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Kubanische Zigarren aus Griechenland

Immer wieder gibt es neue wirtschaftliche Schreckensmeldungen aus Griechenland. Und dennoch: Überall im Land, gibt es Menschen, die Ideen haben und der Krise trotzen. Im Norden des Landes haben clevere Tabakbauer ein erfolgreiches Geschäftsmodell entwickelt.

Von Marianthi Milona | 02.05.2012

    "Wohin wir auch gegangen sind, um von unserer Idee zu erzählen! Wir wurden als Spinner und Träumer dargestellt. Wir ließen aber nicht locker. Wir behielten unser Ziel im Auge. Schließlich ist nichts einfach, wenn man es zum ersten Mal macht."

    Zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass Nikos Tsoutsos, damals noch Bürgermeister des kleinen makedonischen Örtchens "Domenico" am Fuße des Olymp, eine revolutionäre Idee hatte: Er wollte griechische Zigarren aus kubanischem Tabak herstellen; Zu einer Zeit, als in der traditionellen Region für griechischen Tabak alles den Bach runter ging. 800 Familien, die seit über einem Jahrhundert die einheimischen Sorten, den Schwarzen Elassonas, Basma, Katerinis und den importierten Verginia-Tabak kultivierten, standen vor dem aus. Längst waren die typisch griechischen Marken in Europa nicht mehr konkurrenzfähig. Um seinen Tabakbauern eine Zukunftsperspektive zu eröffnen, begann Bürgermeister Tsoutsos damit, kubanischen Tabaksamen, der von der fernen Insel importiert worden war, unter seine Bauern zu verteilen. Eine Idee, die sich Jahre später auszahlen sollte.
    "Drei Jahre lang testeten wir sieben verschiedene kubanische Tabakpflanzen aus. Wir stellten fest, dass das Mikroklima unserer Region gut geeignet zu sein schien, die Ergebnisse fielen rundweg zufriedenstellend aus."

    So bestand das nächste Ziel darin, nach Kuba zu reisen, um zu lernen, wie aus dem Tabak eine selbstgemachte Zigarre wird.

    "Wir flogen also 2004 auf eigene Kosten nach Kuba. Zwei studierte Landwirte, ein einfacher Tabakbauer und ich. Wir durften offiziell keine Informationen erhalten aber wir durften den Zigarrenfachleuten über die Schultern schauen. Und glauben Sie mir, wir haben sehr genau hingeschaut! Als wir zurückkamen, gründeten wir sofort eine eigene Genossenschaft und stellten die ersten griechischen Zigarren aus kubanischem Tabak her."

    Gab es am Anfang gerade noch zehn Familien in Domenico, die sich dem Tabakgeschäft widmeten, schnellte deren Zahl bald schon auf 35 hoch. Und wurden zunächst gerade einmal 1200 Zigarren hergestellt, stieg die Jahresproduktion inzwischen auf 35.000 Zigarren sowie 200.000 Minizigarren und Zigarillos - Tendenz weiter steigend. Produziert wird bislang ausschließlich für den inländischen Markt. Noch in diesem Jahr aber wird die Tabakgenossenschaft von Domenico von der griechischen Regierung die langersehnte Lizenz für den Export erhalten.

    "Die beste Zigarre ist unsere Churchill. Sie wird in einem Dreierpaket angeboten. Der Endverbraucherpreis liegt bei 21 Euro. Die russischen Fachleute haben uns bereits jetzt schon prophezeit, dass eine Zigarre mit solcher Qualität und Aroma sehr günstig sei. Dann haben wir auch noch die Coronna und die Robusto. Im 5er Packet. Sie kosten 22 Euro. Und für die Minizigarillos im Neunerpaket zahlt der Verbraucher momentan nur fünf Euro."

    Damit die griechische Zigarre zumindest einen Markt in Deutschland findet, dafür will der erfahrene Händler Pavlos Kondilidis sorgen. Er hat bereits viele griechische Produkte erfolgreich vermarktet. Und er weiß, allen Vorurteilen zum Trotz, dass die Griechen nach einem Zusammenbruch, auch immer wieder auf die Beine kommen:

    "Wir Griechen müssen nur eins begreifen: Wir müssen anfangen, uns selbst zu organisieren. Alles hängt ganz allein von unserem Engagement ab. Von der Politik können wir keine große Unterstützung mehr erwarten. Die haben uns in den letzten Jahren komplett im Stich gelassen. Nur wenn wir uns organisieren, können wir für uns und unsere Kinder eine Zukunft in diesem Land sichern."