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Libor-Zinsskandal
Bafin entlastet offenbar Deutsche Bank-Vorstände

Noch hat die Bafin ihre Untersuchung der Zinsmanipulationen nicht endgültig abgeschlossen. Dennoch kann Deutsche Bank-Co-Chef Anshu Jain aufatmen. Denn laut Medienberichten deutet nichts darauf hin, dass Vorstände der Bank an den Manipulationen beteiligt waren oder von den Tricksereien einzelner Händler wussten.

Von Michael Braun | 08.12.2014

Die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main
Der neue Termin, wann die Bafin mit der Sachprüfung fertig ist, scheint der Januar 2015 zu sein. (Andreas Arnold, dpa picture-alliance)
Es gibt keine offizielle Stellungnahme, keine Bestätigung, kein Dementi. Sicher ist nur, dass die Bankenaufsicht Bafin in Verzug ist, den Vorstand der Deutschen Bank zu beschuldigen oder reinzuwaschen vom Vorwurf, eigenhändig an Zinsmanipulationen beteiligt gewesen zusein, davon gewusst oder sie gedeckt zu haben. Die Bank und die Branche warten schon länger auf eine Nachricht. Denn Ende Mai schon hatte der zuständige Abteilungsleiter der Bafin, Raimund Röseler, angekündigt:
"Unsere Libor-Untersuchung ist noch nicht endgültig abgeschlossen. Das wird aber jetzt irgendwann im Laufe des Sommers geschehen."
Jetzt ist der Sommer vorbei. Und der neue Termin, wann die Bafin mit der Sachprüfung fertig ist, scheint der Januar 2015 zu sein. Da klingt es plausibel, dass die ersten Nachrichten vom Ergebnis durchgestochen werden. Sie besagen, es gebe keine Hinweise auf organisiertes Fehlverhalten. Es deute nichts darauf hin, dass Vorstände der Deutschen Bank an Zinsmanipulationen beteiligt gewesen seien oder von den Tricksereien einzelner Händler gewusst hätten. So hatte das die Bank auch immer dargestellt, erinnert sich Stefan Bongardt, Bankanalyst bei Independent Research:
"Zwar ist zuletzt auch immer betont worden, auch vonseiten der Deutschen Bank, dass kein Vorstandsmitglied, auch ehemaliges Vorstandsmitglied in diese Geschichten verwickelt ist. Aber ich denke mal, dass heute der Bericht, dass auch Herr Jain da relativ sauber rauskommt, wenn es denn stimmt, sicher positiv ist für die Deutsche Bank-Aktie."
Noch einige Rechnungen offen
Sein Kollege Dieter Hein von Fairresearch war bisher einer der schärfsten Kritiker Anshu Jains als Bankleiter:
"Strafzahlungen kommen fast alle aus dem Investmentbanking. Und da war Herr Jain der Chef in den Jahren 2001 bis 2012. Also, er ist genau der, der dafür verantwortlich ist. Und dass er immer noch in Amt und Würden ist, kann bei diesem Hintergrund eigentlich nur erstaunen."
Im Prinzip bleibe er dabei, sagte Hein heute. Denn es könne ja auch nur sein, dass die Bafin keine justitiablen Beweise gegen Jain gefunden habe. Zwar sei es eine gute Nachricht für die Bank, wenn die Bafin Jain entlasten sollte. Gleichwohl bleibe Jain verantwortlich für die rund sechs Milliarden Euro, die die Bank seit 2012 für Strafen und Vergleiche ausgegeben habe. Außerdem, so Stefan Bongardt von Independent Research, seien ja noch einige Rechnungen offen:
"Nach wie vor stehen ja Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit dem Devisenhandel, Rückkaufforderungen von Hypotheken und noch ist nicht mit allen Aufsichtsbehörden hinsichtlich der Vorwürfe 'Manipulation von Interbankenzinsen' ne Einigung erzielt worden. Das heißt: Das steht auch noch aus. Das wird für die Deutsche Bank 2015 ein großes Thema sein. Und wir werden mit Sicherheit noch weitere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten sehen, die, ja, hoch ausfallen."
Die Bank hatte per Ende September drei Milliarden Euro zurückgestellt, um solche Rechtsrisiken abfedern zu können. Gut möglich, dass bis Ende Dezember weitere namhafte Beträge hinzukommen.