Niedrigwasser
Logistikverband: Lkw können Binnenschifffahrt nicht ersetzen

Die Beeinträchtigung der Binnenschifffahrt beim Gütertransport wegen des Niedrigwassers kann laut dem Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) kaum durch Lastwagen kompensiert werden. Es gebe im Lkw-Sektor keine stille Reserve, sagte DSLV-Hauptgeschäftsführer Huster im Deutschlandfunk.

    Der Rhein mit Niedrigwasser bei Köln-Mülheim: Kinder spielen am ausgetrockneten Rheinufer, der Fluss selbst ist nur ein schmales blaues Band, im Hintergrund ist der Kölner Dom.
    Wegen historisch niedriger Pegelstände der Flüsse haben etliche Bundesländer das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen vorübergehend gelockert. (imago / Jan Huebner)
    Laut Huster sind die Transportunternehmen bereits seit Wochen bemüht, die Versorgung von Industrie und Handel sicherzustellen. Güter seien verlagert worden, um Engpässe abzufedern - auf die Schiene und auch auf den L kw. Dabei wurde ein Problem deutlich: Es fehlen in Deutschland Fahrer und Fahrerinnen. Huster erläuterte, dass man zum Ersatz eines Binnenschiffs mit 3.000 Tonnen Ladung und einer vierköpfigen Besatzung 150 Lastwagen benötige. Vor diesem Hintergrund sei das Verlagerungsvolumen begrenzt. Dem DSLV-Hauptgeschäftsführer zufolge liefen auch Gespräche mit der Bahn-Güterverkehrstochter DB Cargo und privaten Eisenbahnen. "Und auch da sieht es so aus, dass zwar Kapazitäten vorhanden sind, aber nicht in dem ausreichenden Maße, wie sie nötig wären."

    Unternehmen bauen auf Lagerbestände als Puffer

    Es passiere immer wieder, dass der Pegel absinke und deshalb Schiffe nicht voll abgeladen werden könnten, sagte Huster. Deshalb bauen Industrie und Handel erfahrungsgemäß vorsorglich große Lagerbestände als Puffer auf. "Was wir jetzt momentan haben, ist eine außergewöhnliche Krise."

    Weitere Bundesländer lockern Sonntagsfahrverbot

    Mit Bayern und Mecklenburg-Vorpommern haben nun zwei weitere Bundesländer das Fahrverbot für Lkw an Sonn- und Feiertagen gelockert. Wegen der historisch niedrigen Pegelstände in deutschen Flüssen hatten zuvor bereits Baden-Württemberg, das Saarland, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Ausnahmeregeln erlassen. Sachsen lehnt eine generelle Lockerung ab und verweist auf mögliche Ausnahmegenehmigungen.
    Der Logistikverband BGL warnte vor zu hohen Erwartungen. Zwar könnten Lkw-Transporte jetzt flexibler geplant werden, erklärte Verbandspräsident Engelhardt. Die Ausnahmeregel löse aber das Kapazitätsproblem im Straßengüterverkehr nicht. In Deutschland fehlten weiterhin mehr als 100.000 LKW-Fahrer.

    Niedrigwasser belastet Industrie und Handel

    Die derzeit niedrigen Pegelstände in Flüssen wie Rhein oder Donau stellen die Binnenschifffahrt vor große Probleme. Die Schiffe können deutlich weniger Ladung transportieren oder gar nicht mehr fahren. Das erhöht die Transportkosten und belastet vor allem Industriebranchen, die auf Massenguttransporte angewiesen sind. Sogenannte Massengüter sind etwa Mineralöle, Kraftstoffe, Kohle, oder auch Agrarmittel wie Saatgut, Dünge- und Futtermittel.

    Rhein droht zeitweise unpassierbar zu werden

    Für die Schifffahrt ist vor allem die Fahrrinnentiefe entscheidend. Die Fahrrinne ist der Bereich des Flusses, in dem im Normalfall bestimmte Breiten und Tiefen für den Schiffverkehr vorhanden sind. Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) erwartet, dass im Laufe dieser Woche der Rhein nicht mehr durchgängig befahrbar sein wird. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) veröffentlicht regelmäßig Wasserstandsvorhersagen für ausgewählte Pegel am Rhein sowie eine 6-Wochen Vorhersage des Wasserstands und Abflusses für ausgewählte Pegel an Rhein, Elbe und Donau.
    Diese Nachricht wurde am 11.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.