Kultur in der neuen Koalition"Kulturpolitik ist Finanzierung von Institutionen"

Welche Rolle spielt die Kultur in den anstehenden Koalitionsverhandlungen? Keine, sagte der Journalist Heinrich Wefing im Dlf. Das müsse sie auch nicht, denn die wichtigste Aufgabe des Bundes sei, finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Und das sei seit mehr als 20 Jahren ein Erfolgsmodell.

Heinrich Wefing im Gespräch mit Stefan Koldehoff | 22.10.2021

Eine Illustration zeigt drei Männchen in den Farben rot, gelb und grün.
SPD, Grüne und FDP wollen die Koalitionsverhandlungen aufnehmen. Spielt die Kultur dabei eine Rolle? (imago/Peters)
"Die Zeiten, in denen Kulturpolitik wichtig war für die Kanzlerkandidaten, sind vorbei", sagte der Journalist Heinrich Wefing im Deutschlandfunk. Im Wahlkampf habe das Thema keine Rolle gespielt und es wird auch in den Koalitionsverhandlungen keine spielen, meint der Journalist. Trotzdem habe der Bund die Aufgabe, Kulturpolitik zu betreiben, auch wenn Kultur nach wie vor Ländersache sei. Denn die Bundesländer und ihre kulturellen Projekte werden auch von der Bundesregierung finanziert.

"Immer mehr Geld in den Bundeshaushalt geschaufelt"

Seit Michael Naumann als erster Kulturstaatsminister angetreten sei, habe diese Bundesbehörde "immer mehr Geld in den Bundeshaushalt geschaufelt" – das müsse man als großen Erfolg verbuchen, so Wefing. "Kulturpolitik, jedenfalls auf Bundesebene, ist eben ganz wesentlich dadurch gekennzeichnet, dass sie Institutionen finanziert und dass Geld zur Verfügung gestellt wird." Kulturproduktion gehöre nicht zur Aufgabe der Bundesregierung.
Die deutsche Geigerin Anne-Sophie Mutter spielt am 18.05.2017 zur Eröffnung der 40. Dresdner Musikfestspiele
Die deutsche Geigerin Anne-Sophie Mutter spielt am 18.05.2017 zur Eröffnung der 40. Dresdner Musikfestspiele (Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa)
Reihe "Innovationsmotor Kultur" - "Wo ist die Verantwortung des Staates für die Kultur?"
Früher habe der Adel die Kultur gestärkt und vorangetrieben, sagte die Geigerin Anne-Sophie Mutter im Dlf. Heute seien Künstler auf einzelne Donatoren oder aber den Staat angewiesen. Gerade in der Coronakrise fehle es jedoch an Unterstützung durch die Politik, das sei "eine der ganz großen Enttäuschungen".
Wefing plädierte für einen pragmatischen Blick auf die Aufgaben von Kultur und Politik. Die Kultur könne bei einer zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung nicht für eine Gegendynamik sorgen. "Es muss umgekehrt sein. Kultur wächst aus der Gesellschaft, ist Teil der Gesellschaft, ist Teil des großen Gesprächs der Gesellschaft über sich selbst. Und was die Politik tun kann ist, dafür Räume zur Verfügung zu stellen. Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen dieses Gespräch stattfindet, die richtigen Menschen auszuwählen, die dieses Gespräch in Gang bringen. Als Institutsdirektoren, als Intendanten, als Museumsdirektorin."