Sonntag, 26. Juni 2022

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Kunstaktion
Höckes persönliches Mahnmal

Der AfD-Politiker Björn Höcke nannte das Berliner Holocaust-Mahnmal ein "Denkmal der Schande". Jetzt hat er es in klein vor seinem Fenster stehen: Kunstaktivisten haben in Sichtweite seines Wohnhauses einen Ableger aufgebaut. Außerdem will die Gruppe den Politiker ausspioniert haben. Sollte sich das bewahrheiten, könnte die Kunstaktion ein schnelles Ende finden.

Henry Bernhard im Gespräch mit Änne Seidel | 22.11.2017

Das ist, was der AfD-Politiker Björn Höcke am 22. November 2017 sieht, wenn er aus dem Fenster sieht. Das Berliner Zentrum für politische Schönheit hat das Nachbargrundstück angemietet und eine Nachbildung der Berliner Holocaust-Gedenkstelen aufgestellt. Höcke hatte jenes Denkmal in einer Rede als "Denkmal der Schande" bezeichnet.
Auf diesen Ableger des Berliner Holocaust-Mahnmals blickt der AfD-Politiker Björn Höcke jetzt aus seinem Wohnhaus in einem nordthüringischen Dorf. Die Künstler des Zentrums für politische Schönheit haben es dort aufgestellt. (Deutschlandradio / Henry Bernhard)
Im Januar nannte der Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke das Berliner Holocaust-Stelenmahnmal in einer Rede ein "Denkmal der Schande". Die Aktivistenkünstler des Zentrums für politische Schönheit haben jetzt in Sichtweite seines Wohnhauses einen Ableger aufgebaut. Und wollen ihn angeblich zehn Monate überwacht haben.
Mehr als 20 Stelen, zwar nicht aus Beton wie beim Original, seien auf dem Grundstück neben Höckes Haus in einem nordthüringischen Dorf aufgebaut, sagte der Thüringenkorrespondent des Deutschlandfunk Henry Bernhard. Höckes Haus stehe auf einem Hügel: "Man hat wirklich einen sehr guten Blick von dort oben auf diese Stelen."
Die Aktion erregte bundesweites Medieninteresse, der Ort war heute voller Reporter. Auch ein Polizeihubschrauber zog seine Kreise, wie Bernhard berichtete.
Zentrum will Höcke ausspioniert haben
Die Kunstaktivisten-Gruppe Zentrum für politische Schönheit, die immer wieder durch gezielte Interventionen ähnlicher Art in die Medien kommt, ging noch weiter. Sie gaben bekannt, sie hätten Björn Höcke monatelang überwacht.
Morius Enden und Jenni Moli, Mitglieder des Künstlerkollektivs Zentrum für Politische Schönheit, stehen am 22.11.2017 in Bornhagen im Eichsfeld (Thüringen) in einem verkleinerten Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals in Sichtweite des Grundstücks von AfD-Politiker Höcke.
Morius Enden und Jenni Moli, Mitglieder des Künstlerkollektivs Zentrum für Politische Schönheit, stehen in Bornhagen (Thüringen) in einem verkleinerten Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals in Sichtweite des Grundstücks von AfD-Politiker Björn Höcke. (picture alliance / Swen Pförtner)
Björn Höcke äußerte sich bis zum späten Nachmittag nicht. Aus Parteikreisen sei allerdings zu hören, der AfD-Politiker habe sich immer wieder beobachtet gefühlt, berichtete Dlf-Korrespondent Henry Bernhard.
Sein Stellvertreter Stefan Möller trat allerdings vor die Presse und sprach von psychologischer Kriegsführung gegen eine ganze Familie, obwohl nur ein einziger Politiker getroffen werden sollte.
Ein Vertreter des Zentrum für politische Schönheit, der vor Ort war, äußerte sich gegenüber dem Dlf nicht zur Überwachung.
Überwachungsvorwurf beschädigt Kunstaktion
"Für mich ist es eine sehr, sehr unglückliche Verquickung zweier Aktionen", sagte Bernhard im Dlf. Die Stelen-Kunstaktion als Kommentar zu Höckes Rede funktioniere wunderbar. "Aber diese Überwachung, die schießt meiner Meinung nach völlig daneben." Sie beschädige die Stelenaktion und könnte diese viel schneller beenden als eigentlich beabsichtigt.