gesagt, dass der Preis für eine Zigarre dieser Qualität und mit einem solchen Aroma sehr günstig sei. Dann haben wir auch noch die Coronna und die Robusto. Im Fünferpaket. Sie kosten 22 Euro."

Ursprünglich hatten die Tabakbauern von Domenico in einer alten Scheune angefangen, mit einfachen Mitteln Zigarren zu drehen. Heute haben sie eine eigene kleine Tabakfabrik. Dort kommen im Frühsommer die getrockneten Tabakblätter, die nur an schattigen Plätzen trocknen dürfen, zur weiteren Verarbeitung. Sie werden nach Sorte und Größe getrennt, im typischen Drehverfahren gerollt und dann in die eigens dafür vorgesehenen Holzschatullen gelegt.

Dann folgt das Pressen. 20 Minuten von der einen und 20 von der anderen Seite. Alles reine Handarbeit. Dass die Qualität des Tabaks zu den Besten auf dem Markt gehört, hat damit zu tun, dass die Tabakbauern mit alten Tabakblättern arbeiten. Momentan werden erst die Blätter der 2007er-Ernte verarbeitet. Denn ähnlich wie bei einem guten Wein lautet das Motto: je älter desto besser. Und sie machen das so professionell, als wären sie damit aufgewachsen.

"Wir sind echte Autodidakten. In Kuba müssen die Zigarrenmacher fünf Jahre lang die Schulbank drücken, um eine selbst gedrehte Zigarre herstellen zu können. Ich finde, das, was wir hier in Makedonien geschafft haben, ist ein Beweis dafür, wie geduldig, gezielt und ehrgeizig meine Landsleute gearbeitet haben, um diese qualitativ hohe und inzwischen weltweit konkurrenzfähige Zigarren herzustellen. Dennoch sind wir nicht übermütig. Wir wissen, wir können den Ruf der in Kuba hergestellten Zigarre noch nicht streitig machen. Schließlich haben die Kubaner 500 Jahre Tradition in der Herstellung von Zigarren!"

Damit die griechische Zigarre schließlich auch einen Markt in Europa finden kann, dafür will der erfahrene Händler Pavlos Kondilidis sorgen. Er hat bereits viele griechische Produkte erfolgreich im Ausland vermarktet. Während er einen langen Zug an seiner "Churchill-Zigarre" nimmt, sinniert er über die Zukunft seiner Heimat. Und über so manches Vorurteil, das in den vergangenen Monaten entstanden ist:

"Wir müssen nur eines begreifen: Es ist an der Zeit uns selbst zu organisieren. Unser Erfolg hängt ganz allein von unserem Engagement ab. Von der griechischen Politik können wir keine große Unterstützung mehr erwarten. Die haben uns in den letzten Jahren komplett im Stich gelassen. Nur wenn wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen, können wir für uns und unsere Kinder eine Zukunft in diesem Land sichern. Darüber hinaus würde ich sagen, wer schlecht über uns denkt, der kennt uns eben nicht gut genug."

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